Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 92 (19.11.1903)
- Date
- 1903-11-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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2022 „Das werde ich auch besorgen," erwiderte er mit gutmiithigem Lächeln. Er klingelte und sagte dem eintre.tenden Diener: „Laß sofort anspannen und dann rufe mir die Fürstin Margarethe." Einige Minuten später trat seine Frau ein. „Kennst Du diesen jungen Mann?" fragte er sie. „Das ist ja unser Lebensretter!" errtgegnete sie strahlend vor Freude. „Welch' glücklicher Umstand hat Sie guten Engel unter unser Dach geführt? Ich nenne Sie mit diesem heiligen Namen, denn Sie sind es für mich in der That. Sie haben uns vom Tode gerettet und nicht einmal eine Erkenntlichkeit dafür angenommen, ganz so, wie der Engel, der einst Manoach erschienen ist." „„Es ist kein Glück, das mich in Ew. Hoheit Haus führt," erwiderte ich, „sondern ein Unglück ist es, das in ich hierher bringt. Wäre dieses Leid mir nicht zugestoßen, so wäre ist gerne ewig ohne Bezahlung geblieben und hätte lieber bei Ew. Hoheit als rettender Engel gegolten. Denn diese Freude steht mir höher, als die größten Reichthümer an Silber und Gold. Aber jetzt handeltes sich um das Leben meines Vaters, das gilt mir inehr und steht mir höher, als alle Freude meiner Seele." Bei diesen Worten mußte ich so heftig weinen, daß ich nicht weiter sprechen konnte. Ihr Mann kam mir zu Hilfe und erzählte der Fürstin in Kürze mein Begehr und mein ganzes Unglück. Auch legte er ihr nahe, wie sie in der Sache auch mithelfen könne, indem sie mit in die Stadt fahre und mit ihrer Majestät der Kaiserin direkt deßhalb spreche. Denn eine Frau sei viel geeigneter mit einer anderen Frau derartige Angelegenheiten zum günstigen Austrag zu bringen, als Männer, die oft in politischer und diplomatischer Beziehung Differenzen haben. „Theurer Freund!" sprach die Fürstin zu mir. „Die heiße, mächtige Liebe, die Sie soeben für Ihren Vater bekunden, steht bei mir in keinem geringeren Werthe, als die Gutthat. die Sie uns erwiesen haben. Seien Sie unbesorgt, wir beide, mein Mann und ich, werden gute Anwälte und Fürsprecher für Ihren Vater und die jüdischen Gemeinden sein." In diesem Augenblick fuhr der Wagen vor; sie setzten sich hinein und drangen auch in mich, mit ihnen in die Stadt zu fahren, weil die Nacht bereits angebrochen und der Weg in die Stadt weit war. In der kurzen Zeit, die wir zusammen fuhren, fand ich Gelegenheit. ihnen das Leben meines Vaters zu schildern, wie es in Wirklichkeit war und wie sein Name in Europa, Asien und Afrika gefeiert wird. Als ich den Wagen verließ, mußte ich ihnen meinen Namen und Adresse aufschreiben und ging dann in freudiger Erregung nach Hause, um dem Nechtsbeistand R. Henoch, der jeder Zeit Zutritt zu meinem Vater hatte, von allem Mittheilung zu machen. Ich selbst verblieb im Hause meines Onkels Rabbi Baruch und wartete von Augenblick zu Augenblick auf eine Nachricht, die mich zum französischen Gesandten rief. Die Nacht kam mir vor wie die Nacht vom Purimwunder, von welchem es in der Esterrolle heißt: „In jener Nacht war der Schlaf des Königs gewichen." Zu diesen Worten merken nämlich die Weisen an: In der Höhe und in der Tiefe, d. h. im Himmel und auf Erden sei in jener Nacht der Schlaf verscheucht gewesen. Im Himmel flehten die Gott dienenden Engel das göttliche Erbarmen für Israel an, und auf Erden fanden Achaschwerosch, Haman, Mordechai, Esther und alle Juden Schuschans keinen Schlummer, denn sie verbrachten die ganze Nacht im Gebet. So war es in dieser Nacht bei uns, wir wußten in dieser Nacht nichts von Schlaf, weder ich, mein Vater, noch irgend ein Jude in Wien. Denn ihnen stand es fest, daß man meinen Vater zum Tode und sie zur Vertreibung verurtheilen werde. Auch der französische Gesandte und seine Gemahlin, sowie die Kaiserin fanden in dieser Nacht keine Ruhe. Erst am andern Mittag zwölf Uhr kam ein Bote, durch den mich der Gesandte zu sich rufen ließ. (Fortsetzung folgt.) D.» „Israeli l" e»'cheinl wöchintUch zwelm»!, Montag« uml Donnerstag», jedesmal in inilidcsteus zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Ma,k ohne Besiellgeld. Ausland entsprechend höher. Man ai'onnnt aanzjälnlich. halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Vuchhandlunacn und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. Zf. S k ei n ack er, LrrpNs, Roßulntz 1^ — Inserate 25 Pfennig die viergespaltcne 'KcuiparciUejeilc ober deren Raum. Preis der Zeile im Ncclamcthcil 7o Pfennig. — Drrecte Francozusendung unter Streiftand pro Iahraong für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Mark, an die . . Expedition franco einsendcn. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellest,chende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine Ausgabe deS Jöraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhallen. 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