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Der Israelit · 1903-10-29 · Heft 86 (29.10.1903) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 86 (29.10.1903)
Date
1903-10-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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44. Jahrgang. ÄS; gg<l!?.<g.B». W» V«gggF zu Jfs 86 des „Israelit". 35 U Kklkbullg dck Palästina - Kolomsatioiisbknikgung. Schon seit dem Minsker. Kongreß konnte inan in Rußland eine verstärkte Wiederaufnahme der Palästina-Kolonisationsbewegung wahrnehmen. Nicht nur, daß die Verwendung des Nationalfonds zum sofortigen Terrainkauf von Palästina empfohlen wurde, es bildeten stch überdies neue Bodenkaufgenossenschaftcn, und auch die ganze Thätigkeit des Ingenieurs Ussischkin war auf Förderung der direkten Aktion in Palästina gerichtet. Nun beginnt auch die Stagnation, in der. sich die. Kolonisations-Bewegung im westeuropäischen Judenthum unleugbar befand, zu weichen und eine erfreuliche, viel versprechende Erneuerung derselben vollzieht sich vor unseren Augen. Maßgebend war für die Neubelebung der Kolonisationsvereine in erster Linie der Umstand, daß die wirthschaftliche Krisis des Ansiedlungwerkes vorüber ist, daß die letzten Nachrichten über die Entwicklung der Kolonien in Palästina außerordentlich ermunternd sind. Die Initiative zu einer neuerlichen, regeren Thätigkeit in Palästina ist von der Berliner Propaganda- Kommission des Zentralkomitees der Kolonisationsvereine ausgegangen. Diese Kommission besteht, unter dem Vorsitze von Dr. H. Hildesheimer, aus den Herren Prof. Martin Philippson, Verthold Israel, Willy Bambus. Prof. Leopold Landau, Dr. Alfred Nossig, Prof. Otto Marburg und zwei Vertretern des Berliner „Esra". Demnächst tritt auch das Pariser Central-Komitee zusammen, welches unter dem 'Vorsitze von Narcisse Leven steht und sich aus den Herren: Großrabb. Zadok Kahn, Prof. Joseph Halevin, Rabb. Dreysuß, Dr. Emil Meyerson, Rabb. Weißkopf, D. Pragues, M. Altmann, sowie Oberst Goldschmidt und M. Prag-London z'usammensetzt. Auf Veranlassung der Berliner Propaganda- Kommission veranstaltete das Zentral-Komitee des „Esra" in Berlin eine öffentliche Versammlung von Palästinafreunden, welche am 19. Oktober im Saale des Fürstenbergbräu stattfand und ein zahlreiches Publikum vereinigte, unter dem sich auch auswärtige Delegirte befanden. Nach den Eröffnungsansprachen, der Herren M. Dorn und Dr. Hildesheimer fand ein Vortrag von Dr. Alfred Nossig „Unser Kolonisations- , Programm" . statt, . dessen Inhalt wir auf Grund hes. stenographischen Protokolls folgen lassen. Der Vortrag zerfiel in vier Hauptheile. Zunächst sormulirte Dr. Nossig das Kolonisationsproblem. Er faßte es in die Frage: „Ist der Plan der Gründung eines autonomen jüdischen Gemeinwesens außerhalb des palästinensischen Länderkreises der unentwegten Fortsetzung des palästinensischen Ansiedelungswerkes ohne alle Kräftezersplitterung vorzuziehen?" Das Problem ist im Grunde ein kolonialtechnisches: „Allmähliche Ansiedlung unter stufenweiser Anstrebung immer höherer politischer Rechte — oder vorangehende Sicherung der höchsten politischen Rechte und nachfolgende möglichst rasche Massenkolonisation?" Im zweiten Theile bemühte sich Dr. Nossig nächzuweisen, daß das Ansiedlungswerk in Palästina sich heute vorzüglich bewährt habe und gute Aussichten für die Zukunft biete und daß der Weg der langsamen, rechtlichen Kolonisation, die nach und nach zu einer Großkolonisation mit politischem Endzweck anwachse, durch die geschichtliche Erfahrung und die Volkswirthschaftslehre empfohlen werde. Der Bericht eines politischen Zionisten, Dr. Friedmann, bezeugt es, daß die Krise des Palästina-Kolonisationswerkes völlig überwunden sei. Ein anderer politischer Zionist, Dr. Oppenheimer, hat in seinem Ansiedlungsreferat die langsame Kolonisation als die einzig richtige bezeichnet und vor der raschen Massenkolonisation gewarnt. Der dritte Theil enthielt eine Widerlegung des Programms der politischen Massenkolonisation und die Bekämpfung des ostvfrikanischen Projektes. Massenkolonisation muß mit Elend und Epidemien enden. Ein-» Ansiedlung in Ostafrika eröffnet, wenn man die vorhandene Litteratur über Uganda zu Rathe zieht, für'die Juden nur ungünstige Aussichten und würde unter allen Umständen eine schädliche Kräftezersvlitterung bedeuten. - Im vierten Theil entwickelte Dr. Nossig das neue, erweitcrete Kolonisationsprogramm für Palästina. Man hat auf dem letzten Zionistenkongreß den Verlust Palästinas beweint. Es war gar kein Anlaß hierzu vorhanden. Niemals war uns Palästina näher als jetzt, wo das Ansiedelungswerk auf bestem.Wege ist. Das jüdische Volk wendet sich instinktiv auf den richtigen Weg. . Neue Kolonisations- und Bodenkaufsvereine entstehen. Man hat den Nationalfonds für sofortigen Bodenkauf bestimmt. Die. einflußreichsten jüdischen Blätter haben sich für die Palästinakolonisation erklärt. Für die ostafrikanische. Expedition fließen nur mimmale Beiträge ein, während 7,die Spenden für den Nationalfonds jetztbedeutend Anwachsen. Das Volk will Palästina und die Kleinkolonisaiion. ' -

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