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Der Israelit · 1903-05-28 · Heft 41-42 (28.5.1903) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 41-42 (28.5.1903)
Date
1903-05-28
Page
– (sequence 30)
Language
German
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früheren Berichten immer wieder darauf hinzuweisen, daß wir es als dringende, nicht länger abzuweisende Nothwendigkeit erachten, die Gehälter unserer Lehrer zu erhöhen, so können wir diesmal mit großer Genugthuung feststellen, daß es uns endlich gelungen ist. diesen lange gehegten Wunsch zu erfüllen. Die Kinder und Schwiegerkinder unserer unvergeßlichen Gönner und Mitbegründer der Schule, des Herrn Selig Goldschmidt und Frau Clementine. geb. Fuld s. A., haben der Schule in hochherzigster Weise die Summe von hundertfünfzehntausend Mark als Selig und Clemeniine Goldschmidt-Stiftung überwiesen, deren Erträgniß den Zwecken unserer Anstalt dienen soll. Es ist schwer, den Dank für solch' ganz außerordentliche Leistungen in entsprechende Worte zu kleiden; die edlen Spender wollten mit dieser munifizenten Zuwendung das Andenken ihrer verklärten Eltern ehren, und sie haben dies in einer Weise vollbracht, wie sie schöner nicht gedacht werden kann. Das Bewußtsein einer solchen That ist ihr schönster Lohn. Den ganzen Zinsertrag dieser großartigen Schenkung haben wir sogleich zur Ausbesserung unserer Lehrergehälter verwendet, so hat sich trotz des Vermögenszuwachses unsere Jahresrechnung nicht gebessert; der Ueberschuß des abgelaufenen Jahres ist nur ein scheinbarer, da die. Gehaltserhöhungen noch nicht voll darin zum Ausdruck kommen. Wir sind indessen hierüber unbesorgt, denn wir glauben, daß wir zunächst unseren treuen und eifrigen Mitarbeitern an dem verantwortungsvollen Werke der Jugenderziehung ein Auskommen sichern mußten, das sie in den Stand setzt, sich ihrem schweren Berufe ohne Sorgen hinzugeben. Die Leistungen der Schule fanden auch dieses Jahr die Anerkennung der Vorgesetzten staatlichen und städtischen Behörden. Für die zukünftige Entwicklung unserer so segensreich wirkenden Institution, insbesondere für die Stärkung unseres Pensionsfonds — jetzt unsere nächste Aufgabe — dessen jetzige Höhe von ca. 16.000 Mk. als durchaus unzulänglich zu betrachten ist, vertrauen wir weiter dem Wohlwollen und der Opferfreudigkeit unserer Freunde und Gönner, deren Kreis sich zu unserer großen Freude von Jahr zu Jahr erweitert. Möchten doch die erziehlichen Erfolge, die das spätere Leben zeitigt, allezeit den Bestrebungen entsprechen, für welche alle an der Israelitischen Volksschule Mitarbeitenden ihre ganzen Kräfte einsetzen, getragen von dem erhebenden Bewußtsein,' mitgewirkt zu haben an dem hohen Werke der Erziehung der Jugend! Am 1. Februar 1903 wurde die Schule von 165 Knaben und 167 Mädchen besucht. Mit Beginn des Schuljahres traten 65 Kinder in die Schule ein. 11 Knaben und 3 Mädchen, welche noch im schulpflichtigen Alter standen, traten bei Beginn des Schuljahres, 4 Knaben und 1 Mädchen mit Beginn des Wintersemesters in höhere Lehranstalten ein. Die als schulfrei entlassenen Knaben wählten den kaufmännischen Beruf, oder sie erlernten ein Handwerk. Von den Mädchen, welche die Schule verließen, gingen einige zur Handelsschule über; einige traten in Geschäfte ein. Oesterreich. Raab. (Stiftung.) Anläßlich des Jahrsgedächtnißtages des Ablebens eines unserer angesehensten Gemeindemitglieder, des Herrn Elias Keppich, der während eines halben Jahrhunderts Stadtrath. Repräsentant der Kultusgemeinde und vieler humanitärer Anstalten gewesen, haben dessen Söhne Wilhelm und Ludwig Keppich im Namen der Hinterbliebenen zu Händen der Raaber Stadtverwaltung einen Stiftungsbetrag von 10,000 Kr. hinterlegt mit folgender Widmung: die Stiftung hat auf die Namen Elias Keppich und dessen Gattin Frau Eleonore Keppich,. geborene llnger, zu lauten. Von dem pupillarisch sicher gestellten Stiftungsbetrag soll jedes Jahr das Zinsenerträgniß über Vorschlag der Mittelfchul-Direktoren im Vereine mit der Stadtverwaltung an arme, lernbeflissene Schüler der hierortigen Mittelschulen, und zwar zu gleichen Theilen jüdischer und christlicher Konfession zur Bestreitung ihrer Lebensbedürfnisse verabfolgt werden. Zur Begründung der Konfessions-Bedingung haben die Stifter die Bemerkung beigefügt, daß nach den kulturellen Fortschritten jeder Konfessions-Unterschied eigentlich aufgehoben sein sollte; nachdem jedoch fast überall wahrgenommen wird, daß die Zeitströmuna der freisinnigen Auffassung ungünstig ist. mußten — leider — die Stifter im Interesse unserer Glaubensgenossen die erwähnte Unterscheidung vor-- nehmen. Amerika. Rewlrork. Das Einwanderungsgesetz, das schließlich nach jahrelanger Verathung von beiden Häusern angenommen wurde, weist nicht mehr die anstößigen Bestimmungen auf, die bisher die Opposition aller liberaldenkenden Menschen herausforderten. Es ist eigentlich nur eine Kodifizirung aller bestehenden Gesetze über diesen Gegenstand. Hie und da ist eine Bestimmung verschärft worden, im Großen und Ganzen ist aber Alles beim Alten geblieben. Die Bestimmung betreffs des Ausschlusses von Analphabeten, welche bekanntlich die heftigste Opposition herausforderte. - ist gefallen. -

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