Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1903-11-19 · Heft 92 (19.11.1903) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 92 (19.11.1903)
Date
1903-11-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449890-2449974--59472-2522730
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

3Ö Uhr zur kirchlichen Vorbereitung in der Synagoge I einzufindett.' Von Seiten des StaLionskommandos Der Chef des Stabes: Paschen. An Herrn Lehrer und Prediger S. Meyer hier. Börsenstraße 16. Frankreich. Paris, 13. Nov. Die Schule von Tanger nimmt unter den von der „Alliance" gegründeten Unterrichtsanstalten die zweite Stelle ein. da ihr Bestehen auf das Jahr '1864 zurückzuführen ist. Seitdem hat die „Alliance" dieser Stiftung jährlich beträchtliche Opfer bewilligt, denen sic aber nun mit großer Zufriedenheit entgegensehen darf. In der Schule wurden nämlich Zöglinge ausgebildet, die jetzt zu tüchtigen und gelehrten Männern und Frauen herangewachsen sind; sie stehen an der Spitze der jüdischen Gemeinde und halten es für eine Pflicht, die Kosten der jetzigen Schule auf sich zu nehmen. Daher werden heutzutage die Spesen, abgesehen vom Gehalt der Direktoren, sämmtlich von der Gemeinde entrichtet. Ferner ließ diese Gemeinde auf ihre eigenen Kosten ein prachtvolles und geräumiges Schulgebäude errichten, dessen Einweihung vorige Woche mit großer Feierlichkeit, im Beisein aller Lokalbehörden, stattfand. Eine solche Stiftung ist der beste Beweis dafür, daß dieser marokkanischen Gemeinde eine neue Aera bevorsteht, und daß sie sich hin-, sichtlich der Kultur allmählich den Gemeinden des Westens gleichstellen wird; auch wird dies einen segensreichen Einfluß auf die übrigen Gemeinden Marokkos ausüben.. Der „Alliance" schwebt als einziges Ziel vor. die Gemeinden in die Bahn des Unterrichts, als des höchsten Lebensideals, zu lenken. Hat sie diesen ihren Zweck erreicht und sind einmal die Gemeinden, wie es in Tanger der Fall ist, sozusagen mündig geworden, und fähig, ein eigenes Leben zu führen, so überläßt ihnen die. „Alliance" die Berivaltung ihrer Unterrichtsanstalten, um ihr Kulturwerk anderswo in weniger begünstigten, und geistig zurückstehenden Gemeinden forizusetzen.:;. Rußland. Odessa. Der Prozeß wegen der Vorgänge^ in Kischinew^ begann am 6. November vor dem hiesigen Gerichtshof bei geschlossenen Thüren. Die Anklage gegen die Juden wegen Ermordung des Christen Cossopows ist fallengelassen worden, weil Nothwehr vorlag. ' , vermischtes. Mülheim a. d. Ruhr. Unserem ehemaligen verdienstvollen Lehrer und Prediger L. Oppenheimer, der nach 43 jähriger erfolgreicher Dienstzeit, wovon er cnca 27 Jahre in hicsiger Gemeinde thätig war. m den wohlverdienten Ruhestand getreten ist, wurde von Sr. Majestät dem Kaiser der Hohenzollernsche Hausorden verliehen. Weilbrtrg. Der Sohn unseres Herrn Bczn ks-RabLmers, Dr. Heinrich Landau, ist zum Neserveojfiz'er befördert worden. Er ist der vierte Jude, der cs in der preußischen Armee zum Reserveoffizier gebracht bat._ Briefkasten der Redaetion. 