Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 37 (14.5.1903)
- Date
- 1903-05-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Zeitgemälde von F. F. Krsszewski in autorisirter Uebertragung. „Aber nein! Nein! Uebrigens, Mamachen, -ist es damit, wie mit der Jagd. Niemals muß man, wie Graf Alfred sagt, im Voraus Pläne schmieden; mitten im Kampf selbst wird der Plan sich schon finden. Wir werden ja sehen! Zur Abwechselung erzähle ich Dir auch noch etwas Neues. Heinrich ist rasend in mich verliebt!" „Was für ein Heinrich?" „Nun-unser Nachbar-Segel!" „Er? Was ist das wieder? Er sollte es wagen?" "Ich sage Dir, Mama, ich bemerkt es schon längst. Es ist fast zum Lachen! Denn was denkt er sich? Jetzt, als er mich zum Pförtchen geleitet, drückte er so meine Hand, blickte er mich so feurig an, seufzte er so tief.." „Aber was kann dies helfen? Er ist doch verheirathet!" „Ja, das ist er! Aber Tilda, Tilda hustet sehr. Man sagt, mit ihrer Brust steht es schlimm, sehr schlimm! Sie ist kaum 25 Jahre alt! In den Jahren kommt die Schwindsucht! Gott bewahre sie vor solchem Unglück!" „In der That," flüsterte ganz leise die Mutter. „Du bist eine geniale Prophetin! Wenn man ihn in Reserve.halten könnte, gewiß! Jakob wäre mir aber doch lieber! Solche Leute, wie Heinrich, lieben nicht! Das ist etwas anderes! Weißt Du, daß er fast jedes Jahr eine andere Liebschaft im Theater hat?" „Ach, Mama, das sind die gewöhnlichen Phantasien der Männer!" antwortete ruhig das Fräulein. „Halte Dich lieber an Jakob! Mir wäre dieser bedeutend lieber als Schwiegersohn!" „Ich werde thun, was in meiner Macht steht!" entgcgnete Musa, „aber für den Erfolg kann ich nicht g'arantiren!" „EMuscha, wenn Du nur wolltest, würde ich ihn verbürgen!" ' „Wir werden ja sehen," flüsterte die Tochter, indem sie sich nachdenklich auf das Sopha warf. „Was aber mich betrifft, mir wäre Heinrich lieber!" Die Mutter zuckte schweigend die Achseln. Noch am selben Abende mußte Jakob im Interesse seines Freundes Jwas, einen von dessen früheren Universitätsgenossen aufsuchen, einen Mann, der eine, hervorragende Rolle unter seinen Altersgenossen spielte, obschon er augenscheinlich eine sehr untergeordnete Stellung einnahm. Er hatte sich einen Ruf und Anerkennung durch ungewöhnliche Geistesgaben und edlen Charakter erworben.- Unaufhörlich thätig, energisch, und vor allem befähigt, jede Seite jener nationalen Angelegenheit, die damals Alle am nächsten anging, aufzufassen und zu erörtern, war er, wenn nicht der erwählte Führer der einen Partei, so doch in Allem der thätige Urheber, und fast jede derselben rechnete auf ihn. Bestimmt aber vermochte Niemand anzugeben, ob dieser Kruder zu den hitzigsten Republikanern gehöre, oder zu den Loyalen und Konservativen, ob er weiß oder roth, für oder wider die Bewegung sei. Mit den Eifrigeren sprach er fast mit gleichem Eifer; mit den Kühleren ebenso kühl. Die Vernünftigeren Lbertraf er an Vernunft. Fast ebenso ver-