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Der Israelit · 1903-04-27 · Heft 32 (27.4.1903) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 32 (27.4.1903)
Date
1903-04-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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eS im Dunkel -er Nacht in dem großm Wald, durch den wir fuhren, unter einen Baum und fuhr dann weiter. Die Eltern waren froh, daß das Kind fort war, es war gestorben; Niemand vermißte es und wir waren von einer Last befreit." Die Alte machte hier eine kurze Pause und fuhr dann wieder fort: ‘ „Nach diesem Vorfälle hatte ich Tag und Nacht keine Ruhe mehr, und einige Wochen später ging ich in den Wald; ich kannte die Stelle und den Baum ganz genau. Der Baum war da, die Leich'e des Kindes, die ich begraben wollte, verschwunden, die Wölfe hatten wahrscheinlich hier ihr Mahl gehalten. Ich machte drei Kreuze in eine Figur, die in dem Baume war, und ging nach Hause. Seitdem habe ich wegen dieser Mordthat keine Ruhe mehr. Könnt Ihr mir diese Sünde abnehmen, Herr?" . „Wißt Ihr nicht, wie die Dame geheißen hat, der das Kind gehörte?" „Nein. Aber der Pope wird es wohl gewußt haben. Denn er sagte uns mehrere Jahre später, die Dame sei gestorben, laut Nachrichten, die er von der Polizei aus Riga erhalten habe. Das Kind hatte ein goldenes Herz um den H'als häntzen, das habe ich mir genommen und es bis auf den heutigen Tag bei mir getragen. Da habt Ihr es. Es stehen Buchstaben darauf, aber ich kann nicht lesen." . Pater Firmian nahm das Dargereichtv; es war ein Medaillon in ' Herzform. Er trat damit in die Halle und buchstabirte laut: K. v. K. und auf der anderen Seite L.V.W.. Der Baron an der Thüre stieß einen Schrei aus und rief: „Kurt von Korff und Louise von Wartenberg!" Gierig ergriff er das Medaillon, es hatte eine Feder, die. einem Druck nach'gebend, das Medaillon öffnete und zwei Photographien enthielt. „Pater Firmian," rief er, „das ist Frl. v. Wartenberg, nach der Photographie, die wir von ihr haben, und das andere — Vater, das andere bin ich selber, das ist ja mein Bild!" „Verzeiht, es ist das Bild Ihres Vaters, als er in Ihrem Alter stand: die Frau Baronin ist die einzige, die immer diese Ähnlichkeit behauptet hat; und wir anderen waren so blind und merkten es nicht; wunderbar, wunderbar!" Pater Firmian und der Baron hatten in ihrer eignen Erregung ganz Maria Makofski vergessen, bis sie durch einen leisen Aufschrei an sie ermahnt wurden. Die Arme rang mit dein Tode, das Bewußtsein war geschwunden und sie wurde noch in derselben Nacht durch den Tod von ihrer Pein erlöst. - „-Jetzt warten wir nicht, bis morgen mein Pflegevater zu mir kommt." sagte der Baron, „ivir gehen jetzt direkt zu ihuj'hln, er hat zuerst, ein Anrecht zu erfahren, wer eigentlich sein Pflegekind ist. Dann nehmen wir den Vater und die Mutter mit rn's Schloß, und dann soll meine liebe Kathinka erfahren, wem sie dieErhaltung und Erziehung ihres ManneS-vdrddnkt."-,-, »r; Der Baron' ging, von Pater Firmian. begleitet,' direkt von dem Gefängniß in die Wohnung der Pflege-, eltern. Dort trafen sie den Rabbiner,, die Vorsteher und andere hervorragende Mitglieder der jikdise^n^Gemeinde, welche dem von seiner 'Haft Befrerten ihre, Glückwünsche und ihren Dank aussprachen. Sie tziel? - ten an der Zimmerthüre inne und hörten die Worte, die' der Rabbiner gerade an den Befreiten richtete. '\ „Jhr habt durch Eure Haft und die' wunderbare Wendung, welche die Sache durch Gottes Gnade genommen hat, die Gemeinde und jede einzelne Seele.der-7 selben zu unverlöschlichem Danke verflichtet/Gott allein weiß, was aus uns allen geworden wäre; weny die Sache einen Verkauf genommen hätte, wie ihn UND sere Feinde geplant hatten! Unsere Weisen; gesegiwt sei ihr Andenken, lehren, wer eine Seele.von Israel erhält, der hat eine ganze Welt erhalten.-/ Durch' - Eure Vermittlung sind tausende von Seelen erhalten wör- Länger duldete es den Baron und Pater Firmian nicht mehr vor der Thüre; sie traten ein zur freudigen. Ueberraschung aller Anwesenden. . „Meine Herren!" sagte leutselig der Baron, „wir haben eben an der Thüre gchört, wie die jüdischen Weisen denjenigen feiern, der eine Seele von Israel erhält.; Cs ist mir durch Gottes gnädige. Fügüng gelungen; eineedle, theure Seele in Israel zu erhalten, indem ich meinen Verwalter, Herrn Schick, von ddm schwarzen. Ver-/ dachte befreite, des durch die Umtriebe der Feinde Js-/ racls seit drei Wochen auf ihm lastete. Aber er hat ein-'; mal eine Seele erhalten, die. nicht zu Israel gehört, und heute hat er seinen verdienten Gotteslohn dafür' empfangen. Ihr könnt das nicht verstehen,..aber..'Ihr., dürft es mir glauben, daß es sich so verhält." Ehrerbietig zogen sich nun die Versammelten? zü-, rück und als die Familie allein war, erzählte der Ba-_ ron die Merkwürdige Entdeckung, die er soeben'gemachthatte. . .L. Alle staunten die wunderbare, göttliche Fügung an, und konnten lange keine Worte finden, Mm. ihrem bewegten Herzen Ausdruck zu geben/.'. ' ' Pater Firmian, der sich längst der Familie mls-> Jude bekannt gegeben hatte, fand, zuerst die'Sprache/- wieder. - - . ‘J'T"' „Seit langen Jahren," hob er an, „druckt' mich/der/■ Gedanke, warum ich als geborener ün^'überzeugter Jude verurtheilt bin, einen Stand zu heucheln,, dem iH-' längst nicht mehr angehöre. imd/fein-.-KAd'-K/trqgbr/ wozu ich doch vor Gott und den Mbnschen.kein .Recht?, habe. Jetzt weiß ich es; Gotb hat mich auf diese Weise - gewürdigt, ein Geheimniß enthüllen zu helfen, das/ soweit Menschen sehen können, auf andere Weise niemals

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