8. in Frankfurt a. M.: Es gibt in Deutschland scvkel uns bekannt, nur zwei von Juden betriebene Cickoricnfabnken, eine in Berlin und eine in Fürth. Es wird aber von Villen christlichen Fabrikanten Eichoric und Erchorre NO2 72t verfertigt, unter Ucberwachung von Personen, die von ehrenwertken Herren Rabbinern zur Aufsicht gestellt sind. Eine, über jeden Zweifel erhabene, dem Ritual entsprechende Maare, kann indeß nach Ansicht vieler nur da hergcstellt werden, wo fü^ die g e s a m m t e Fabrikation überhaupt nur Substanz--» zur Vcrwlndung kommen, welche nicht gcg-n die Lpeiscgrsitze verstoßen. Bei fast allen christlichen Cichorienfatr ken ist das jedoch nicht der Fall. Für das Gros ihrer Fabrikation, d. h. für die für Nichrjudcn bestimmten Cichorie werden unerlaubte Fette, weil billiger, verwendet und da scheint doch fast unmöglieb, die Maschinen jedcs Mal so rein zu halten, daß nickt Berührungen statlfinden. Mer also ganz sicher sein null, zuverlässig koschere Maare zu erhalten, kann nur gut daran lhun, s> inen Bedarf von jüdischer Fabrik zu decken. K- Ter Großherzog von H.ssen hat dem Darmstädtcr Rabbiner Tr. Marx versprochen, dem Ezaren Nicolaus, b> kauntlich einem Schwager des Großherzogs, die von der officicllcn Darstellung der Kischcnewer Greuelthaten durchweg abweichende Denkschrift der Kischcnewer Opfer auf irgend <ine Weise zugänglich zu machen. Die Denkschrift stützt sich auf ein einwandfreies, dvcumcntarisch begründetes Material und läßt sie von dem durch Herrn y. Plehwe falsch unterrichteten Herrscher an d«n bcffer zu unterrichten-en avpelliren. In l irrem vor einigen Tagen erschienenen Schri tchen „M a x i m Gorki. Greuelthaten in Kischcncw rBcrlin-Charlottenburg, Russischer Verlag) wird über diese Denkschrift folgende pikante Einzelheit erzählt: «Dem Dir.ctor des Polizeidcpartcments-Lepuchin, der bekanntlich auf die dirrcte Anordnung des Ezarcn nach Krschcnew entsandt wurde, ist von den Vertretern dcr jüdischen Gemeinde ein gedrucktes Memorandum überreicht wordcn. Herr Lopuchin war toctvoll genug, nicht danach zu fragen, ob die Erlaubniß dcr Censur zum Truck des Schristchens cingeholt wurde, und versprach, seinen E nfluß einzusctzen, damit dasselbe zur Kenntniß des Ezaren gelange. Thatsächlich hat dcr Kaiser das' Memorandum nie zu sehen bekommen, da Herr v. Plehwe statt dessen eine von rhm selbst verfaßte Darstellung der Vorgänge in Krschenew unterschoben hat. Später soll dcr — Masseur des Ezaren, natürlich gegen entsprechende Belohnung, versprochen haben, das Schriftstück auf dem Tisch des Kaisers zu vergessen. Ob er es gethan hat, ist nicht zu ermitteln gewesen. Aber selbst wenn dies der Fall war. bleibt es immer noch selr fraglich, ob das Memorandum vom Ezaren auch gelesen wurde. Kicolaus H. soll nämlich absolut außer Stande sein, größere Schriftstücke zu lesen. Man erzählt, daß versucht wurde. . ihm während seines Aufenthaltes im Auslände ein Memorandum, über Kischcncw zu überreichcn, daß einige hochstehende Männer aus seiner Umgebung ihre Hilfe zugesichert, aber daran die Bedingung geknüpft hätten, daß das Schriftstücknicht mehr als 20—30 Druckzeilen umfassen dürfe, da dcr: Czar längere Abhandlurgen nicht durchlese. . V B e r i ch t i g ir rr g e n. Wre uns verschiedentlich mitgetheilt wird, war Rabb. W i ß m an n—Schwabach kein Schüler von Dr. M. Lehmann, ES war dres eme Verwechslung mit einem anderen Herr» gleichen Namens. . -;ji

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.