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Der Israelit · 1903-04-22 · Heft 30-31 (22.4.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 30-31 (22.4.1903)
Date
1903-04-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Genirak-Hrgan für das orthodoLö ZüdsntßUW. M M H8L.' 44* Jahrgang. Begründet von , - Mittwoch, do« SS. Nissan S««S SS. Aprt» 1S»S. Ium 2% Nissan. J v Mainz, 21. April. Alljährlich, wenn uns das heitere Peßachfest verläßt, und der Ernst des täglichen Lebens wieder herantritt, tritt er an uns mit doppelter Schwere heran, . an uns, an die über das weite Erdenrund zerstreute große Gemeinde, die der Begründer des „Israelit" geschaffen hat, und' der sein seit zwölf Jahren wiederkehrender Todestag düs alte Weh in der Brust weckt. Mr suchen für diesen Schmerz Linderung und Trost in dem Worte Gottes, in diesem, ünversieglichen, ewig frisch sprudeln-" den Quell, der niemals die Erwartung derer täuscht, die zu ihm wandeln in der Hoffnung auf die Kraft, wie sie jeder Trunk aus diesem Gottesborne gewährt. Der Abschnitt der Thora, der in diesen Tagen in unseren Gotteshäusern zu uns spricht, erzählt uns von einem ähnlichen Todesfall, der dem blühenden Leben zweier vollendeter Jünglinge ein jähes Ende bereitet hat, in dem Augenblick, als Israel, erfüllt von höchster Freude, - die Weihe der ersten Gottesstätte auf Erden feierte. Und 'wenn ganz Israel die Verheerung des Feuerstrahls beweinte, die er der Elite der ganzen Nation bereitet hatte, so war doch der greise Vater am schwersten von dem Verluste betroffen, der ihm das junge Leben seiner hoffnungsvollen Söhne geraubt hatte. Wie äußerte er den Schmerz, der ihm tief im Busen wühlte? Er kam. gar nicht zur Aeußerung; A h a r o n s ch.w i e g. pan om. Die Müfora erinncrt daran, daß der Ausdruck an>i noch einmal im heiligen Schriftthum sich findet, und zwar im Buche Josua (Cap. 10, V. 13), wo er den plötzlichen Stillstand der Sonne 'bezeichnet, der auf Josuas Gebet erfolgt war. Für den beobachtenden, denkenden Menschen gibt es vielleicht keine zweite äußere Bestätigung der über unseren Häuptern waltenden, göttlichen Vorsehung, von . so überzeugender Kraft, als die mächtigen Himmels- V : . körper, die hoch am Firmament ihre ewigen Bahnen zeichnen. Ewige Bahnen? Ewig erscheinen sie aller-- - •' dings nur unserem durch Zeit und Raum beschränkten , Blicke, der wegen der Regelmäßigkeit und wechsellofen; Stetigkeit dieser Bahnen leicht geneigt ist, an ihre. Ewigkeit zu glauben. Einem Abraham weckt uNd stärkt daher der Aufblick zum Sternenhimmel, das Vertrauen in der Gotttreuen Brust, und das Ohr eines David hört aus diesem steten Gang der Himmelskörper die Sprache, - in welcher die Himmel die Ehre Gottes erzählen. . So wunderbar dieser stete, majestätische, nicht um. Haaresbreite^ von seiner- Bahn; weichende Lauf,. der - - Himmelskörper auf Denjenigen hinweist, der ihnen diese , Bahn vorschreibt, so sind doch viele, ja die meisten leicht geneigt, gerade durch die Regelmäßigkeit ihres Auftretens die Himmelskörper als eigene, von ihrem Schöpfer unabhängige Mächte zu betrachten. Daß sie das aber nicht sind, das beweist nichts so augenscheinlich als ihr plötzlicher Stillstand, den.Gott auf das Gebet feiner treu bewährten Diener wiederholt, einireten^ ließ. - -- .v; Daß es einen Gott gibt, dessen Leitung alles vom leuchtenden Sonnenball bis zum tiefsten Erdenschacht unterstellt ist, das lehrt die stillstehende Sonne. Sie redet uns auch, wenn unsere irdischen Sterne erbleichen, den Trost in die zerrissene Seele, den das verwundete , Gemüth in der Anerkennung Gottes im Kaddischgebet ' hinhaucht, Gottes, dessen Name nirgends größer und heiliger dasteht, als wenn er die Leuchten und Stützen uns entzieht, die unser Leben erhalten und. tragen. Die Seelengröße eines Aharon, die keine Verzweif-; lung, keinen Schmerz, kein Wort der Klage aufkomm'en läßt in Lagen, in welchen andere verbluten, diese. Seelengröße wurzelt und gipfelt in der felsenfesten Zuversicht, daß es einen Gott gibt, der nimmt und gibt, der .. oft gibt, wo er zu nehmen scheint/ dessen höchste An-

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