Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 36 (11.5.1903)
- Date
- 1903-05-11
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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hilft, oder besser gesagt, zur Linderung des Elends zu sinnen. Die Thatsache, düß es Stellen mit 700 bis 1000 Mk. jährlichen Einkommens für einen Familienvater gibt, dem im Erkrankungs- oder Todesfälle weder Stühe noch Reliktenversorgung zugesichert ist. diese Thatsache allein spricht Bande und illustrirt das Wort „im en kemach en toroh" in gar trostloser Art. Es wäre in der T'hat auch durchaus überflüssig, hier eine Silbe darüber zu verlieren, wenn es nicht immer noch Elemente gäbe, die verblendet genug sind, in der Fürsorge der Lehrer für ihr «gen Fleisch und Blut eine ideale That zu erblicken. Excrmimrt man solche Besserwisser durch nur zwei bis drei Kardinalfragen, so ist freilich ihre Weisheit erschöpft, und sie retiriren sich hinter die schwache, lahme Redensart: es war ja früher auch nicht! Kommt es doch sogar vor, daß mit dem orthodoxen Dekenniniß der Mißbrauch getrieben wird, seine Unfähigkeit im Urtheil über die Lehrerverh'ältniffe zu bemänteln; statt Unfähigkeit konnte man allerdings oft Gleichgiltigkeit oder Abneigung sagen. Wenn wir die Protokolle der ca. 70 Konferenzen in den genannten Jahrgängen durchleftn, so zieht sich durch die Kaffaberichte die eben erwähnte Klage wie ein rother Faden. Alle die Rechntmgsablagen geben den Vereinsmiiglicdern die bitterernste Mohnug: Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott. An den Lehrern ist es gelegen, Gönner. Freunde und außerordentliche MWeder zu werben für ihre Kassen, zu bellen sie selbst mitunter hohe Beiträge leisten. So lange selbst die ältesten und bestfundirtesten Kassen, beispielsweise die Achawa, eine Reliktenversorgung oder Unterstützung in der Höhe von 300 Mk. nicht gewähren können, so lange heißt es für alle Bernne und deren Mitglieder: rührt Euch! „Diesen Appell richten alljährlich die Vorsitzenden und Kassirer mit vollem Rechte an die Lehrer. Freudige Gelegeheiten. wie Anlässe ernster Natur, darf der Lehrer sich nicht entgehen lassen im Gemeinde- und Familienleben, um seinen Sammeleifer und seine Vereinstreue zu bethätigen oder zu bewähren." Sehr beherzigenswerth ist auch das, was in Nr. 31 dieser Bl. (Jahrgang 1902) ausgeführt wurde über ..Testatoren und Lehrerstand." Das krasse Mißv'erhäliniß, die Einseitigkeit, welche in dieser Hinsicht den Vereinskassen gegenüber zu Tage tritt, wirkt befremdend und deprimirend. Ohne diese Einseitigkeit stände sicher Vieles bedeutend besser. (Es sei hier auf jenen Artikel hingewiesen.) Die Geschäftsberichte erledigteck sich im Uebrigen in glatter und herkömmlicher Form in sämmilichen Vereinen. Dem Käffirer ward regelmäßig Decharge ertheikt und die Wiederlvahl bestätigte in den meisten Fällen das. alft Vertrauen in die. bewährten Kräfte. In nur wenigen Vereinen würden die Mtgkiederbei- / träge erhöht. Freilich betrug diese Erhöhung mitunter äußerst wenig, so in einem Vereine (Jahrgang 1901.. Nr. 3) 50 Pfg., in einem anderen (Jahrg. 1899, Nr. 12) gar nur 25 Pfg. Aber selbst da, wo man etwas höhere Ansprüche an die zukünftigen Leistungen stellte, ging alles glatt von statten. Zu den Hauptförderern der Vereinskaffen sind bei eirügen Vereinen auch Rabbiner zu nennen. (Jahrg. 1900. Nr. 4 und 19.) Die rührige Sammeltätigkeit der Vereinsvorsitzenden sowie der Mitglieder brachte in einzelnen Vereinen guten Erfolg. (Jahrg. 1900, Nr. 17,19.) In einem Vereine schnellte das Vermögen innerhalb 6 Jahren von 82,000 auf 113,000 M. hinauf. (Jahrg. I960, Nr. 19.) Allerdings find solch erfreuliche Thatfachen immerhin Ausnahmen, welche die Regel bestätigen, daß in den materiellen Fortschritten der einzelnen Kassen zwar ein stetiges, doch langsames Wachsen konstakirt werden kann. Emen scharfen Vorstoß gegen das Verbandskassa-Statut machten die Ostpreußen unter Führung des bekannten und gewandten Statistikers Waiftnhausdirektor Peritz-Komgsberg. (1900. Nr. 10 und 11, 1901, Nr. 3.) Ich behalte mir vor, auf die unter den „Lehrerkonferrnzen* hier nicht aufgeführten VerbaNdstage noch besonders zurückzukommen. Hier sei nur an die Lach'mvnnische Zuwendung von 140 Tausend Märk an die Verbandskasse erinnert. Das Statut der Verbandskasse hielt man für werihlos, weil danach 1) nur einige wenige Leute ausgenommen werden können, 2) die Lehrer in Bezirken mit eigener Hilfskasse von der Aufnahme ganz ausgeschlossen erscheinen, 3) jede Verbindung mit dem übrigen Versorgungskaffa-Wesen der jüdischen Lehrer fehlt und die Gefahr einer Kollision mit den Interessen der alten Kassa zu befürchten ist. (Jahrg. 1901. Nr. 3.) Gleich einer Welle übertrug sich die Bewegung auf viele andere Vereine, und wenn man auch den „ostpreußischen Abänderungsvorschlägen" nicht allenthalben rückhaltlos zustimmte. so empfahl man dieselben doch mehrfach der wahlberechtigten Würdigung. __(Fortsetzung folgt.) _ LebenSversicherungS-Gesellschaft }u Ltlvftg. auf Gegenseitigkeit errichtet 1830 falte Leimiger). Im ersten Mertel des Wahres 1903 sind 2040 Anträge über M. 15 337 200 Versicherungssumme fM 1008 000 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres» eingegangen «nd 1707 Versicherungen über M. 13100 500 lM. 1705 700 mebr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) abgeschlossen worden. Es bat sich damit der Versicherungenbestand auf 657 Millionen Marc gehoben, während das Vermögen aus.220 Millionen Mark m> gewachsen ist. Bei der alten Leimiger Gesellschaft, die eine reine Gegen» seitigkeitsanstolt ist. stießen alle Neberschüise in Gestalt von Dwi» denden den Versicherten wieder zu. die auf diese Weile bis jetzt 81 Millionen Mark erbalten haben. Im laufenden Jabre betragt die Dividende für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Dividcndenplan A. wie seit mehr als einem Jahrzehnt 42*Ubet ordentlichen Jahresbeiträge, bei abgekürzten Verncheiumgen außerdem noch 1.5 •/* der Summe der gezahlten Zusatzpcämien: be» dem Dividendenvlan B gelten steigende, nach der Dauer der DernLS» ' rung abgestufte Dwidendensatze, die die Leipziger Gesellschaitm der von Anfang an in Aussicht gestellten Höhe fortgewahrt wöbrend viele andere Gesellschaften sich gezwungen geseoe» haben, ihre steigenden Dividenden herabzusetzen. ■j J Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Main,. —Ervedition de« ^JSraelV. Schottstraße Nr. L MoinL ' Druck und Verlag der Sah. Wtrtb'lüm Hoikuchdruckeret Aetien.lSeseülchalt ln Main».