Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 46 (10.6.1903)
- Date
- 1903-06-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M 4Ö GenLrat-Hrgan für das örthodoXe Begründet von' ■ ,V Dr UshmKNN in MKLrrz. tittwoch, den 15. Siwatt LSSS 10. Juni 1903. Hin „uiWckUcs" Ich ilher hl Mklilßm. Als ein unparteiisches, also objektives, gerecht urtheilendes Buch über die Geschichte der deutschen Juden von der ältesten Zeit bis in die jüngste Vergangenheit empfiehlt sich eine neue Schrift*) in dem ihr beifolgenden Prospekt. Wir bedauern lebhaft, dem Buche nach eingehender Prüfung seiner Darstellung die Unparteilichkeit und Objektivität entschieden bestreiten zu müssen. Der Verfasser mag vielleicht einen solchen Wunsch gehegt, möglicherweise gar dem Verleger ein solches Versprechen gegeben haben, erfüllt hat er sie nicht, vermutlich sie auch gar nicht erfüllen können. Liebe ist viel zu sehr ein Kind seiner, d. h. unserer antisemitisch verderbten und verpesteten Zeit, um jüdische Geschichte objektiv und gerecht behandeln zu können. Er müßte auf einer viel höheren geistigen und sittlichen Stufe stehen, müßte viel mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Urtheil besitzen, viel mehr sittliche und religiöse Stärke, viel-mehr Ehrfurcht und Verständniß für. das Große und Erhabene, für das Heiligste und Tiefste im Menschenherzen, als dies alles bei ihm der Fall ist, um alle bei Gebildeten und Ungebildeten herrschenden, von Haß, Neid und Scheelsucht eingegebenen Vorurtheile gegen die Juden abfchütteln und mit ungeblendetem Auge, und nachfühlendem Herzen die Lage und die Verhältnisse der Juden im deutschen Mittelalter sehen und beurtheilen zu können. Unter den angeführten Umständen aber ist sein Buch trotz einzelner interessanter Details, die speziell das Geldwesen der Juden im Mittelalter betreffen. .) Liebe. Georg. «Das Judenthmu in der deutschen Vergangenheit." Mit 108 Abbildungen und Beilagen »rach Originalen, gröhtentheils aus dein fünfzehnten bis achtzehnten Jahrhundert. Leipzig 1903. Eugen Di ederichs. Brosch. Mk. 4.—. trotz der prächtigen, kulturgeschichtlich lehrreichen und/ interessanten Illustrationen.und Nachbildungen . altep Holzschnitte und seltener Kupferstiche deutscher Meisters als Ganzes betrachtet, als historisches Gesammtbild gewürdigt, ein völlig to t rthloses, ja schädliches' geworden. Die folgenden Bemerkungen. sollen dieses Urtheil begründet , ' / \'v’ Der Verfasser rückt den sozialen, ganz besonders, aber. den finanziellen Gesichtspunkt in der Geschichte, der Juden im deutschen Mittelalter in den ' Vorder-' grund und bemüht sich nachzuweisen, daß das tragische. Schicksal derselben sich ausschließlich oder doch .vornehmlich' düs diesem Gesichtspunkte verstehen fasse,' Man wird wohl zugeben müssen, daß dieses Momenf Berücksichtigung in hohem Grade verdient, aber es allein geltend zu machen und'alle anderen/so zunächst das religiöse, fast ganz unbeachtet zu'lassen und' auszuschalten, wie dies der Verfasser' thut, heißt ddch eine Einseitigkeit durch eine noch größere überbietefl/ Wäre der Haß und die Verfolgung nur aus angeblicher finanzieller Uebermacht oder den wucherischem Geschäften der Juden entsprungen, so müßten doch' die Fugger und Welser etc. von demselben tödtlichen' Haß getroffen werden. Wir wissen jedoch,', daß sie,' wie zu allen Zeiten die Wohlhabenden und vom.Glück begünstigten, beneidet Und gehaßt, aber' gleichzeitig auch mit allen nur erdenklichen Ehren von Fürsten üyd Bürgern überhäuft wurden. ^"•; ’ Die falschen Prämissen und Grundanschaüüngen des Verfassers bewirken es, daß er sich, um diese zu'' retten, in arge Widersprüche, Inkonsequenzen und Fehlschlüsse verwickelt. So meldet er auf Seite 8, dshabe „zu 'allen Zeiten Juden gegeben,' welche - aus' ihrem Zusammenleben mit Deutschen ehrlich die Konsequenzen zogen, in Worms/Mainz und Köln finden^ wir im 12. und 13.. Jahrhundert patrizische Geschlechter Namens Jude, bei denen die Wahrscheinlichkeit., für - jüdische Abstammung spricht: sie waren Deutsche ge-»