Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 90 (12.11.1903)
- Date
- 1903-11-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449890-2449972--59407-2522441- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
44. Jahrgang. — . JI2 90, Kentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudenthüm. Begründet von J>r Lehmann in Msirrz. Donnerstag, den 22. Chefchwan 5664. 12. November 1SVS. Die Zierde des Alters Betrachtung zu mp "n nans. „Und Abraham war alt, gekommen in die Tage und der Ewige segnete den Abraham in allem." Im Anschluß an diese Schriftstelle fügt der Midrasch ergänzend hinzu: pvn nr ts> rnxsr. rro* zt.2 C.TCK0 'mz& nnx *co . nsm np~ix yro' j>’rt .?pT nmixi’ n;p?S' rwt 'n -jtt w 12 itcp 'y Eine Ehrenkrone ist bas Alter, wie wird sie erlangt, auf dem Wege der Tugend, das ist von Abraham Zu ersehen, weil die Schrift von ihm sagt: „Denn ich liebe ihn, weil er befehlen wird' seinen Söhnen und seinem Hause nach ihm, dyß sie wahren den Weg des Ewigen, zu üben Tugend und Recht," dadurch erlangte er ein würdiges Alter. Der jüdische Volkscharakter offenbart sich in der schönsten Gestalt, in der Hochschähung und Verehrung, ivelche die Jugend dem Alter bezeugt. Die ehrfurchtsvolle Scheu vor einem Greis, die Ächtung und Pietät vor einem grauen Haupt ist dem jüdischen Volksbewußtsein so tief eingeprägt, daß die geringschätzige Behandlung älterer Personen als Kennzeichen niedrigster Gesinnung und Herzensrohheit gilt, so daß diePropheten und Lehrer in Israel in ihren Strafreden die Verworfenheit und Sittenverderbniß eines entarteten Geschlechts nicht treffender schildern können, als durch den Mangel an Ehrerbietung gegen das Alter. Unter achtzehn Unglücksfällen, welche der Seher Jesaia über sein Zeitalter verkündet, war. nach Ansicht unserer Weisen die härteste Weissagung: „Es stolziret der Knabe gegen den Greis und. der Geringe gegen den Geehrten." Die Gotteslehre hat das ehrerbietige Aufstehen vor einem grauen Haupt zur religiösen Pflicht erhoben,' und wenn auch der klügelnde Verstand einwenden könnte, daß langes Leben gleich allen körper-, lichen Vorzügen, wie Reichthum, Stärke und Gesundheit, eine zufällige Gabe der Natur, aber kein Verdienst. sei, wenn auch der grübelnde Denker den Ver- - pflichtungsgrund des göttlichen Gesetzes nicht einsieht, so leitet uns das innere Sittlichkeitsgefühl dazu an, dem Alter mit allen Zeichen der Achtung entgegenzukommen. Zunächst ist es das konkrete Bild der irdischen Hinfälligkeit und Vergänglichkeit, das beim Anblick eines schwachen, hilflosen, von allen Beschwerden des Alters bedrückten Greises in voller Klarheit und Lebendigkeit hervortritt, und die Vorstellung/ daß uns im günstigen Falle, wenn unser Gebet um langes Leben. Erhörung findet, eine ähnliche Lage bevorsteht, erweckt in unserem Innern das sympathetische Gefühl des Mitleids und der Theilnahme. Wenn der alte Mann, gebeugt von der Last der Jahre, mit zitternder Hand/auf seinen Stab gestützt, mühsam einherschleicht, wenn wir seine verwitterten Züge und Stirnrunzeln, die hinterlafsenen Spuren der Mühsale des Lebens, die Zengen der überftandenen Leiden und Drangsale, betrachten, so beschleichen uns wehmuthsvolle Gedanken und wir fühlen den inneren Herzensdrang, ihn durch' Ehrenbezeugungen für die vielen Schicksalsschläge zu entschädigen, und ihm die wenigen Tage seines Daseins möglichst angenehm und heiter zu gestalten. Rabbi Jochanan stand selbst vor alten Heiden auf, indem er sprach: „Wie vielen Widerwärtigkeiten waren sie im Leben ausgesetzt, wie viele Stürme haben ihre Kräfte aufgezehrt." Abaja reichte ihnen die Hand zur Stühe, Raba schickte seine Diener, um ihnen behilflich zu sein. (Kidduschin 33.). - Wenn auch durch die Abnahme der körperlichen Kräfte der morsche Leib der Stütze rüstiger und kräftiger Arme bedarf, so sind andererseits die Geisteskräfte vollkommener ausgebildet, und der Greis ist dadurch in intellektueller Beziehung im Stande, eine Stütze der