Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1904)
- Date
- 1904-07-21
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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1244 Hachenburger und seinem inzwischen verstorbenen Bruder Samuel Hachenburgcr dahier ertheilte privilegiumexclusivmnauf denen in Unserer Obergrafschafi Katzenelnbogen vo rfallenden Juden-Hoch Zeiten privative musikalisch aufspielen zu dürfen, Kraft dieses, auf ihn Hähnle Hachenburger und seines Bruders Samuel Hachenburgers Sohn. Namens Herz Hachenburger, unter den vorigen Bedingungen, daß sie nämlich bev einer Hochzeit jedesmal Einen Gulden in Unsere Reutherey dahier, sodann zwey Gulden an den zeitigen Thurmmann*) Hieselbst bezahlen sollen, respeetive gnädigst erneuert und transferiret haben; So ist sich darnach unterthänigst zu achten, ihnen dieserthalben nichts in Weeg zu legen, sondern sie bey diesem privilegio behörigen Orts zu schützen. Urkundlich Unseres hierauf gedruckten Fürstlichen Geheimen Jnsiegels Darmstadt den 2ten Octobris 1797. Fürst!. Hessische Präsident. Kanzler und Geheime Räthe daselbst gez. Peter von Hesse H. v. Lehmann v. Eoelmann Der Sohn des in diesem Dokument erwähnten Hahnle Hachenburger war HerzHachenburger, in der Geschichte und dem musikalischen Leben Darmstadts nur unter dem Namen ..Musikus Her z" bekannt, da Großherzog Ludwig II. (1830—1848) dem unter dem Namen »Herz" so populär gewordenen Künstler auch gestattete, unter Weglassung des ursprünglichen Zunamens Hachenburger, den Namen ..Herz" als Familiennamen zu führen. Herz war im Jahre 1787 geboren und wendete sich schon frühe mit hoher Begeisterung der väterlichen Kunst zu. Unter Voglers Anleitung vervollkommnete er sich ferner in der Eompositionslehre und bildete mit den nächsten Verwandten (Baruch Herz. Musikus und seinem Sobn Moses) und Freunden ein Quartett, welches in Darmstadt und Umgebung bei Hochzeiten und sonstigen festlichen Gelegenheiten durch sein Spiel zum Amüsement beitrug. Zn weit höherer künstlerischer Vervollkommnung gelangte das ...Herrsche Quartett" in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, als sich dasselbe zu einer Kapelle erweiterte, welche, weit über den Nahmen einerMusikgesellschaft hinausgehend, allmählich — den Charakter eines hervorragenden Kunstinflituts annahm, dessen Ruhm weit über die hessischen Länder drang und sogar den gefeiertenComponisten und Walzerkönig Johann t . *> Der StadtTbürmer. welcher sonst das Privilegium besaß, bei allen Gelegenheiten spielen zu dilrsen. Strauß vonWien bei seinerAnwesenheit in Darmstadt (1849) zu größtem Lobspruche veranlaßte. Das künstlerisch bedeutende Streichorchester, welches stets unter dem Namen „Herz'sches Streich-Quartett" auftrat, und dessen Seele der hochbegabte Dirigent Meister Herwar, war nach dem Muster der Wiener Kapellen (von Josef Lanner und Johann Strauß I.) gegründet worden, und seine Leistungen stehen noch bei allen älteren Musikfreunden in bestem Andenken. Das Orchester war gewöhnlich 36—40 Mann stark und bei festlichen Gelegenheiten sogar mit 60 Mann besetzt. Demselben gehörten die hervorragendsten Mitglieder der Hofkapelle an. welche überhaupt stets eine Ehre darin erblickten, unter ..Meister Herz" spielen zu dürfen. Den Höhepunkt künstlerischer Wirksamkeit erreichte es in den dreißiger und vierziger Jahren unter den Großherzögen Ludwig II. und Ludwig IN. Bei Hofbällen spielte stets das Herrsche Orchester in echt temperamentvollem, sprudelnd lebendigem Fluß nach den berühmten Wiener Vorbildern, bis durch das Aufkommen der Militärkapellen eine Rivalität zwischen beiden Instituten herbeigeführt wurde. Jedoch Ludwig II. und Ludwig III. bewahrten Meister Herz unverändert ihre Gunst und wußten in huldvoller Weise zu vermitteln. Die Hofgesellschaft stimmte in ihrer überwiegenden Mehrheit stets für die Mitwirkung des Herrschen Orchesters. Neberhaupt erfreute sich der talentvolle Meister Herz Hachenburger bis zu seinem Tode der Zuneigung seines Fiirsten, welcher auch die tiefreligiöse Anschauung des Künstlers zu achten wußte. Nachfolgende Thatsache, welche heute noch in weiten Kreisen der alteingesessenen Darmstädter kursirt, legt hierfür geradezu rührendes Zeugniß ab. Herz sollte einst auf einem Hofballe spielen, welcher im Schlosse an einem S a ur st a g A b e n d abgehalten werden sollte. Schon waren die erlauchte Gesellschaft, sowie die stattliche Herrsche Kapelle vollzählig versammelt und bereit zum Sviel'der heileren Weisen. Nur der Dirigent, Meister Herz, rührte noch keinen Taktstock, da ihm seine religiöse Gesinnung verbot, am heiligen Ruhetag vor Sonnenuntergang mit der Aufführung zu beginnen. Endlich erschien der Hof. und Großherzog Ludwig 17. wandte sich, die ttbr in der Hand, in seiner jovialen Weise dem Dirigenten zu mit den Worten: »Herz, nun darfst Du anfangen, es stehen bereits drei Sterne am Himmel!* Außer auf Hofbällen wirkte das Herz'sche Quartett häufig bei sonstigen Hoffestlichkeiton und künstlerischen Aufführungen mit. In seiner Festschrift »Darmstadt im Festgewand und Trauerkleid" hat uns Hofbibliotbekar Dr. Bader einen authentischen Bericht über die Mitwirkung von Herz Hachenburger und