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Der Israelit · 1904-07-28 · Heft 60 (28.7.1904) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 60 (28.7.1904)
Date
1904-07-28
Page
– (sequence 32)
Language
German
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der Orthodoxie" ausgelegt zu »oerden pflegt. 3>üjj solche Scheinerfolge ernste Männer nicht reizen können, darf nicht wunder nehmen, und die Intransigenten werden darum all jenen modernen Gebilden gegenüber mit voller Ruhe in ihrer ablehnenden Haltung verharren tonnen. Ein gleiches Verhalten dem Zionismus gegenüber würde aber, weil es hier lediglich gilt der faktisch vorhandenen Mehrheit die organisatorische Geltung zu erobern, einer leichtfertigen Preisgabe der heiligsten religiösen Interessen gleichtommen. Kann es bei vernünftiger Erwägung aller normaler Weise zu berücksichtigenden Ilmstände durch rüstige, hingebungsvolle Arbeit in absehbarer Zeit gelingen, die ganze zionistische Bewegung traft des Rechtes der Mehrheit dem Diktate des Gesetzes zu unterstellen — s o muß diese Arbeit von den Gesetzestreuen geleistet werden. Die drei Richtungen, nach denen sich das geistige Schaffen der im Misrachi zusammengefaßten jüdischen Voltskraft zu bethätigen hat. spricht der zweite Programmpunkt in kurzen Worten aus und es darf späterer Gelegenheit vorbekralten eingehender, namentlich auf die zu leistende wissenschaftliche Arbeit, zurückzukommen. <') Zu Punkt 3. Zwei Bedingungen sind es. denen schon heute genügt werden muß. wenn der gewissenhafte Jude die 'JJlöfltiditeit finden soll, dem neu zu organisirenden Misrachi sich anzuschließen. Der einen ist bereits gedacht. Auch auf dem Wege zur Mehrheit darf das Prinzip nicht verklausulirt oder verdunkelt werden, demzuliebe allein der friedliche Ringkamps ausgenommen wird. Dieser Gefahr zu begegnen, ist schon das ehrliche Programm selbst geeignet, das scharfen Widerspruch herausfordern und den Misrachi dadurch zwingen wird, für die ihn kennzeichnenden lleberzeug ungen in die Schranken zu treten. Nichts aber schützt so vor geistiger Assimilation wie der frische, fröhliche — darum doch nimmer persönlich werdende — Kampf, ' in dem die Kräfte erstarken und die Tiefe des oft nur halb gekannten eigenen Besitzes dem redlichen Forschergeiste gar oft sich erst erschließt. Die zweite Bedingung ist die Wahrung de? Religionsgesetzes in jedem Stadium der Bewegung. Wir können allerdings mit dem Anschluß an den Zionismus nicht warten, bis der Geist des echten Judenthnms die Partei in Haupt und Glieder durchdringt. denn diesen Geist zu wecken, soll ja der Zweck des Anschlusses sein. — nimmer aber darf die Zugehörigkeit zur zionistischen Partes durch eine — wenn auch scheinbar geringfügige — Uebertretung de? Religions g e s e tz e s erkauft werden. Diejenigen Institutionen, zu deren Förderung und Erhaltung der gesetzestreue Jude mit seinem Schekel beiträgt, dürfen nach keiner Richtung gegen die klaren Forderungen des Gesetzes verstoßen, sonst gibt es keinen anderen Weg für den Misrachi als den der Steuerverweigerung, für den Außenstehenden keinen andern, als den des Draußenbleibens. Soweit bekannt ist. besteht vorläufig kein Anlaß, an der völligen Gesetzmäßigkeit der Kolonialbank-Thätigkeit etc. zu zweifelnauch die Kanzlei der Partei dürfte am Sabbat wohl geschlossen sein. Es ist aber nothwcndig. daß iiber die prinzipielle Stellung des Misrachi zu diesen Fragen, auch so lange er in der Minderheit ist. kein Zweifel gelassen werde. Aus diesen Erwägungen dürfte sich der dritte vorgeschlagene Programmpunkt vollauf rechtfertigen. Wird der nach Preßburg einberufene internationale Misrachi-Tag den Muth haben, ein Programm im Sinne der vorstehenden Andeutungen zu schaffen, wird er sich alsdann ein Organisations-Statut geben, fea^kcr» Theorien des Pr"nrg.nrur2 'sichert und unter den im Grunde gleich Gesinnten den straffen Zusammenhalt schafft, der ibre Aktionsfähigkeit verbürgt — bann, so hoffen wir, werden die vielgeschmähten. deutschen Orthodoxen zu einem Theile wenigstens, bereit sein, ihre Kraft der gemeinsamen Sache zu widmen, ohne Rücksicht darauf, ob die praktischen Ziele des Zionismus in den nächsten Jahren sich verwirklichen lassen werden oder nicht. Dann allerdings wird eine Frage noch ungelöst bleiben, eine Frage jedoch, auf die nur die Entwicklung der Dinge selbst eine Antwort geben: Werden sich in den Reiben der Ortbodorie in ausreichender Anzahl Kräfte finden, die befähigt sind, die gewaltige geistige und praktische Arbeit zu leisten, die der Moment erheischt und die mit jedem errungenen Erfolge größere Anforderungen an die Intelligenz, wie an die Energie des Charakters stellen wird??? Dürfen wir dem alten Wort vertrauen, daß die Thora ihre.Träger trägt"?? Wir dürfen es vielleicht, sobald wir alles gethan haben, was die gewissenhafte Erwägung der Lage an Vorsichtsinaßregeln gegenüber der eigenen Schwäche und den abweichenden Ueberzeugungen unserer Brüder von uns fordert. Vielleicht, daß bei diesem ernsten Geschäfte der Selbstprllfung sich der cbrwürdige Oberrabbiner von Papa und sein im Grunde doch gleichstebcnder Kritiker nicht nur. sondern alle die zusammenfinden. die die alte jüdische Tischo-be-aw- Thräne im Ernste geweint, und denen Zion nicht ein politisches Svmbol. sondern in Wabrbeit die geistige Mutter ist. Druck der J oh. Wirth'scheu Hostuckdruckerei A.-G. in Mainz. — 4 —

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