Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 35 (7.5.1903)
- Date
- 1903-05-07
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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[W?iVÄ Af}! ÄM eMudenlhunÄ i|-OM0 S fSvfl^il ARO N«a^f» ir«ti äsmi 7. Mai LS03 Z lNr. 2t. Zeitgemälde von I. I. KVLSzewskl in autorisirter Uebertragung „Aber, liebe Mama, brauchst Du mir das erst zu sagen?" fragte Musa, fast gekrankt. „Mein Kind, ich weiß, für Dich genügt ein Fingerzeig, eine Andeutung. Mer — das Mutter- Herz!" seufzte ste, „ist voller Besorgniß! Eine bessere Partie für Dich ist schwerlich zu finden! Wenn sie uns nun entwischte?! Man mutz alle Mittel aufbieten, sich eindrängen, wo er verkehrt, und ihm begegnen, überall, sei es auch nur zufällig! Wir müssen ihn einladen! Er liebt die Musik, das weiß ich! Wir geben ein Paar Abendgesellschaften. Ich bitte Kontski. Auch Dobrzynski wird kommen. Wir arrangiren ein Trio. Ich komme mit einer Kollation. Du aber schmückst Dich!" „Mamachen," sprach Musa achfelzuckend, „thue Du Deinerseits, was Dir als Mutter zukommt und was Du für wesentlich hältst. Auf mich aber, bitte ich. Dich nicht zu verlassen!" „Höre mich an," begann, sich leicht errothend der Tochter nähernd, die Mutter. „Ich werde nicht vor Dir verschweigen, was Du übrigens längst errathen haben wirst. Wir sind fast ruinirt, mit uns geht es zu Ende, wir spielen um Leben oder Tod! Nach dem. was ich weiß, was ich fühle, bin ich überzeugt. Jakob ist ein braver, gewissenhafter Mann. Mit ihm, aber nur allein mit ihm. meine Emma, könnte man sogar zu den — äußersten Mitteln areifen, um ihn gewissermaßen zu zwingen und zu fesseln! Er ist jung, cr muß leidenschaftlich sein. In ihm eine Passion zu erwecken, wird Dir leicht gelingen ... Du verstehst mich . . . Mit „ihm", aber ich wiederhole, nur mit ihm kann man weit gehen ...!" .... „Aber Mamachen! Bin ich denn noch ein Kind?" enkgegnete Musa gekränkt. „Als ob ich das nicht verstünde?" Und achselzuckend vor Ungeduld fuhr sie fort: „Mama, ich sage Dir, das ist ein heroisches Mittel. Aber nur bei einem sehr braven Manne kann man seine Zuflucht zu ihm nehmen. Mama, Dein Gedanke ist in der That genial. — Aber Mamachen, Du regst Dich viel zu viel auf. Du sorgst Dich zuviel ab! Haben wir nicht einen letzten Rettungsanker — im Theater?" „Sprich mir nicht davon! Dü im Theater! Auf. der Szene, als Schauspielerin!" „Aber denk doch an die Malibran, die Pasta, die Patti. die Schweder, die Trisi, und die Sonntag, sogar als Gräfin!" „Ich will dies aber nicht ... Lieber wollt ich . „Wärest Du nur erst wieder ruhig!" „Ich habe schon den ersten Plan, wie zu verfahren ist! Jakob ißt heute zu Mittag bei Segel's. Du bist mit diesen befreundet Von hier bis zu ihnen sind nur drei Schritte. Du ziehst Dich an, thust, als wissest Du von gar nichts, thust nur ein wenig schwach und traurig! Geh' und besuche sie, gleich nach dem Essen. Um diesen Schritt zu maskiren, gehe allein, ohne mich, vertraulich, nur den Diener nimm mit! Aber man muß es so einrichten, daß Dü gleich nach Tische kommst.'