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Der Israelit · 1903-05-14 · Heft 37 (14.5.1903) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 37 (14.5.1903)
Date
1903-05-14
Page
– (sequence 30)
Language
German
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„Beethoven und sein Neffe", Drama in 3 Akten von Heinrich Heinemann, Braunschweig. A. Graffs Buchhandlung. Das Stück hat schon dadurch von sich sprechen gemacht, daß die Familie von Beethoven in Wien gegen die Charakteristik protestirte. die der Dichter dem Neffen Beethovens, Karl, der dem Meister nach übereinstimmenden Berichten seiner Biographien viel Herzeleid bereitete, habe zu Theil werden lassen. In Wirklichkeit kommt aber der Neffe Karl in dem Drama ganz gut weg; er wird zwar anfänglich als leichtsinniger, halsstarriger Mensch geschildert, im Schlußakt aber weist der Verfasser auf die innere Läuterung hin, die mit dem jungen Menschen vorgegangen ist, der in das vom Grafen Stutterheim kommandirte Regiment als Freiwilliger eingetreten ist. Beethoven stirbt versöhnt mit seinem Neffen, der leider nicht zeitig genug erscheint, um dem Onkel die Augen zudrücken zu können. Mel düsterer ist die Charakterschilderung, die der Verfasser von der Schwägerin Beethovens, der Mutter Karls, entwirft. Die Handlung des Vorspiels setzt im Jahre 1816, das Drama selbst im August 1826 ein. Die von den Beethoven-Biographen verzeichneten Episoden hat der Autor dramatisch recht geschickt verwerthet. Vor kurzem erlebte das Stück in Vraunschweig seine erste Aufführung und fand freundliche Aufnahme. „Auf der Dillenburg." Von G. F. H a s p e l. Autorisirte Ueberfetzung aus „Vrengden van Holland", 8", mit 3 Abbildungen auf Kunstdruck-Carton und mehreren Bildern im Text. Verl. Gebr. Richter, Dillenburg. Preis Mk. 1,20. In wenigen Blättern zeigt uns der Verfasser, ein Holländer, die herrliche Lage der Dillenburg, auf deren Trümmern sich jetzt der Wilhelmsthurm erhebt. Jedoch seine Würdigung erhält das Schriftchen in der Darstellung der größten Augenblicke aus dem Leben des berühmtesten Fürsten von Nassau-Dillenburg. Prinzen Wilhelm I. von Oranien. Der Wilhelmsthurm, ein Denkmal zum Gedächtmß dieses größten Feldherrn und Befreiers der Niederlande. in seinem Innern ein Dillenburger Museum, birgt fünf Gemälde von L. L. Kleyn van Brandes, von denen drei den Quell zu der uns vorliegenden Arbeit liefern. Jedem Historiker, sowie jedem Liebhaber der Heimath kann das Werkchen nur bestens empfohlen iverden. Nuffische Autoren. Unter diesem Sammelnamen gibt der Verlag Dr. I. M a r ch l e w s f i L Co. In München eine Kollektion moderner russischer Novellisten heraus. Die Sammlung erscheint als besondere Abtheilung der von diesem Verlag angekündigten Internationalen Novellen-Vibliothek. Preis per Band broschirt Mk. 1.60; illustrirte Bändchen Mk. 2. Ms erster Band liegt uns vor: „Skitaletz." „Spießrutben." Deutsch von August Scholz. Preis Mk. 150. ' Der Reiz der russischen Litteratur liegt zu einem bedeutenden Theil in der Eigenart der russischen Verhältnisse. Diese sonderbaren, zerrissenen Charaktere, dieser Aufruhr des Geistes, der sich mit nichts zufrieden gibt, das Leben, die Gesellschaft, Himmel und Hölle kritisirt und in seinem eigenen Innersten wühlt, das sind die Produkte der kulturellen Gährung in einem Lande, wo noch alles im Werden begriffen ist, das Alte mit dem Neuen gewaltig ringt, eine Welt zusammenstürzt und eine neue Welt nach einer neuen Form strebt. Skitaletz schildert uns in seinen „Spießruthen" den Lebenslauf eines einfachen Mannes; aber welch' ein wechselvolles Schicksal — und stets ein hartes Schicksal — ein Spießruthenlaufen durch's Leben. „Skitaletz" heißt russisch „der Vagant" — ein Vaganten leben ist es auch, das uns der Verfasser schildert. Das bunte Volk der russischen Straße zieht an uns vorbei, unter Anderem auch das tolle Treiben auf der berühmten Messe zu Nischni-Nowgorod. Auch dieser neue russische Autor bewährt sich als Meister der modernen Novelle, die durch einen knappen Aufbau, eine klare Sprache und rasche Entwickelung sich auszeichnet. Königgräh. Von Carl B l e i b t r e u. Mit Jllustr. von Chr. Speyer. In farbigem Umschlag 2 Mk., geb. 3 Mk. Vertag von Carl Krabbe in Stuttgart. Der Verfasser der Schlachienschtlderungen von Wörth, Gravelotte. Metz. Sedan, Paris, Orleans, Belfort, Amiens—St. Quentin. Le Mans, welche in mehr als 200,000 Exemplaren verbreitet sind, zieht nun auch die Schlacht von Königgrätz in den Kreis seiner wissenschaftlichen Darstellung. Die Entscheidungsschlacht um die Vorherrschaft in Deutschland, diese nach Umfang der Streitmassen größte Schlacht der Neuzeit nächst der von Leipzig, führt Bleibtreu mit gewohnter Meisterschaft derartig vor, daß die inneren und äußeren Ursachen des preußischen Erfolges und die Schäden des damlaigen österreichischen Heerwesens ebenso klar hervortreten, wie die ruhmvolle Tapferkeit der Besiegten. Die Großthaten der preußischen Garde und der Division Fransecky hat der Dichter in glühenden Farben gemalt, ohne dabei der hingebenden Bravour der Oesterreicher zu vergessen. Die große Reiterschlacht bei Stresetitz zieht plastisch greifbar vorüber und die ganze Darstellung faßt wie nie zuvor die Einzelheiten auf beiden Seiten zu einem erst jetzt vollständig abschließenden Bilde zusammen. In einer leuchtenden, poestedurchsättigten Sprache bietet die Dichtung ein panoramisches Schlachtengemälde, wie es großartiger nicht gedacht werden kann. Chr. Speyer hat als Jllustra-

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