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Der Israelit · 1903-11-23 · Heft 93 (23.11.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 93 (23.11.1903)
Date
1903-11-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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mtamnii ür das l</MO S L S<^-',W i A Ft Q h -O'- f>. 23.NoV.1903.^ iNr. 5l wsrm mm «ML xm ev Eu8e. Zeitgemälde von I. I. Krüszewski in autorisirter Uebertragung. 51, Von den Russen bemühte sich nur Gromow allein, der Revolution vorzubeugen. Umsonst aber lief er flehend und beschwörend umher. — Wie die Fluth, die den Damm zerriß, unaufhaltsam wogten die Strömungen. Den Ausgerückten winkte die Hoffnung auf Befreiung, oder — der Tod! Bestürzung herrschte unter den Leuten, die kalten Blickes in die Zukunft sahen. Das Gespenst der Rache, die alte Geschichte von 1794 mit all' ihrem Gefolge von Wutb und Barbarei schien sich zu wiederholen, und schon von weitem zu grüßen. Während die Einen in die Wälder gingen, verhaftete die Polizei die Andern. Man hielt Haussuchungen, wühlte die Dielen auf und grub Löcher. Manchmal kam man den Leuten auf die Spur. Manchmal wurde ihnen etwas untergeschoben und eine Schuld aufgebürdet. Die Citadelle war überfüllt. Alle paar Tage schickte man die überzähligen Opfer nach Sibirien. Kaum reichten ihre Ketten aus. j Wie Schatten schlichen auf den Straßen die Leute, die j weder selbst hinauszugehen, noch die Andern zurückzuhalten die Kraft hatten. Und während all' dieser Vorboten des Sturmes, ergrünte das Laub der Haine, schmückten sich die Wiesen mit Blumen, trillerten die Lerchen ihre Lieder über dem Lande, welches nur zu bald die Raben beherrschen sollten. Die letzten Stunden der Hoffnung schlugen, eine nach der andern. Rußland schäumte vor Wuth und stand bereit zum Gemetzel, zu seiner Bluthochzeit, zu dem gewaltigen Siege, um dm ein Kriegsheer von Hunderttausenden ein Jahr lang kämpfen sollte zur Ueberwältigung winziger Häuflein von Leuten ohne Waffen, ohne Lager, ohne Pulver und ohne Geld!' Gequält von dem Gedanken und der Verzweiflung, mit der ihn das Schreckbild der Zukunft erfüllte/ saß Jakob Nächte lang in jenem apathischen Zustande, der empfindlicher ist, als der grausamste Schmerz. Alle Ziele des Lebens waren ihm entschlüpft. Bon Glück träumte er nicht mehr. Die Glaubensgenossen wandten sich voll Widerwillen von ihm ab. Für das Land konnte er nichts thun. Alle Wege, die er einschlagen wollte, waren vertreten, zerstampft und beschmutzt oder zu Nichts führend. Zu leben so, wie die Andern das Leben verbringen, blos, wie man zu sagen pflegt, um es loszuwerden, ohne Zukunft, ohne Hoffnung und ohne Arbeit, das verstand er nicht. Die Arbeiten, denen er sich unterziehen konnte, waren schon durch Andere vollendet. In solcher Gemllthsverfassung, dem moralischen Tode, stirbt der Mensch entweder toirklich, oder er sucht in irgend einem Wahnsinn sich neue Nahrung. Jakob fühlte, wie die Kühle der Verzweiflung ihn ringsumgab. Das Buch entsank seiner erstarrten Hand. Gedankenlos starrte er in die Lampe und so sank er auf dem Kanapee in tiefen Schlummer. . Als er erwachte, war die Lampe erloschen. Das graue Dämmerlicht: drang in das Zimmer durch die unverhllllten Fenster, die Morgennebel hüllten Alles - in weiche, farblose Schleier. In der Welt war's so traurig, wie in seiner Seele.

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