Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 30-31 (22.4.1903)
- Date
- 1903-04-22
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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Nuß 1 ft n d. Petersburg, 16. Apri. (D i e j ii b i f ch e Auswanderung aus Rußland.) Die russische ZeituUg „Woschod" veröffentlicht eine Unterredung, die vor kurzem ihr Mitarbeiter, Herr R. Brainin, mit einer Hamburger Persönlichkeit über die russisch-jüdische Auswanderung gehabt hat. Ueber den Verlauf der Unterhaltung berichtet Herr Brainin. wie wir dem „Hamb. Corresp." entnehmen. Folgendes: - - „Ich berührte zunächst das Thema der Klagen jüdischer Auswanderer in Bezug auf eine gewisse Rücksichtslosigkeit, der sie besonders an der Grenze begegneten. Herr Ballin hörte mich ruhig und aufmerksam an und etwiderre, die Klagen entsprächen durchaus nicht völlig den Th'atsachen. Es müsse in Betracht gezogen werden, daß die in Rußland auf e t n e n Ansiedelungsrayon beschränkten Juden sich ganz falsche Vorstellungen von der überseeischen Reise , und den mit ihr verbundenen Ung'elegenheiten machten. Es träte zudem noch die Ungewißheit der Zukunft hinzu, so daß ein Gefühl der Erregung und Empfindlichkeit bei den Emigrbnten aufkauchte. die selbst diejenigen Maßnahmen oft mißbilligten, die zu ihrem eigenen Nutzen von der Linie ergriffen seien. Auf die wenig zuverlässige Schilderung überseeisch bereits angesiedelter Verwandten und Bekannten hin träten die Auswanderer ihre Amerikafahrt an, und in der Phantasie dieser meist armen Leute spielten weniger die tiefen realpolitischen und sozralökonomischen Ursachen der Emigration eine Rolle,'als vielmehr die verhältnißmäßig ansehnlichen Summen, die von den Stammesgenossen aus Amerika in die Heimath geschickt würden. Ueber Hamburg kämen jährlich aus Amerika von den Angesiedelten etwa sieben Millionen Dollar. Um so größer sei daher die Ungeduld der Auswanderer, in die -.Neue Welt" zu kommen. Ferner dürfe auch der Umstand nicht außer Acht gelassen werden, daß der größte Theil der Auswanderer in die Fremde gehe, ohne mit den Sitten oder auch nur mit der Sprache irgendwie vertraut zu sein. Schon an der Grenze begegneten sie mancherlei Hindernissen und nähmen dann die Dienstleistungen von sog. Agenten in Anspruch, von denen sie dann ausgebeutet würden. Daran trage die Hamburg-Amerika-Linie natürlich keine Schuld, und jede Klage über schlechte Behandlung in Eydtkuhncn müsse kategorisch als. Unwahrheit zurückgewiesen werden. Der dortige Hauptagent der Linie, Herr Bovin, genieße als echter Gentleman vollstes Vertrauen uüd würde nim'mer einen moralisch kränkenden Schritt, am 'wenigsten gegen Frauen, dulden. Daß die Emigranten in besonderen Baracken der Desinfektion unterzogen würden, sei die Folge einer RkgierungsbestiMmung. Als nämlich vor einigen Jahren Hamburg von der Cholera heimgesucht wurde, glaubten Gelehrte, daß sie von russischen Auswanderern eingeschleppt worden sei. Damals habe die preußische Regierung die Ostgrenze für die russische Auswanderung gänzlich verschließen wollen, und nur in Folge der Vorkehrungen der Hamburg-Amerika-Lrnie zur Iso- ° lirung der Auswanderer sei jene Absicht , unausgeführt geblieben. Damit die Auswanderer mit der Landesbevölkerung nicht in Berührung kamen, würden sie in besonderen Zügen mit geschloffenen Waggons von der Grenze nach Hamburg gebracht, und nur in Ruhleben bei Berlin sei ein Aufenthalt. Bei der Desinfektion würden durch die 'Hitze von 200 Grad Kleidung und Proviantvorräthe allerdiitzs in etwas beschädigt, doch dafür gelangten die Auswanderer völlig gesund auf den Dampfer, ohne dort von der Gefahr einer epidemischen Krankheit bedroht zu fein. Die Dampfer nähmen bis 2000 Leute auf, und Krankheitsfälle seien ganz vereinzelt, während auf den Schiffen anderer Linien oft recht viele Erkrankungen vorkämen. Auch die dreifache ärztliche Untersuchung in Eydtkuhnen, Ruhleben und Hamburg, wirke darauf hin, daß kein Kranker sich einschiffe. Es sei unbegründet, wenn die Auswanderer über unnützen Aufenthalt sich beschwerten: jeder Aufenthalt Mache selbstverständlich der Hamburg-Amerika-Linie große Kosten, sie werde also im eigenen Interesse für möglichst wenig Aufenthalt sorgen. In den Hamburger Auswanderer-Hallen werde für gute, rituelle Kost, für das religiöse Bedürfniß. und auch für Erheiterung durch Musik und Tanz gesorgt. Die Dampfer hätten enorme Proviantvorräthe an Bord und alle Angestellten hätten strengste Ordre, über die Reisenden zu wachen uUd sie höflich zu behandeln. Wäre irgend etwas Ungebührliches vorgefallen, so hätte die deutsche wie die amerikanische Regierung gewiß eine Untersuchung eingeleitet und did Sache zur Kenntniß der Verwaltung gebracht. Das sei jedoch niemals geschehen. Immerhin solle den angedeuteten Klckgen Beachtung geschenkt und jeder Unzufriedenheit durch noch größere Sorgfalt der Boden entzogen werden." und 1767 Versicherungen über M. 13169 509 lM. 1 705 7ÖÖ mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres) abgeschlossen worden. Es hat uÄ damit der Vernchernnaensbestand auf 657 Millionen Mark gehoben, wahrend das Vermögen auf 229 Millionen Marl angewachsen iit. , . Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegenseitigkeitsaustaltm. Metzen alle Ueberschüsse in Gestalt von Dividenden dciiVerncherten wieder zu. die auf diese Weise bis jetzt 81 Millionen Mark, erhalten haben. Im laufenden Jahre betragt die Dwrdende für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Dimdendenplan A, wie seit mehr als einem Jahrzehnt 42°/, der ordentllchen,^abcesbeiiräge. bei abgekürzten Versicherungen au&erde.ui noch l.o/,« der aumme der gezahlten Zusatzprämicn: bei dem Dwldendenplan b gelten steigende, nach der Tauer der Berstche* rung abgestufte Dlvidendensatze. die die Leipziger Gesellschaft m der von Anfang an in Aussicht gestellten Höhe foctgewahrt wahrend vrele andere, Geseüschaften sich gezwungen gesehen haben, ihre steigende Dividenden hecabzusetzen.