Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 93 (23.11.1903)
- Date
- 1903-11-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449975--59496-2522785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bwnm . der Unterzeichner unseres Aufrufs trug, man möge die Landgemeinden, welche der regelmäßigen Belehrung entbehren, behufs Abhaltung von Vorträgen von den Bczirksrabbinern in gewissen Zeiträumen bereisen lassen. Bezüglich des Gebetbuchs bemerkt der Oberrath. es werde dem Urtheil der Oeffentlichkeit unterbreitet werden, aber nicht vor Jahresfrist. ' Von sonst gut unterrichteter Seite wurde uns versichert, daß das Erscheinen des Gebetbuches in Kürze zu erwarten sei. Sollte vielleicht gerade das Interesse, das die Gegner seiner Intentionen an der Gebetbuchfrage zeigen, den Overrath veranlaßt haben, einen günstigeren Zeitpunkt für die Veröffentlichung abzuwarten? Ueber die Annahme des Entwurfs, heißt es weiter, wird die Synode zu enffcheiden haben. Wir aber bestreiten dem Oberrath und der Synode das Recht zu solchen tiefeingreifenden Neuerungen. Die Tendenzen des Gebetbuches, welche durch die vor Kurzem im Druck erschienene Rede eines der Konferenzrabbiner näher be- J lannt geworden sind, beruhen theils auf mißverständlicher Auffassung, theils auf der Leugnun g wichtiger Grundsätze des Judenthums. Zu solchen Reformen ist weder der Großh. Oberrath, noch die Synode vom Standpunkte des Religionsgesehes aus befugt. Es wird ferner betont, daß ja den Gemeinden die Einführung freigestcllt sein werde. Wie aber ist es mit den Schulen, für welche der Oberrath das Gebetbuch im Verwaltungswege einfllhren kann? Darüber geht das Flugblatt mit der Wendung hinweg, „es seien noch keine Beschlüsse gefaßt", anstatt klar zu sagen, daß auch hierin ein Gewissenszwang nicht beabsichtigt fei. Es bleibt also weiterhin die Befürchtung bestechen, daß die Gesetzestreuen eine schwere Vergewaltigung erleiden könnten. Wenn man von der Einführung des Gebetbuches eine Hebung des religiösen Sinnes erwartet, so weisen wir auf die großen Städte unseres Vaterlandes hin. die bereits eigene GebetorHmung haben. Ist dort etwa die Religiosität größer, ist der Besuch der Synagogen stärker? Der Nutzen des Gebetbuches ist sehr fraglich; zweifellos sicher aber ist. daß durch dasselbe eine Spaltung und tiefe Kluft in der badischen Judenheit hervoraerufen wurde; sind ja auch im Schoße des Oberraths selbst.anläßlich dieser Frage Differenzen entstanden, die den Austritt eines Mitgliedes zur Folge hatten. In den großen Städten ist ja heute schon den Gesetzestreuen Gelegenheit gegeben, an einem besonderen Gottesdienst nach altem Ritus theilzunehmen. Wie würde, es aber-dann in den kleinen Gemeinden aussehen,. wo der Großh. Oberrath für einen zweiten Gottesdienst nicht Sorge, tragen kann? . In welcher Weise gerade durch die. Gebetbuchfrage die Gemutber erregt werden, zeigt die Geschichte. Der L' .• Vater des Gedankens, Dr. Vogelstein in Sjettin,!. verfaßte vor Jahren für den Westfälischen Gemcindeverband ein ..modernes" Gebetbuch (s. Verordnungsblatt 1897 II S. 17). Die Folge war der Austritt einer respektablen Anzahl westfälischer Gemeinden. aus.dem Verband, ihr Zusammenschluß zu einem besonderen, den Tendenzen des traditionellen Judenthums, hul- . lügenden Verein. Nicht w i r sind es also, welche „die beiden Richtungen im Judenthum einander entfremden, und einen Keil in die Landesorganisation treiben." Wir dienen vielmehr den Interessen des Friedens, wenn wir auf die Gefahren, die durch das Gebetbuch der badischen Judenheit drohen, bei Zeiten Hinweisen. Wenn am Schlüsse des Flugblattes die Lehrer und Synagogenräthe (besonderen Werth legen wir auf die ersteren) gegen uns scharf gemacht werden, so. verwahren wir uns auf's Entschiedenste gegen diese Unterstellung. Gerade'die Lehrerschaft, als die Organisation, die am ehesten für die Verwirklichung unserer' Tendenzen arbeiten und dem Jndifferentismüs.- am besten steuern kann, rufen wir auf als Bundesgenossin' - für unsere idealen Ziele, und sie wird uns bei ihrer tute' erkannten Intelligenz ihre Hilfe nicht versagen.. ' " Soviel zur Begründung unseres Aufrufs; Vor-, schläge zur Besserung werden wir sobald als möglich: auf dem Wege des Petitionirens an geeigneter Stelle^ vorzubringen uns nicht scheuen. , . v . .. .... Anmeldungen zu dem genannten Vereiy sind zw richten an Herrn Samuel Ieselsohn in Neck a,r^ b i s ch o f s h e i m. (Von dieser Nummer stehen den. Gesinnungsgenossen in Baden eine Anzahl kostenfrei, zur Verfügung. Red. des „Israelit.") .; Graudcnz. Herr Rabbiner Dr. L.oevy schreibt, uns: Auf den Artikel, die Bar-Mizwah-Tabelle des- Kalenders betreffend, erwidere ich Folgendes:. Jeder mit der Sache Vertraute kommt eher da?, rauf, daß, was in der Bar-Mizwahtabelle.nachgedruckt ist, von dem Sulzbach'schen Kalender m i r. nachgedruckt sein müsse. Ist doch bekanntlich die.Zu-, gäbe der Var-Mizwahangaben im Kalender überhaupt , zum ersten Male in dem von. mir herausgegssbenen^Ks-.', lcnder (Verlag S. Lehrberger & Cie.) im Jahre erschienen. Sic wurden dann, noch in demselben Jahr-' gang in dem von Herrn S u l z b a ch herausgegd-' benen I. Kauffmann'schen und M. Lehrberger'sHel^ Kalender nachgemacht, indem sie nachträglich, gedrucktf und den Kalendern beigefügt, zum'Theil.sogar nach'ge^ schickt wurden. Hingegen ist die, wie Herr 'Sülzbäch .mittheilt. versehentliche Angabe, die in dem voN'ihm^ herausgegebenen Kalender sich vorfindet,'' in mnrfejlr. vciri Kalender-Manuskript, wie ich' cs det. MrfäM'' Handlung einsandte, nicht vorhanden-dkeses eNthielr' vielmehr von vornherein die richtige ' Angabe. ' Die' Verlagshandlung jedoch, die von mehreren Seiten auf das Herrschen verschiedener Minhagim für die Bar- '-.•vT*?*.''*