Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1904)
- Date
- 1904-07-21
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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1246 wurden in den Räumen des Hoftheaters abgehalten und waren stets durch die Mitwirkung der hervorragendsten Solisten der Zeit ausgezeichnet. Auch dem Herz'schen Quartett wurde die hohe Ehre zu Theil. neben den berühmtesten Sternen am damaligen 5t un st Himmel zur Verschönerung des Hofkonzerts beizutragen. Der Bericht des Hofthcater-Chrcnisten Knispel verzeichnet als mitwirkende Jnstrumentalsolisten bei den Hofkonzerten im Jahre 1845/46 die Künstler: Liszt (Klavier), Therese und Marie Milanollo (Violine), Vieuxtemps (Violine), Waldmüller (Klavier). sowie das Herz' sche Quartett. Gewiß also ein genügender Beweis für die ungewöhnliche künstlerische Leistungsfähigkeit und den hohen Ruf der Kapelle. Außer seiner Detheiligung bei Hoffestlichkeiten veranstaltete Musikus Herz mit seinem Orchester allwöchentlich Konzerte im Saale „Zur Traube", im „Darmstädter Hof", sowie besonders in dem damals außerhalb der Stadt gelegenen „Chauss eehaus". Diese Konzerte bildeten das Stelldichein der vornehmen Welt, sowie der verwöhntesten Kunstkenner und Musikfreunde. und ihr Besuch war stets derart zahlreich. daß die Eintrittskarten schon einige Tage vorher meistens vergriffen waren. Die Konzertproben fanden bei kleineren Aufführungen in der Behausung von Herz*), bei größeren in der ..Traube" statt. Auch von diesen Konzerten ünd noch Berichte erhallen. In Walters ..Darmstädter historische Kleinigkeiten" wird hierüber bemerkt: ..Außerhalb der Stadt war auch noch das „Ebausseehaus" ein beliebter Belustigungsort. Namentlich in den dreißiger Jahren begann der Besuch des Chausseehauses auch in vornehmen Kreisen beliebt. sozusagenMode zu werden, besonders als Meister „Herz" seine trefflich eingeübten Konzerte k la Strauß dort in's Leben rief." Auch das Programm eines dieser Konzerte ist noch erhalten. Die „Darmstädter Zeitung" vom Jahre 1545 kündigt im Nachrichtentheile ein Konzert der Herz'schen Kapelle in Bessungen unter Beifügung des Programms an: „Darmstadt. Das 2. Concert von Herrn Herz, welches bei günstigem Wetter Mittwoch den 23. Juli im Garten des H. C. Wiener bei Bessungen stattfinden *) Im Residenzkalender vom Jahre 1839 findet sich folgende WodnunaSanaabe: Hachenburg Herz. Musiker. A. 123. d. h. Distrikt a Nr. 123 das war die heutige .Schlobgane". soll, wird wieder eine schöne Auswahl gediegener Musikstücke bringen, unter anderem: „Soldatentänze", ein Meisterstück von Lanner. Potpourri aus der „Regimentstochter". auf vielseitiges Verlangen eine Wiederholm,g des von Herz so trefflich arrangirten Potvourri aus den „Hugenotten". Auch wird eine neue vaterländische Comvosition „Wolfsgartenwalzer" von Wiese zur Ausführung kommen." Aber auch außerhalb Darmstadts genoß die Herz'scheKapelle einen hohen künstlerischen Ruf. So concertirte dasselbe oft in Frankfurt in der „Mainkur". in Gießen und anderen Rachbarstädtea. Ferner unternahm Herz mit seinem Orchester einigemak erfolgreiche Kunstreisen, welche ihn nach dem Rhein, sogar bis nach Holland führten. Dieser Erfolg und der außerordentlich hohe Ruf waren besonders in der künstlerischen Eigenart und vollendeten Schulung der Kapelle begründet, welche wiederum in der erhabenen Auffassung und dem idealen Durchdringen deS Kunstwerks durch den talentvollen Leiter Herz gipfelten. Die damalige Zeit war noch unberührt von der Musik Wagners, ein hastendes, nervös abspannendes Wesen, ein aufgeregtes Spiel war den Musikern im Gegensatz zu heute völlig unbekannt. So kamen ausschließlich die unerreichten alten Meister Mozart. Beethoven, Gluck und Händel, aber auch von den neueren Rossini. Meyerbeer u. s. w. in ihren prachtvollen Symphonien und Opern zu ihrem Recht. Meister Herz dirigirte mit geradezu klassischer Ruhe, und seine von geistvoller Auffassung und vollendetster Beherrschung des Werkes zeugende Leitung übte den trefflichsten Einfluß und übertrug die Ideen des Meisters auf alle Mitglieder der Kapelle. welche ihrerseits durch die gediegenste Ausführung die begeisternde, temperamentvolle und kunstverständige Führung lohnte. Das Herz*- sche Quartett war eben nach der Sprache der Musik „aufeinander eingespielt," die Instrumente paßten sich in ihrer Klangwirkung einander an, waren abgetönt, ergänzten sich gegenseitig zu einem künstlerischen Ensemble und verschafften gerade dadurch dem Meister und feiner Kapelle zahlreiche Ehren und hohen Ruhm. (Schluß folgt.) Derantworlliibe Redaktion Oscar Lehmann in Mainz — Ervedition de« Israelit' Schottstrabe Nr. L Mona. Druck und Berlaa der Iah. Wirth'sLen Hofbuchdruckeret Actien-Gesellschaft In Main».