Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-07-25 · Heft 59 (25.7.1904) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 59 (25.7.1904)
Date
1904-07-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450041--61095-2522168
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

45. Jahrgang. M SS tt IsmM <N» ZenLrat-Hrgan für das ortyodore Iudenlyum. Begründet von l>». ITrljutiinu in t2t*tns. Montag, den 15. U tu 5664. 25. Juli 1904. s... Bmei abonnlrt man bei allen Postaastalten für die Monate & Osptmlier auf den „Israelit". Tiefer Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalt«r bcö Wvynstscs des Bestellers oder bet dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Briefträger sind berechtigt den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höber. f^yr Auf Wunsch Ermäßigung auf den Slbonncmentspr-ts. Die LrptdMon des ^Israelit." Theod)r Herzl und der Zionismus.'^ Persönliche Erinnerungen. - ltiitischc Betrachtungen. Von Maximilian Paul-Schiff (Baden bei Wien). (Aus der .Frankfurt« Zeituiig-., „Eine Eiche zerschmettert, eh' der Sturm sic gebrochen," so mutzte das Dichterwort lauten, wollte man es auf den im Alter von 44 Jahren Dahingeschiedenen anwcnden, der vor wenigen Tagen auf dem Döblinger Friedhofe zu Wien zur Ruhe bestattet wurde. Nickt zur letzten Ruhe, falls der heiße Wunsch des Entschlafenen sich verwirklichen soll. „Bis das jüdische Volt meine Leiche nach Palästina überführt," so schrieb letztwillig dieser deutsche Schriftsteller, der schon durch die . *) Obwohl di.st-r Aufsatz sich i» »ii'len Ding«, mit imfrrem Standpunkte nicht deckt, so auch »aineutiich in Bezug aus Animilation und Orthodoxie. Srrtfiümer und Widersprüche enthalt, geben wir denselben wegen seines tiefen Eindringens in das Wesen des Zionismus dennoch hier wieder. Red. d. ,JSr." seltene Meisterung des Wortes bezeugte, daß er deutsche Empfindung bis in das Innerste eingesogen hatte. Nicht dem Schriftsteller, sondern dem Juden, dem Zionisten Herzl möchte ich einige Worte widmen, die an der Hand seines befremdenden Werdeganges zeigen mögen, warum einer der besten deutschen Männer sich schließlich selbst suggerirte. daß er als Jude sich „nicht, assimiliren könne oder wolle". Nur wenigemale war es mir vergönnt, Herzl im Leben näl-erzutreten. Als ich vor einigen Jahren in einer Versammlung der Oesterreichischen israelitischen Union dem ethischen Gehalte des Zionisrnus die ihm gebührende volle Gerechtigkeit lviderfahren ließ, suchte mich der mir bis dahin unbekannte Herzl auf, um mich zum zionistischen Programm zu bekehren. Wenige Worte genügten, um ihn zur Einsicht kommen zu lassen, daß dies vergeblich sei. Aber die kurze Besprechung, die wir mit einander hatten, genügte mir, um zu begreifen. daß der große Zauber, den die Persönlichkeit dieses Mannes ausüble, jene mächtige Bewegung entfachen konnte, die Herzl nach langem Ringen und Prüfen im Jahren 1895 zu Paris in's Leben'gerufen halte. Kaum ein Jahr früher noch hatte er in einer Rezension von Dumas', Kemme de Tlaude“ geschrieben: «Der gute Jude Daniel will die Heimath seines Stammes wiederfinden und seine zerstrcnten Brüder heinmihren. Doch gerade ein solcher Daniel weiß, daß den Juden mit ihrer bistorisck-en Heimath nicht mehr gedient wäre. Es ist kindisch, die geographische Lage dieses Landes zu suchen ... Und wenn die Juden wirklich .heimlebrten". so würden sie am andern Tage entdecken. daß sie längst nicht mehr zusammengehören. Cie wurzeln seit Jahrhunderten in neuer Heimath, entnationalisirt, von einander verschieden, in einer Charakter-Aehnlichkeit. nur durch den sie überall umgebenden Druck erhalten."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.