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Der Israelit · 1903-05-11 · Heft 36 (11.5.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 36 (11.5.1903)
Date
1903-05-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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ser unerhörten Tage war: 45 Leichen. 86 Schwerverwundete, an 500 Leichtverrvundek. Todtschläge. Vergewaltigungen von Envvchsenen und Kindern, alle Schrecken der niedrigsten Zügellosigkeit. Unter diesen Umständen ist es durchaus nicht zu verwundern. daß manche der verhafteten Krawallstifter erstaunt fragten: „Weßhalb werden wir verhaftet, es ist doch erlaubt, die Juden zu erschlagen!" Es sind z. B. Fälle vorgekommen, wo die Plünderung eines und desselben Hauses am hellen Tage während 8—12 Stunden fortgesetzt worden ist (so bei Mundes. Fradiß. Rudi) und Hilfe kam nicht, obwohl sich die Betroffenen an alle Arten von Behörden gewandt haben. Erst um 6 Uhr Abends am 7. April, als das Militär zur aktiven Thätigkeit berufen wurde, begann der Pöbel allmählich seinen Rückzug von der schrecklichen Arbeit. Angesichts dieser erschreckenden Ereignisse ist die' Situation eine solche, daß absolut keine Garantie für die persönliche Sicherheit vorhanden ist, und es ganz unmöglich erscheint, zu der normalen, friedlichen Beschäftigung zurückzukehren. Die Bevölkerung, gequält durch die blutigen Ausschreitungen der letzten Tage, ohne Schutz und ohne Mittel, ist ganz verzweifelt und ihres Lebens nicht sicher. Der Vermögensverlust kann jetzt nicht berechnet werden, es ist aber sicher, daß er viele Mllionen beträgt. Von dem Feuer der Krawalle und Plünderungen, die in Kischinew entstanden, sind schon Funken in die Provinz geflogen. Die Bevölkerung Erwartet von Ew. Excellenz Gen'ugthuung. Beruhigung, Schutz ihrer persönlichen Sicherheit und ihres Vermögens. Ihre Ankunft in unserer Stadt gibt uns schon allein die Hoffnung, daß wirksame, energische und entschiedene Maßregeln getroffen werden sollen." Soweit das Memorandum. Seit Überreichung desselben sind mehr als zwei Wochen verflossen, allein man hat noch michts über eine Bestrafung der Schuldigen gehört. Zeitungsnachrichten und Corresporrdenzen. Rußland. Petersburg, 8. Mai. Am vergangenen Montag wurde auf Anordnung der russischen Rabbiner ein allgemeiner Fasttag wegen der Verfolgungen in Kischinew im ganzen russischen Reiche abgeh'alten. Es wurde strengstens darauf geachtet, daß jede gesunde und erwachsene Person auch tatsächlich fastete.. Wer durchaus nicht fasten konnte, mußte den Thaanis auslösen. Tieftrschütternd und ergreifend waren die Sühnegebete in den Synagogen und Bote midroschim. Die Leute verließen in Thränen gebadet das Gotteshaus. Möge der Allgütkge 'in Zukunft jede Geseiroh und Zoroh von uns fernhalten. Kischinew. (Zur Iudenhetze.) Der Gouverneur von Bessarabien, General-Leutnant v. Raaben, ' hat im „Bessarabetz" nachstehende Bekanntmachung ver- , öffentlich!:. v „Rach den in Kischinew vorgekommenen Straßenunruhen, die nicht nur vom Gesetz, sondern auch durch die Grundlehren der christlichen Religion verboten sind, sind so viele des Obdachs und der Nahrung beraubte Personen vorhanden, so daß eine sofortige Hilfe von Angehörigen aller Glaubensbekenntnisse nothwendig erschien; auf meinen Hinweis Wurde vom Damenkomitee des Rothen Kreuzes ein Gratisspeisehaus und ein temporäres Asyl eröffnet. Ebenso haben Vertreter der jüdischen Bevölkerung alles nur Mögliche zur Linderung der Roth ihrer Glaubensgenossen getan. Nicht vergessen worden sind auch die Familien derjenigen, die in ihrer Unbildung unter dem Einfluß der fesitäglichen Völlerei und böswilliger, unwahrer Gerüchte an den Ostertagen die bürgerlichen und religiösen Satzungen verlachten und die das Herz eines jeden Wohlgesinnten beleidigenden Ausschreitungen und Verbrechen begingen. Den Familien der verhafteten Anstifter der Unruhen, die ohne Ernährer zurückgeblieben sind, wird Hilfe durch zwei Direktoren des bessarabischen Gouvernements - Gefängnißkomitees erwiesen. Jetzt, da sich Alles beruhigt hat und die weitgehendsten Maßnahmen zur weiteren Aufrechterhaltung der Ordnung ergriffen worden sind, hat jeder wieder seine gewohnte Arbeit ausgenommen. Leider erhalten die Wohlthätigkeitsanstalten und zahlreiche Beamte und Privatpersonen anonyme Briefe, in denen sie einerseits der Sympathie für die stattgehabten Unordnungen beschuldigt und andererseits ihnen der Vorwurf gemacht. wird, den geschädigten Juden geholfen zu 'haben. Ich erachte es für nothwendig, zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, daß diese anonymen Briefe und Schmähungen die von der Gouvernements-Administration ergriffenen Maßnahmen nicht andern, und die Thätigkeit derjenigen nicht beeinftussen werden, die nach dem Ge-, bote „Liebe Deinen Nächsten als Dich selbst" den Nothleidenden ohne Rücksicht auf ihr Glaubensbekenntniß zu Hilfe geeilt sind. Ich meinerseits fordere die Bewohner Kischinews und des ganzen Gouvernements auf, den Geschädigten durch die Wohlthätigkeitsanstalten Hilfe zu erweisen und, was die Hauptsache ist, volle Ruhe zu bewahren und allerorten der Obrigkeit bei der Erhaltung der Ordnung und bei dem Schutz des Eigenthums behilflich zu fein. Den Jrrgcleiteten mache ich bekannt, daß jeder Versuch zur Erneuerung der Excesse und zur Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung mit den energischsten vom Gesetz zugelassenen Mitteln unterdrückt werden wird, und daß die Schuldigen einer

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