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Der Israelit · 1903-11-23 · Heft 93 (23.11.1903) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 93 (23.11.1903)
Date
1903-11-23
Page
– (sequence 20)
Language
German
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2058 Antworten. Er tarn auf Befehl, öder erließ ihn, er empfing oder brachte Papiere. Unter den Angekommenen war nicht selten Einer in Militäruniform, sogar der d-er höheren Chargen, Gesichter, in denen Strapazen, Verbannung, lange Martern ihre Furchen gezogen: mancöe Brust war bedeckt mit den Orden, die der Besitzer in den Kämpfen am Kaukasus und im Oriente mir Blut sich erbeutet. Abstachen von ihnen dir Notbleidend-en, Arbeiter, Handwerker, Höckerinnen und Straßenpööel. Bewegung und Thätigkeit überall und über die Maßen, Unordnung aber auch säst in gleichem Grade. Kurz nach Jakob und dessen Begleiter kam direkt vom Kampfplatz ein am Fuße schwer verwundeter junger Mann, der in einigen Worten von dem wüthenden Kampfe erzählte, in dem er seine Wunde erhalten, und der dringend um einen Arzt bat, um seinen Fuß so schnell als möglich zu heilen, denn fehnlichft wünschte er zurückzukehren, zu neuem Kampfe. Die Stirne des jungen Mannes war verklärt vom Heldenmuthe. Die Fieberhitze in seiner Wunde war geringer, als die seiner Kampfbegier. Nach ihm trat ein Anderer herein mit der Nachricht, daß die Polizei die Geheimdruckerei überfallen, welche sich irgendwo auf dem Boden eines Hauses ver- > barg. Er war vor Schrecken noch ganz blaß. Alle .rangen die Hände. ..Welch' Wunder Gottes!" rief er zitternd und schluchzend. „Gott bat uns sichtlich gerettet! Das Haus war umzingelt. Erst untersuchte man das erste und zweite Stockwerk. Gendarmen postirte man vor alle Thüren. Es war keine Zeit mehr, die Papiere zu verbrennen, noch Lettern und Presse zu vernichten. Tödtlicher Schreck überfiel uns Alle. Da knieten wir nieder und beteten: „Wer sich in Deinen Schutz begibt!" u. s. w. Auf den Korridoren, auf dem Boden hörte man schon Waffenklirren, das Einhauen der Polizei. Rufen, Lärm und Geschrei. Man wußte, daß die Druckerei in diesem Hause sei. Man suchte nach Büchern, nach Schlupfwinkeln auf dem Nebenboden. Wir hielten uns für verloren und harrten nur des Augenblicks, da die ausgehobenen Thüren fallen würden. Aber unser Gebet wurde umso inbrünstiger' Unserer Fünf knieten wir im Stübchen und flehten noch einmal Gott um Erbarmen an. um das Wunder, welches uns als eine Unmöglichkeit erschien. Still rannen die Thränen über unsere bleichen Wangen. Nebenan visitirte man schon die zweite Stube. Bon der anderen Seite horten wir Waffenklirren und Schimpfen. Die Zeit wurde uns ewig lang! Wir knieten im Gebet und warteten, bis nach und nach aller Lärm aufhörte. Vorsichtig wagten wir endlich, hinauszusehen. Gendarmen und Polizei waren fortgegangen, ohne etwas gefunden zu haben. Von sechs Thüren in einer Reihe hatten sie einzig die Unselige vergessen und übergangen! Gott allein hat ihnen, die Augen verschleiert!" (Historisch.) Der Bursche, als er dies erzählte, zitterte noch immer und faltete gerührt die Hände. Alle Zuhörer standen starr vor Erstaunen. Man mußte sofort daran denken, die Druckerei irgendwo anders untrrzuöringen und ertbeilte die nöthigen Befehle. Aus dieser beschleunigten, ungleichartigen und urplötzlichen Tbätigkeit konnte Jakob nur das Eine entnehmen, daß nichts ordentlich organistrt und vorbereitet war. Es fehlte an Geld, man schickte etwas zu borgen, zu fordern oder zu erbitten von gutwilligen Leuten. Vom Kampfplatze kamen alle Augenblicke schmerzliche Ablagen über Mangel an Waffen. Pulver, Ambulanzen, Aerzten und Arzneien. Hier verhaftete man einen Abgesandten, dort hatte ein gewissenloser Lieferant unter die theurr bezahlten Karabiner eine Menge ohne Geschoßdrebungen im Laufe, verrostete, zerbrochene gesteckt, die er irgendwo als Ausschuß in österreichischen Arsenalen gekauft hatte. Weder die sichtliche Erfolglosigkeit, noch di; Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatten, schreckten diese Handvoll Leute ab, die mit tollkühnem Mut he geradezu Wunder bewirkten. Die Lauheit der Russen, die ihnen hätte zu denken geben müssen, dient; nur zur Verbreitung der Bewegung, welche immer wunderbarer und gefährlicher sich selbst vertraute. Aus dem ganzen Gebiete des früheren Polen häuften sich hier die Anzeigen. Briefe und Boten. Aber fast von allen Seiten brachten sie mit sich Verzweiflung. Ausflüchte. Bitten um Aufschub des Aufstandes! (Zu spät!) Tie Provinzen-leisteten den russischen Raubzügen passiven Widerstand, mebr noch Galizien, als Posen. Man sah mißtrauisch auf die kleinrussischen Intriguen, obgleich hier die Regierung mit geschlossenen Augen, fast am hellen Tage, sich Hülfstruppen versammeln ließ. Leider war dies ein Mittel für . Oesterreich, auf die i billigste Weise sich feiner revolutionären Elemente zu entledigen. Die Verblendung der Anführer der Bewegung sah selbst in diesem Umstande, der sie hatte abschrecken sollen, die besten Vorbedeutungen der Zukunft. Jakob war erstaunt, als er unter Anderen hier auch Gromow eintreten sah. der. überwältigt von den Ereignissen, noch einmal vergebens flehentlich bat. den Aufstand anfznbalten. hierüber lächelten schon Alle. ..Beschleunigt Ibr auch den Euriaen!" rief Einer, ist es neraW Zeit? Ties Eine können wir Euch ratben: Beiheiligt Euch am Kriege. Bemübt Euch, die Pozkolniks zu erwecken!" (Fortsetzung folgt.)

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