Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 39 (20.5.1903)
- Date
- 1903-05-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Arbeiten verrichtete. Er fragte den armen jüdischen Handwerker nach seinem Reisepaß. Da Golub seinen Paß zu Hause vergessen hatte, ließ der Pristaw (Polizeiausseher) ihn verhaften. Hierauf setzte sich der Pol'izeibeamte in seinen Wagen und ordnete an, daß der Verhaftete von einem Bauern ihm nachgeführt werde. Ohne Widerrede fügte sich Golub dieser Weisung. Da er aber ein alter Mann war, vermochte Golub mit dem Wagen des Polizeiaufsehers nicht Tempo zu halten. Durch Schiwpfworte wollte der wackere Polizeimeister den armen Juden zum Schnelllaufen anspornen, als aber dies nicht half, sprang er vom Wagen und suchte den alten Mann durch Faustschläge auf den Rücken und Peitschenhiebe auf den Kopf anzueifern. Als aber auch dieses drakonische Mittel ohne Erfolg blieb, befahl der Pristaw dem Bauern, den Verhafteten am Barte in die Polizeiverwaltung zu schleppen. Und so wurde der alte Mann auf der Landstraße geschleift und blutüberströmt nach dem PolizÄhaufe gebracht. Dort überfiel der Pristaw den armen Juden nochmals und schlug ihn mit den Fäusten in's Gesicht .... Infolge der Beschwerde des Juden Golub wurde der russische Polizekaufseher zu einer vierwöchentlichen Kerkerhaft verurtheilt .... Aber dieses Urkheil dürfte die unter der christlichen Bevölkerung Rußlands verbreitete Ansicht von der völligen Rechtlosigkeit der Juden kaum erschüttern. Letzte Nachrichten. Perlin, 19. Mai. Nach einer Meldung aus Kischinew fanden bereits mehrere gerichtliche Verhandlungen gegen Personen statt, in deren Wohnungen bei Juden geraubte Gegenstände gesunden wurden. Im Ganzen sind bis jetzt 62 Personen zu Gefängnißstrafen von 14 Tagen bis 3 Monaten verurtheilt worden. Brüssel, 18. Mai. Wie die „Jnd6pendance Belge" erfährt, hat der Londoner Lordmayor Marcus Samuel unter Hinweis auf die Vorfälle in Kischinew die Einladung der Stadt Petersburg zur Feier ihres 200. Jubiläums abgelehnt. Brüssel, 19. Mai. Gestern Abend fand hier eine Protestversammlung statt, welche die belgische Freidenkergesellschaft veranstaltete,'um gegen die Grausamkeiten von Kischinew zu protestiren. Der Abg. Paul Janson präsidirte. Außerdem traten noch Lucian Ansbach und der sozialdemokratische Äbg. Furnemont als Redner auf. Morgen Abend veranstaltet auch die hiesige Liga für Menschenrechte eine Protestversammlung gegen die Grausamkeiten in Kischinew. Petersburg, 18. Mai. Die „Nowoje Wremja" meldet aus Kischinew, daß dort eine Anzahl bekannter Advokaten eintraf, um Schadenersatzprozesse seitens^ der bei der letzten Judenhetze Geschädigten gegen den Fiskus ' einzuleiten. Jnsgesammt dürfte der Fiskus auf 2y2 Millionen Rubel verklagt werden. Petersburg, 19. Mar. Durch kaiserlichen Ukas vom 17. ds. wurde der Gouverneur von Kischinew. Generalleutnant Raaben, seines Postens enthoben. Der Zeitung „Nowosti" wurde der Einzelverkaus entzogen und die Zeitung „Wolyni" verboten. "Washington, 18. Mai. Das Staatsdepartement verhält sich ablehnend gegenüber dem Verlangen der amerikanischen Juden, bei der russischen Regierung wegen der Ausschreitungen in Kischinew Protest ein zulegen. Das Staatsdepartement wird in der Sache keine Schritte thun, falls nicht in Folge der Vorgänge in Kischinew eine stärkere „Einwanderung uner^ wünschter Elemente" nach Amerika stattfindet, wie eiserner Zeit in Folge der Judenverfolgungen in Rnmänien der Fall war. Sollte eine solche Einmal derung die Folge der Vorgänge in Kischinew sein» jo wird die amerikanische Regierung Rußland ersuche-:, Maßregeln gegen derartige Vorgänge zu treffen. Washington, 19. Mai. Der hiesige russisch? Botschafter Graf Cassini erließ eine Erklärung übev die Lage der Juden in Rußland, in welcher es heißt, in den Ausschreitungen trete nicht der Russe den Juden, sondern der Bauer dem Geldarleiher gegenüber. Graf Cassini versicherte weiter, die russische Regierung werd. prompte Maßregeln treffen, um die an den Ausschrei' tungen in Kischinew Schuldigen zu bestrafen._ Wunder über Wunder / Schnelle und sichere Heilung für Bruch!eidende. Ich mache hiermit bekannt, dag cS mir gelungen ist. eine neue Arr Heilmethode zu erfmden. wodurch ich den gefährlichsten selbst veraltetsten auch 70 iähritzen Bruch und Nadeldruch hereinzubringen imstande bin. und zwar ohne jedwede Operation und Medikamente. Ebenso bin ich imstande, verschobene, oder einge haltcne Hoden auf der: gehörigen -Ort zn bringen. Auch habe ich Bruchbänder erfun" en. welche in der kürzesten Zeit den Leidenden vollkommen ohne ledwcde Schmerzen heilen. Zur Treuer der Wahrheit besitze ich hunderte von ärztlichen Zeugnisse» und Danksagungen von vielen gerettete.' und vollkommen geheilten Vatienten, welche den Beweis liefern, datz ich der Erimder dieser neuen Heilmethode nnd Bruchbänder bin, die ausschließliches Patent besitzen. Die Bruchbänder müssen von mir selbst den Leidenden angelegt werden. Ebenso müssen die Patienten im Selbstanlegen unterrichtet werben. Das Honorar wird lanr Uebereinkommen festgestellt. Persönliches Borsprechcn ist unbedingt nothwcndig da brieflich nicht behandelt wird. Nähere Auskünfte und Broschüre auf Verlangen gratis und franko. M. Freilich, k. k. vriv. Bandagen-Erzeuger. Lembera Grodea» 35, jm eigenen Hanfe. Briefkasten der Kedaction. An verschiedene Einsender: Nachdem das zuständige Rabbinat sich bereit et klärt hat. etwaigen Interessenten über die Mohck-Angclegcnhcit brieflich Aufschluß zu geben, betrachten wir die Sache als für die Oessentlichkcit erledigt. Ans mehrere Zuschriften: Für die schmeichelhaften und aufmunterndcn Worte anläßlich der Angriffe des Hamburger Blattes berzlichsten Dank. Unserer heutigen Nummer liegt, die Mai» Ausgabe der rituellen Speisehäuser und Hotel- Restaurants des ^Vereins zur Förderung ritueller Speise Hauser (Sitz Hamburg) Sei, worauf hiermit 8 besonders hiugewiesen sei.