Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 90 (12.11.1903)
- Date
- 1903-11-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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NassenantisemitismuF durch die Pflege und Förderung deutsch-nationaler Gesinnung und Bethätigung in allen Kreisen und Schichten des Judenthums zu bekämpfen.' Die Mittel, durch die der Verein seine Ziele zu erreichen sucht, sind Wort und Schrift, das heißt, die Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen, Versammlungen u. s. w., ferner durch die Agitation vermittels eines geeigneten Vereinsorgans. Mitglied des Vereins lann Jeder werden, der, im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte, sich mit den Tendenzen des Vereins einverstanden erklärt; ausgeschlossen dagegen ist Jeder, der auch nur im entferntesten sozialdemokratische Tendenzen und Bestrebungen billigt oder unterstützt. Die antisemitische „Tägl. Rundschau" bemerkt dazu: Man kann den an sich durchaus sympathischen und ehrenwerthen Bestrebungen der Herren nur allen Erfolg wünschen. Bingen a. Rh., 10. Nov. Am vergangenen Frei- -ag Vormittag, den 6. d. Mts., schloß hier ein seltenes Frauenleben unerwartet schnell ab. Mit Frau Bertha Landsberg, geborene Kahn, wurde eine der immer seltener werdenden jüdischen Frauen zu Grabe getragen, welche mit inniger, religiöser Ueberzeugung die ans dem Elternhause überkommenen Traditionen pflegte, wie auch die schöngeistigen Gepflogenheiten, die dort eine Heimstätte hatten. Sie las deutsche, französische und englische Klassiker mit tiefstem Verständnis; und schrieb auch in allen genannten Sprachen mit 'wahrhaft klassischem Stil. Manche Rede, wie auch manches heitere und ernste Gedicht, das unter fremder Flagge in die Welt segelte, waren ihrer Feder entflossen. Bibel, Psalmen. Propheten beherrschte sie, von einem wunderbaren Gedächtmß unterstützt ebenso sicher, wie die Werke der berühmten Schriftsteller. Bei strittigen Citaten galt sie als unfehlbare Competenz. und ihrsprühender Witz.und ihre Schlagfertigkeit waren weithin sprichwörtlich. Zwischen ihrem reichen Wissen und religiösen Empfinden bestand kein Zwiespalt, vielmehr vollendete Harmonie. Mit diesen glänzenden Geistesgaben verband sie alle weiblichen Tugenden einer echten Jüdin, und nichts lag ihr ferner, als durch ihre glänzenden Gaben zu brilliren. Durch ihren Heimgang hat der betagte Gatte, die Hinterbliebenen Schwestern und der Bruder, Dr. Arthur K ahn, einen schweren Verlust erlitten, und mit ihnen beweinen zahlreiche Freunde, Verwandte und Armen ein edles, seltenes Weib. Möge sie in Frieden ruhen. Schweiz. Lengnau (Schweiz). Der 8. November war ein Fest für die schweizerische Judenschaft, es wurde an ihm das „Schweizerisch-Israelitische Altersasyl in Lengnau" eingeweiht. Es sind kaum zwei Jahre her, daß auf die Initiative einiger aus den leitenden Krei¬ » sen der schweizer Judenschaft und unter eifriger Mitthätigkeit. des Rabbiners Herrn Dr. Littmann in. Zürich sich eine Propaganda zur Errichtung eines solchen Altenheims rege machte. Durch eine reiche Zuwendung von zwei aus Lengnau stammenden und in Paris und Ncwyork wohnenden Familien konnte der Gedanke bald zur Ausführung gelangen. Das . nunmehr fertige Asyl ist ein Prachtbau und eine Zierde des Surbthales, in dem sich die zwei historischen jüdischen Gemeinden der Schweiz, Endingen und Lengnau, befinden. Es ist auch innerlich mit allem modernen Komfort eingerichtet und hat Platz für 36 Insassen. Als Verwalter und Hauseltern sind Herr' Lederer, früher Lehrer in Kirchen,' und dessen Frau gewählt. Die Einweihung, an der sich auch die Vertreter der Negierung, der Kantons- und Ortsbehörden und der Geistlichkeit betheiligten,'begann mit'einer Feier in der Synagoge zu Lengnau und endete mit einem glänzenden Bankette im Gasthofe „Zur Krone". Die Weiherede hielt Herr Rabb. Dr. Littmann -Zürich und der Chorgesang wurde von Herrn S ch a ch n o - Witz in Endingen, der seinen Kinderchor zur Verfügung stellte, geleitet. Am Bankette nahmen die offiziellen Vertreter der Regierung Gelegenheit, in schönen Worten voll Liebe und Toleranz der Anstalt und den schweizerischen Israeliten den Gruß ihrer Behörden zu entbieten. F r a n k r e ich. Paris, im Nov. In seiner letztes Sitzung beschloß das Centralkomit^ der „Alliance isr. univers.", ein Bureau in Berlin zu gründen. Ferner wurde ein Ausschuß gewählt, der sich mit der Frage der Einführung der Handarbeit in den Schulen der „Alliance" befassen wird. Der jetzige Zeitpunkt ist für die Behandlung der Frage deßhalb besonders geeignet, weil die jetzt aus der „Ecole Normale" hervorgehend-n Lehrer fähig sind, diesen Unterricht zu ertheilen. Dank der Initiative des Herrn Consul Simon, der für das Lehrerseminar das erforderliche Handwerkszeug gestiftet hatte, ist seit zwei Jahren Tischlerarbeit dort für alle Zöglinge obligatorisch. Bei Herstellung der großen Bibliothek, welche die „Alliance" soeben auf dem Grundsatz der „Ecole Normale Orientale" erbaut hat, sind alle Tischlerarbeiten von den zukünftigen Lehrern selbst ausgeführt. — Die „Petit Nepublique" des 6. Novemb. bringt folgende Mittheilung ihres russischen Korrespondenten, die den besten Beweis dafür gibt, daß die gegen die Juden von Hömel erhobenen Beschuldigungen rein erlogen sind. In seiner Nummer vom 6. September erzählte zum Beispiel der „Negierungsbote" vom einem Sergeanten der sechsten Kompagnie des Infanterie- Regiments Abasia, der im Augenblick, wo er einen Juden habe packen wollen, von ihm einen Messerstich SSg'.ljSftMsyw-iHP.i.-.