Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 92 (19.11.1903)
- Date
- 1903-11-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ungewitter die schwüle, durch den Despotismus verpestete Luft gereinigt haben wird. Es naht der Sturm, der auch den unglücklichen ruffischen Juden Befreiung bringen wird. Nicht Vernichtung, sondern Befreiung ist die Lösung dieser unglückseligen Frage. Tie Aufgabe der europäischen Presse ist aber, den mffifchen Greueln entgegenzutreten. Mit Recht be-;rcrft Professor Errera, daß es eine schlechte Ausrede ist. wenn man sagt: „Tie jüdische Frage ist eine innere Angelegenheit Rußlands. Der Fremde hat sich nicht darein zu mischen." Die Irländer, die Rumänen von Siebenbürgen, die Christen in China und viele andere sind nicht von Europa verlassen unter dem Vorwände, daß man die Empfindlichkeit Chinas. Ungarns oder Englands' nicht verletzen wolle. Es haben diese Bedrückten. deren Lage nicht annähernd zu vergleichen ist mti der viel schmerzlicheren der russischen Juden, ihre natürlichen Beschützer: die Irländer ihre irländischen Teputirten in Mestminster, die sieöenbürger Rumänen die rumänische Negierung, die Christen in China die Diplomatie der ganzen Christenheit. Sehen wir nicht selbst in Rußland alle Andersgläubigen irgend einen berufenen Aertheidiger im Auslande finden, der sich ihrer gegenüber der Orthodoxie annimmt? Mohammedaner, Protestanten und Katholiken haben alle die Unterstützung eines Sultans, eines Kaisers oder eines Papstes. Allein die Juden sind ohne Vertheidigung gelassen. Der Herzog von Argyll sagte schon vor Jahren: Es gibt für sie kein anderes Hilfsmittel, als die öffentliche Meinung."^ Und die öffentliche Meinung Europas sollte nickt auf ein neues Kischinew warten, um die Lage der russil^n Juden zu erörtern. . _ Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin. In der dieser Tage stattgefundenen Sit'ung der fünften ordentlichen Generalsynode berichtete Herr Prof. Tr. Kautzsch- Halle. Vorsitzender des deutschen Palästina-Vereins, über die Ausgrabungen im heiligen Lande. Das archäologische Institut iu Palästina, das i. I. 1880 seine Arbeiten begann, setzte mit Grabungen im Süden Jerusalems ein, um den Umfang und die Tiefe der alten Mauer sestzusteüen. Mit großen Mitteln hatte der englische Palästina- Verein vorgearbeitet. Die südwestliche Mauer des Salomonischen Tempels-steckt 80 Fuß tief in -Schutt. Man hat noch die Steinmetz-Zeichen gefunden, tvelche die phönizischen Bauleute dort angebracht haben. Es gilt und) heute für ein technisches Räthsel, wie damals diese ungeheuren Massen so regelrecht eingesetzt werden konnten. Es ist festgestellt worden, daß die alte Stadtmauer viel weiter südlich herumlief, als man früher annahm. So ist für die Lage der Königsgärten (Kön. 25, 4; Jerem. 39, 4; Rehem. 3, 15) ein größerer Spielraum gegeben. Noch wichtiger war die Entdeckung der Siloah-Jnschrift, welche Professor Gut he durch einen chemischen Prozeß lesbar gemacht und entziffert hat. Mit dieser Urkunde, die zur Zeit des Propheten Jesaja in hebräischer Sprache geschrieben worden ist. haben wir in sechs Zeiten den Beweis dafür, daß im Großen und Ganzen die sprachliche Ueberlieferung aus Jesajas Zeit als eine sehr gute zu bezeichnen ist. Tie Vermessung des Ostjordanlandes hat gezeigt, daß man in nächster Rahe von Kulturländern sich in unbekannten Gegenden befinden kann. Die früheren Karten des Ostjordanlandes sind ganz unzuverlässig. Kaiser Wilhelm II. hat 25,000 Mark zu dieser Arbeit gespendet. Wir verfügen jetzt über genaue meteorologische Beobachtungen, über eine gründliche Kenntniß der alten Bauarten. sowie einzelner Thierspezies und Kulturpflanzen, wo wichtige Ruinenstädte begraben liegen. Rach einer hicroglyphischen Urkunde von 1500 vor d. g. Z. zog Pharao nach Norden, ist dann ins Gebirge (Karmel) gekommen und in einen Hohlweg, jenseits dessen die Stadt Magedun (Mcgiddo) belegen gewesen sei. Diese uralte Straße ist aufgefunden worden; dort bietet ein Hügel nnen weiten Ueberblick über die Ebene Jisreel. Man mußte dort eine Festungsanlage erwarten; das Ergebniß war überraschend: man war bei den durch den deutschen Palästina-Verein vor Kurzem begonnenen Ausgrabungen noch nicht ganz einen Meter tief gedrungen, als man auf eine altisraelitische Schicht stieß, die sich bei näherer Erforschung als ein Kastell aus der Zeit Salomos erwies. Durch den Einfall des Pharao Schischa unter Rehabeam (ca. ls?5 vor d. g. Z.) ist dies Kastell zerstört worden, das sehr bald vom Schutt bedeckt wurde. In der Tiefe von 550 Meter kommt man in jener Gegend bereits auf die vorisraelitische Periode. 1400 vor d. g. Z.. aber bis zu 20 und 25 Meter Tiefe liegen die Ruinenstädte begraben. Der Schutt wird abgefahren und sorgsam gesiebt, weil sich oft Thonfiguren und Münzen dort befinden. — Berlin, 10. Nov. Am Schluffe des Urtheils des Oberoerwaltungsgerichts, welches das Schächtverbot im städtischen Schlachthause zu Angermünde gut heißt, wird folgende bäckst wichtige Ausführung gemacht: ..Die Auffassung, daß trotz der jüdischen Religionsfreiheit aur den Schlachthöfen Einrichtungen getroffen werden können, welche der Ausführung von Schlachtungen unter Wahrung der jüdischen Vorschriften entgegenstehen, scheint auch bei der Regierung, welche den. Entwurf des Schlachthausgesehes eingebrackt hat. obgewaltet zu haben. Wenigstens deutet hierauf der Schlußsatz der Begründung zu § 1 des Ge-