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Der Israelit · 1903-05-07 · Heft 35 (7.5.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 35 (7.5.1903)
Date
1903-05-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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44. Jahrgang. Zweite Anlage z« j& 35 des „Israelit." Zettungs»achrrchLen und Csrresponvenzerr. i Deutschland. Frankfurt a. M., 4. Mai. Ein einfacher, schlichter, schwarz behangener Brettersarg umfing gestern die ' irdischen Reste der Frau Minka Goldschmidt geb. Freiin von Rothschild. Vom Sterbchause aus bewegte sich der schier endlose Zug, in dessen Reihe die Spitzen der städtischen und Militärbehörden mitgingen, nach dem israelitischen Friedhof, wo Herr Rabbiner Dr. Horovitz im Friedhofssaale nach den üblichen Sterbegebeten eine Ansprache Mt. Eine edle, tapfere Frau ist dahingegangen. Was auch herzensstarke 'Elternliebe und äußeres Glück der Entschlafenen in der Kindheit gaben und was später an der Seite des Gatten und der Heranwachsenden Kinder ihr an reicher Liebe zu Dheil wurde, ihr reines Gemüth vergaß nie die Worte ihres Glaubens- Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst. Und so hat sie den Reichthum benutzt, den Armen zu helfen und die Gefahren der Noth zu besiegen. Kein Bekenntniß, keine Klasse, kein Alter bildete die Grenze für ihr Wohtthun. Immerfort gingen von ihr die herrlichsten Thaten aus. Sie verscheuchte das Leid von der Wiege bis zum Grabe. Kindergarten und Altersheim, sowie andere zahllose Werke edelster Menschenliebe verdanken der Dahingeganaenen ihr Entstehen. Nun ist die Frau, die dem Gatten ein Vierteljahrhundert in tteuer Liebe angehangen, die in die Herzen ihrer Kinder den Samen alles Guten und Edlen gepflanzt hatte, gestorben, erlöst von allem Leid. Sie lebt aber weiter in allen ihren Thaten und das Bild der Verblichenen wird im Geijte von allen festgehalten werden. Dann gedachte Herr Wolf vom Verwattungsrathe des Rothschild'schen Altersheimes mit wenigen ergreifenden Worten der edlen Frau, die das Heim gegründet und damit den an der Schwelle des Alters und der Noth Stehenden eine sichere Stätte bereitet hatte. Darauf wurde der schmucklose Sarg zum Rothschild'schen Erbbegräbniß getragen und in die Erde gesenkt. Hamburg, 4 Mai. Das ..Israelitische Kuratorium für Kuabenfertigkeitsunterricht und Jugendspielr" hatte dieser Tage die Freunde und Gönner des Unternehmens.. sowie die Ettern der Schüler zu einer Entlassungsfeier nach der Aula der Israelitischen Töchterschule eingeladen. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr M. H e i l b u t t, wies in seiner Ansprache darauf hin, daß im verflossenen Wintersemester Kurse in Kerbschnitzen, Papparbeiten und Modeüiren an 20 Abenden mit je 2 Unterrichtsstunden stattgefun-; den hätten. Die Kurse für Modelliren waren von 18, - für Pappatbeiten von 14 und für Kerbschnitzen von 12 Schülern Besucht. In allen drei Abtheilungen konnten die Lehrer gute Resultate konstatiren. Am 6. Mai 1902 begannen die Iugendspiele unter Leitung des Lehrers Herrn W. Dohren. Die Theilnahme war recht lebhaft, ind'eß hatten die Spieltage unter der Un- ' gunst der Witterung zu leiden. Das Kuratorium hofft, baldigst auch Jügendspiele für Mädchen einführen zu rönnen. Die finanziellen Verhältnisse sind nicht günstig zu nennen, sodaß der Vorsitzen'de dringend ersuchte, die Bestrebungen des Vereins in materieller Beziehung mehr zu unterstützen. Hierauf fand die Prämierung der besten Schüler mit Werkzeugkasten statt. Zum Schluß nahmen die Erschienenen noch eine Besichtigung der ausgestellten Schülerar^iten vor. Bad Soden. (Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden a. T.) Wenn wir «"inen 'getreuen Bericht über die Aufgaben und Leistungen der Kuranstalt für arme Israeliten im Jahre 1902 geben sollen, so dürfen itfir freudig konstatiren, daß wir das Höchste erzielt haben, was mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen war. 239 arme Kranke, gegen 214 im Vorjahre, erhielten liebevolle Pflege und Wartung und können wix die Erfolge als sehr befriedigend bezeichnen. Gerne hätten wir die Wohlthaten der Anstalt allen denen angrdeihen lassen, die, von Krankheit verfolgt, bei uns Hilfe suchten, jedoch sowohl die beschränkten Räume, als auch die unzulänglichen Mittel, über welche wir verfügten, geboten uns Halt. Mit schwerem Herzen mußten wir unter de!n vielen Unglücklichen Auslese halten und nur die allerdringendsten Fälle konnten Berücksichtigung finden. Dänken wir d'er Vorsehung, daß sie es uns ermöglichte, wenigstens einer großen Zahl von Kranken Hilfe zu spenden! Wir hegen die Hoffnung, daß sich erneut wohlthätige Herzen siUden werden, welche uns die Mittel gewähren, unser schönes Werk der Menschenliebe zu heben und zu fördern. Strasrburg, 28. April. Den letzten Gegenstand in der heutigen Sitzung des Landesausschüsscs bildeten zwei auch im „Israelit" vielbesprochene Petitionen. Einmal das Gesuch von Mitgliedern von 103 israelitischen Gemeinden Elsaß-Lothringens, bctr. die Beibehaltung der jetzt bestehenden Kultusverfassung der Israeliten. und zweitens das Gesuch des Gymnasial- Oberlehrers Dr. H. Lewy zu Mülhausen, betr. die Abänderung der Kultusverfassung der Israeliten. Berichterstatter Abgeordneter Fuchs eröffnet, die Debatte wie folgt: Dr. phil. Heinrich Lewy, Oberlehrer am Gymnasium zu Mülhausen, hat in der Session 1902 eine Pe-

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