Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 57 (18.7.1904)
- Date
- 1904-07-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. atfagt ju M 57 dss sraelii". Wm Slip) mßtt. tornn Alt» fonntr! . . . So lautet der Titel eines französischen Luflspiels, das vor Kurzem die Runde über die westeuropäischen Bühnen machte. Französische Lustspiele und der..Israelit", wie kommt das zusammen? Man geht in den drei Wochen Lberbaupt nicht in's Theater? Gemach, gemach, bester Leser.siehst Du, jetzt wirst Dü doch nothgedrungen weiter lesen, um die Lösung dieses Räthsels zu erfahren. Zuerst wollte ich diesen Artikel en:Bw „Eine Betrachtung zu den drei Wochen" oder so was ähnliches betiteln, da hatte ich aber Angst, daß kein Mensch weiter lesen wird als bis zum Titel. Man hat in den drei Wochen genug Qualen und Kasteiungen; nun gar noch Artikel über sie lesen. Aber französische Lustspiele find etwas anderes, pikantes, kurzweiliges; das geht schon eber. Ich will aber noch ein viel interessanteres Theaterstück zeigen. Ort: Erdball; Zeit: Die letzten 2000 Jahre. Aber kein Lustspiel ist es, sondern eine Tragödie. und die Schauspieler — ein ganzes Volk — sind so an's Theater gewöhnt, daß sie meinen, es wäre Wirklichkeit und können nie aufhoren, nie anders werben, und es kann doch anders werden, denn es war vorher auch schon einmal anders, und was das Komischste ist, den Titel dieses Stückes sprach Gott schon 860 Jahre vor Beginn des Stückes. Ter Titel lautet: „. . . Und ihr werdet alt". cnw Bjirpm pxs er;:m er» *rfr.n '2 r\ *:*j2 srn en'eer de wen ^ce „Wenn Du Kind und Kindeskinder zeugen wirst, und ihr werdet alt in dem Lande, dann werdet ihr entarten und Götterbilder machen jeglicher Gestalt, und werdet thun, was böse ist in den Augen Gottes." Hier die Exposition des Dramas. Was ist der Fluch unserer heutigen Zeit, was ihr Verderben? Sie hat das ..8i jeunesse savait, si vieillesse pouvait“ auf ihre Fahne geschrieben. O, unsere Zeit und sie hält es für den Gipfel der Thorheit, Dinge als Höchstes zu betrachten, die sich nicht sofort greisen, wägen, messen, kosten und genießen lassen. Sie hält es für den Gipse! des Unsinns, sich einen unnützen Ballast von Idealen aufznladen. Sauerstoff, Schwefel, Phosphor, .. . einige sechzig Elemente gibt's. aber keine Spur von Gott. Seele, Unsterblichkeit lassen sich durch irgend welche Analyse Nachweisen. Menschenadel und Mannes würde, sittliche Freiheit und höhere Menschenbestimmung sind auf keiner Retorte zu finden; und Schmach und Spott den vergangenen Jahrhunderten. die sich durch solch' hohle Träumer nachäffen ließen, wir aber, die Alten, die Klugen, die Gescheidten, wollen dafür sorgen, daß solcher Spuk gründlich verschwindet. der nur noch in den warmen Köpfen einiger jugendlicher Schwärmer haust. O wären wir noch einmal jung, hätten wir mit dem alten Kopf den jungen Körper, dann wollten wir durch keine blöden Gewissensskrupel, durch keine blinde Schwärmerei uns irre machen lassm, si zennesse savait si vieillesse pouvait. So spricht der Europäer des zwanzigsten Jahrhunderts. Aebnlich sprach der Jude vor zwanzig Jahrhunderten. Und wenn dieser Wahn der gesammten Menschheit so unsägliches Elend brachte, wenn, je-, mehr der Himmel geleugnet wurde, schon eine hieniedige Hölle sich zeigte, wenn polypengleich die Arme des' Pessimismus und des Lebensüberdrusses immer mehr die Kulturmenschheit umkrallen, dann bedeutete dem Judenthume diese Weltanschauung den Untergana. Reu beginnt jeden Morgen dem Juden die ^elt, Twcx nn cnp-.S rann „neu ist jeden Morgen Deine Treue," jubelt er seinem Gotte entgegen. Der ewig sich erneuernde Mond ist Israels Symbolik, der Aufblick zu ihm '— Kidusch hachaudesch — die erste Mizwo. In ewigem strahlenden Jugendglanze sollte Israel durch der Völker Reihen schreiten, sollte wie die nur vorwärtsstrebenden Engel nie rückwärts blicken. Ein gotttreues, pflichtgetragenes Leben bedarf des Rückblicks nicht. Nur abwärts wandelnde Geschlechter bedürfen des Beispiels verschwundener Größen oder der Mahnung, die sich aus den Folgen väterlicher Irrungen ergibt. Aber einem Menschen und einem Völkerleben, wie es sein soll, kann es gleichgültig fein, was vor ihm geschehen. Unmittelbar und neu, wie das erste Geschlecht, empfängt ein jedes folgende das Horebwort. und hier ist die nie versiegende Quelle seiner Pflichterkenntniß. denn unser Ideal ist ja ein von Gott gegebenes. Wir haben es ja nicht nöthig, uns Ideale zu erschaffen, zu erproben, uns Ideale zu macken, die wir heute umtanzen und morgen angähncn. Unser Entzücken wird ja nicht durch den Reiz der Neuheit bedingt ....gewordene Formen und Normen werden alt, verbraucht und enttäuschend. Unsere Ideale wechseln nicht, es sind dieselben,' welchen das jüdische Volk in bräutlicher Hingebung vor. 4000 Jahren in die Miste gefolgt, und zu denen es heute in der Völkerwüste aufblickt. Aber, darum dovvelt und dreifach Wehe dem Inden, der den Unterschied zwischen den von Gott und den von Menschen gesetzten Idealen vergißt; es krankt die jüd. Nation an ihrem Lebensmark, wenn sie „alt* wird, wenn sie mit greisenhaftem, btasirten Lächeln die