Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 33 (30.4.1903)
- Date
- 1903-04-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449921--58141-2522501- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ür das tfi ,| . I■ I frCWWO S £ S\5X--gi l A H Q [»». 2«. 3«.Apr. 1903.] MM in «sriWMkk!» mtv ÄuLe. Zeitgemälde von I. I. KrsszewsKL in autorisirter Uebertragung. 251 Jakob wandte sich etwas verwirrt zu ihm und sprach: „Wir sind an Deine Scherze so gewöhnt, Vater Simon, daß man auch das, was Du eben sagtest, für Scherz nehmen könnte. Obschon Du eine große Wahrheit aussprachest! Ja, Ihr habt Recht! Der Mensch ist ein verzärtelter Träumer! Aber steht es ihm nicht frei, auf Erden wenigstens einen Glanzpunkt, einen Augenblick des Glücks zu suchen? Ist denn die Liebe nicht erlaubt, und das Glück nicht möglich?" „Nein! Die Romane haben Euch verdorben!" antwortete Simon. „Die Ehe wollt' Ihr Euch zu solch' einem Festmahle machen, wie z. B. dies Diner. Das Essen ist eine wichtige Befriedigung der Leibesnothdurft. Ein Festmahl war sonst eine, wenn auch nur einfache Zermonie, die mit einem Gebete begann und mit einem Segen schloß. Heut' aber ist es eine Schwelgerei und Zügellosigkeit geworden. Ganz ebenso steht es mit der Ehe!" „Auf Ehre," rief Mann, „dieser Simon Kapsac hat oft originelle Einfalle!" Jakob versank in Nachdenken, dann sprach er: „Vater Simon, vergebt dem Menschen, 'daß er überall in dieser traurigen Welt Poesie sucht und sät. Stellt Euch dieses rohe, fast thierische Urleben vor; würdet Ihr heute noch Befriedigung darin finden können? Mit der Civilisation wurden aber neue Wünsche im Menschen geweckt!" „Die man aber niemals erfüllt sieht!" warf Simon e-kn. „Aber sie selbst schon sind Wonne!" sprach Jakob. „Der Jude, mein Lieber," entgegnete Simon, „darf niemals von Poesie reden! Unsere Sache ist das Rechnen! Aber zurück zum Heirath'en!" „Nein, lieber nicht," flüsterte Jakob. „Ich werde Dich ennuyiven, bis Du heirathen mußt," sprach Mann. „Ich habe leider keine Tochter mehr zu vergeben, oie Letzte ist schon verlobt. Aber ich werde Dir schon ein feines Mädchen aussuchen, mit hunderttausend Rubel Mitgift!" „Besinne Dich nur," fügte Simon hinzu. „Das Mädchen mag sein, wie es will. Aber die hunderttausend Rubel, die gehen nicht zu Fuße, die fahren in der Karosse, und 'in Livr6." „Ich danke für die Karosse, wie für das Heirathen," wehrte sich Jakob. „Nun, dann . hast Du auch nicht d'aS Recht, Dich einen rechten Juden zu nennen. Dann bist Du ein Meschumed, bis Du unter die Chuppe gehst!" Man begann hierüber herzlich zu lachen. „Aber wahrhaftig! Der Vetter hat Recht," bemerkte Tilda, indem sie den verwirrten Jakob mit den schwarzen Augen anblickte. „Sie müssen sich durchaus verheirathen!" »Auch Sie, gnädige Frau, 'gehören zu dieser Verschwörung?" fragte er traurig. .