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Der Israelit · 1903-11-23 · Heft 93 (23.11.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 93 (23.11.1903)
Date
1903-11-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Wählern Fühlung nehmen wollen, um sich von der Stimmung in den Stadtvierteln selbst zu überzeugen, und nachdem sie von der einmüthigen Stimmung Kentniß genommen hätten, würden sie in dem Sinne der Versammlung ihre Stellung in der Frage weiter fest behaupten. Herr Klausner führte ein zweites Mal aus, daß er lediglich deßhalb gegen die Orgel sei. weil diese chukkaß hagoj wäre, und auf den Zuruf des Herrn Behr. die Orgel wäre ein Sympton. acceptirte er diesen Ausdruck, gerade deßhalb sei er dagegen. Nach einmüihiger Annahme einer von Herrn Vehr eingebrachten Resolution folgenden Wortlauts: „Die am 19. November 1903 in der Brauerei Königsstadt tagende Versammlung, überaus zahlreich besucht von Herren und Damen der in den Vierteln Schönhauser-, Prenzlauer- und Königsthor wohnen-, den. jüdischen Bevölkerung Berlins, protestirt gegen die Absicht, in der Synagoge Rykestraße eine Orgel zu errichten und drückt den entschiedenen Wunsch aus, daß der Gottesdienst in dieser Synagoge nach a l t hergebrachter Weise eingerichtet wird," wurde die Versammlung gegen 11 Uhr geschlossen und ließ in den Teilnehmern das Bewußtsein zurück, hoffentlich zu einer Sache beigetragen zu haben, die nicht nur für die Gemeinde zu Berlin, sondern auch für viele andere Gemeinden von Bedeutung ist, denn es gibt immer noch eine Reihe von kleinen Gemeinden, die glauben, dem großen Berlin nicht nachstehen zu müssen in Bezug auf Einrichtung einer Orgel, als einer der modernen Zeit entsprechenden, unbedingt nothwendigen Einrichtung. Hoffentlich wirkt es auch in Zukunft weiter auf die Provinz-Gemeinden zurück, wenn sie' sehen, daß in Berlin endlich mit dem Wahne gebrochen wird, daß es ohne Orgel nicht geht. Die Autorität des Rabbinats aber, und vor allen Dingen des „angesehenen Mitgliedes desselben", welches sich für die Orgel aussprach, hat durch den Verlauf der Versammlung wahrlich nicht gewonnen. Dies bezieht sich natürlich auf diejenigen, bei denen die Autorität des jetzigen Rabbinats in seiner Gesammtheit überhaupt noch^ etwas einbüßen konnte; denn es gibt ja manche einfache jüdische Hausfrau, die, im Falle sie einen religiopsgesehlichen Entscheid haben will, nicht an diese Herren apvellirt, sondern ganz wo anders Belehrung sucht und findet. Wir nahmen: arz. daß der Vorstand der. jüdischen Gemeinde auf seiner Vorlage nicht bestehen bleibt, wenn anderster, sich , nicht den berechtigten Vorwurf züziehen w.iks, daß er es. versucht, . 'einen großen Theil der Gemeinde geistig'zu'vergewaltigen... . .,N- 3* Zetturrgsnachrichlen und Correspondenzeir. Deutschland., Aus Baden. Auf den auch in diesen Blättern veröffentlichten Erlaß des Großh. Oberraths der Israeliten. hat der „Verein zur Wahrung der Interessen des gefetzestreuen Judenthums in Baden" mit folgender Kundgebung geantwortet: „Dem Aufrufe, welchen wir vor einigen Wochen an die gesetzestreuen Juden Badens wegen der hier herrschenden religiösen Mißstände ergehen ließen, ist vom Großh. Oberrath der Israeliten in seinen „Verordnungsblättern" und gleichlautend in einer an alle Mitglieder der „Landessynagoge" versandten Flugschrift eine Entgegnung zu Theil geworden, die nicht unwidersprochen bleiben kann. Der Oderrath setzt sich über die von uns vorgebrachten Beschwerden einfach hinweg, indem er sie als „Angriffe auf die Landessynagoge und ihre geordneten Vertreter" hinstellt. Dadurch soll offenbar der Anschein erweckt werden, als wären wir der angreisende Theil, als hätten wir es bei unserer Aktion lediglich darauf abgesehen, die Autorität der Behörden durch „schwere Anschuldigungen" zu untergraben. In Wirklichkeit ist die Gründung unseres Vereins ein Akt der Abwehr; die immer weiter um sich greifende Neuerungssucht, die auch vor unseren heiligsten Traditionen nicht Halt macht, in erster Linie das geplante Attentat auf unser aliehrwürdiges Gebetbuch hat uns zu unserem Vorgeben veranlaßt. Wir waren dabei genöthigt, auf die Entwickelung hinzuweisen, welche die religiösen Verhältnisse in Baden unter der Alleinherrschaft des Reformjudenthums genommen haben, und hofften durch einen Appell an unsere Gesinnungsgenossen eine Wendung zum Besseren herbeiführen zu können. Der Großh. Oberrath hat es nicht für nöthig erachtet, auf unsere wohlbegründeten Klagen über den fortschreitenden Verfall des jüdischen Lebens, über die beispiellose Gleichgültigkeit .und Unwissenheit in religiösen Dingen u. s. w. näher einzugehen; er antwortet darauf nur mit dem Vorwurf, wir hatten für unsere Behauptungen keine Beweise gebracht. Ist die von uns erwähnte erschreckend Hobe Zahl der Taufen, zu denen gerade in letzter Seit die Hauvtstadt ein großes Kontingent gestellt hat. ist die außerordentlich verbreitete Entweihung des Sabbat und der Festtage, ist ferner der mangelhafte Besuch des Gottesdienstes nicht Beweis genug für den von uns beklagten religiösen Jndiffereniismus? Daß man allgemein das Gefühl hat, es muffe etwas geschehen, um der Unwissenheit auf dem Lande zu steuern, beweist der in der letzten Synode eingebrachte Antrag, der, nebenbei bemerkt, auch den Namen eines

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