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Der Israelit · 1903-04-22 · Heft 30-31 (22.4.1903) · page 33

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 30-31 (22.4.1903)
Date
1903-04-22
Page
– (sequence 33)
Language
German
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»i.npt. 1903.1 BmlLZS m M. IQ & tl ^sr,. IS. Nach Oslas Waffkvspvung—Z ü ri ch. Das kleine Städtchen X. in Galizien befaß nur eine geringe Anzahl Nichtjuden unter seinen Einwohnern, der weitaus größte Theil derselben waren Juden. Dem Bedürfnisse entsprechend befanden sich auch ebendaselbst eine Reihe koscherer Restaurationen und Wirthschaften, und auch die, welche von Christen besucht wurden, gehörten jüdischen Wirthen. Der Besitzer einer solchen Schänke war Jerachmiel Chaimowitzsch. Ueber zu geringen Zuspruch HUtte er sich nicht zu beklagen, und er konnte sich und seine Familie gut ernähren. Er war stadtbekannt, der gute Jerachmiel, der auf seinen schönen, rothen Bart sehr stolz war. Tagaus, tagein konnte man ihn hinter seinem Schanktische beschäftigt sehen, stets guter Laune, immer eine humorvolle Aeußerung auf den Lippen. Die Gäste kamen gern zu ihm, und trotzdem er so sehr viel zu thun hatte, erübrigte er dennoch genug Zeit, um Armen zu helfen und allerorten nach seinen Kräften die Noth zu lindern. Kein Unglücklicher verließ ungetröstet sein Haus, kein Armer ging hungrig von ihm. Und wer vermag die Wohlthaten aufzuzählen, die er im Stillen geübt, wer die Tankgebete, die aus tiefster Brust so Mancher für ihn zum Vater im Himmel gesandt hatte!? Unter diesen Verhältnissen waren Jahrzehnte verstrichen. Die Zeit hatte Jerachmiel übel mitgespielt. Harte Schicksalsschläge trafen ihn kurz Nacheinander. Sein frommes Weib war dahingegangen, und ganz allein stand er nun in der Welt, da auch Kindersegen ihm versagt geblieben war. Er vernachlässigte sein Geschäft und Konkurrenten nutzten dies aus. Kurz — beim Eintritt des Alters war Jerachmiel an den Bettelstab gebracht und hätte ganz von der Wohlthätigkeit leben müssen. Jedoch mit geradezu bewunderungswürdiger Ergebenheit trug er sein schweres Loos. Bedauerte ihn Jemand, so Pflegte er ärgerlich auszurufen: „Was redet Ihr da für Stussim zusammen? Der Ribono schel olam hat mir einst mein Geld gegeben, und er hat's auch wieder genommen. Um den Grund darf man da nicht fragen. Wahrscheinlich habe ich in meinen guten Tagen zu wenig Z'dokoh gegeben. Nun will ich mir in den paar Jahren, die mir Haschem jisborach noch geben wird, olam habo zu erwerben suchen und tüchtig Thora lernen!" Doch wovon seinen Lebensunterhalt nehmen? Denn schon der bloße Gedanke, daß er Leute, die früher seinesgleichen waren, nun UM ein Almosen angehen solle,, bereitete ihm Qual. Zu diesem' äußersten indessen kam es nicht. Zwei Freunde und langjährige Nachbarn griffen ihm helfend unter die Arme. Der eine, Besitzer eines Mietshauses, gab ihm ein freundliches Stübchen unentgeltlich zur Wohnung. Der andere, der Restaurateur Etelmann, machte ihm das Anerbieten, ihm täglich in.seiner Restauration umsonst das Mittags-und Abendessen einnehmen zu lassen. Mit Freuden griff Chaimowitzsch zu diesem Rettungsanker. Für Wohnung und Speise war gesorgt. > Seine

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