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Der Israelit · 1904-07-14 · Heft 56 (14.7.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 56 (14.7.1904)
Date
1904-07-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1184 entsprechend, wurden am Grabe keine Reden gehalten. Nur der Präsident der Kolonialbank schwur in einigen Worten Treue dem verstorbenen Führer. Er erinnerte an die Devise Herzl's ':\j' rcspn c?spri’ *jrcr» nx. i Er riß die Masten mit sich mit. Sicherlich hat sich auf dem Döblinger Friedhof eine solch' herzergreifende Scene, wir sagen bester herzzerreißende Scenen, abgespielt. Ernste Männer, ergraute Leute, sowie junge, sie alle brachen in Weinen aus. Es war ein Weinen, nicht als ob ein Einzelner zu Grabe getragen worden wäre. Ungefähr 12'/. Uhr war die Feier zu Ende. Es ist festzuhalten, daß die Leute den Friedhof nicht verlosten wollten. Sie konnten, sich von ihrem Führer nicht trennen. Sie konnten es nicht fassen, daß ihr Führer nun in der kalten Erde ruhen müsse. Mögen die Führer, die nun das zionistische Parteiprogramm weiter auszufllhren haben werden, Dr. Herz! sich zum Vorbild nehmen. Denn er liebte daszuLLe uutieu, die mesotes. Er wußte den Ton so anzuschlagen, daß sich keine der extremen Anschauungen im Zionismus in den Schmollwinkel zu begeben brauchte. Er hatte das Zeug in sich, Volksführer zu werden, nicht allein Parteimann zu sein. Herzl's Angedenken wird im jüdischen Volke fortleben nicht nur bei denen, die in ihm den Parteimann sehen, sondern auch bei denjenigen, die dem zionistischen Programme aus irgendwelchem Grunde nicht beipflichten konnten oder wollten. Die für den 8. d. M. geplante Trauerkundgebung im großen Musikvereinssaale wurde auf heute, den 10. Juli, 10 Uhr Vormittags, verschoben. Man hört und liest so oft von „imposanten" Trauerkundgebungen, so daß dieses Wort vollständig verbraucht ist. Diese Feier war aber in ihrem ganzen Verlaufe imposant. Vor Uhr standen Hunderte von Menschen auf der Gaffe und begehrten Einlaß. Als die Thore geöffnet wurden, hatte die Wache ein gutes Stück Arbeit, die heranstürmende Menschenmenge zurückzuhallen, damit kein Unglück geschehe. Dies war aber nur für die ersten Augenblicke, dann ging alles schon in'Ruhe ab. Bis 10 Uhr war nahezu all?s besetzt. Man sah auch da die vornehmsten Kreise Wiens. Man sah aber auch hier das trauernde jüdische Volk. Man hatte den Eindruck, wer nicht beim Leichenbegängnisse war. wollte auf diese Weise einen Akt der Pietät an Theodor. Herz! üben. Es herrschte dieselbe gedrückte Stimmung, wie an dem Tage der Trauerbotschaft, wie an dem Tage des Begräbnisses. Eine Menschenmenge von 5.000 Menschen fand sich ein. um an dieser Feier iheilzunehmen. Eingeleitet wurde dieselbe mit der Recitirung eines Psalmes. Die Trauerrede wurde von Rabb. Dr. David Feuchtwang, bekanntlich ein Gegner des Zionismus, gehakten. mes nnx '2 v nrcx xb '.nobr» „Verstummen mochte ich, nicht öffnen meinen Mund, denn Dü hast es gethan." Diese Worte, werthe Glaubensgenossen, drangen sich mir auf die Lippen in dieser tiefernsten Stunde. Umsomehr, als der Ruf kaum eine Stunde vorher von Ihrer Seite an mich ergangen, dem Schmerze, der uns alle ob des Heimganges Dr. Theodor Herzl's durchwühlt, Ausdruck zu verleihen. „Ich höre unten eine Stimme ertönen, es ist die Stimme Jeremia's, es ist die Stimme Gottes! '"tx *pw "icr i? ’jrct ’jtjo rippt -ptn rurnr vb pio tgidg „Gehe hin, gehe hin, rufe vor den Thoren Jerusalems: Ich gedenke dir deine Liebe in der Jugendzeit, als du mir nachfolgtest in der Wüste in unbesätes Land." Gestern haben wir ein merkwürdiges Ereigniß in der Sidra gelesen. Rüben, Gad und ein Theil Menasches hatte fette Triften diesseits des-Jordans. Sie wollten mit ihren Brüdern nicht in den Kampf ziehen. Sie wollten diesseits des Jordans in ihren Ortschaften -17-1 pci nnep bleiben. Der Führer Mose rief ihnen aber zu: „Eure Brüder ziehen in den Kampf und Ihr wolltet hier ruhig bleiben? Nicht also thuet, sondern kämpfet mit und für Eure Brüder, dann kehret zurück, dann, nur dann steht Ihr rein da vor Gott und dem Ewigen." Kein herrlicheres Lob können wir einem Menschen spenden, als daß wir sagen: er steht rein vor Gott, kein größerer Ruhm gibt es für einen jüdischen Mann und Führer, wie rein vor Israel zu sein. Unser Herz! hat seinen Brüdern seine mahnende Stimme ertönen lassen. Es gibt unter uns Rüben, Gad und Menasche, die nicht mitthun wollen, die sich hier wohl fühlen. die sich nicht kümmern um die Kämpfe, die ihre Brüder auszukämpfen haben. Sie wollen nur nnvn *njn pin Ein alter Erklärer nimmt diese drei Ortsnamen als Bezeichnung für Kronen, Prachtgewänder und Heidenpriester. O, viele sind es, die nach Adelspatenten, nach Orden geizen, o. viele sind es. die sich den sie umgebenden Völkern anschließen und dafür als Priester auftreten. Wahrlich, Herz! rief ihnen zu: „Handelt so, daß Ihr sagen könnt Q"pa an*m bxiV-ct * Ich sehe Schaaren, die alle zerbrochen, geknickt sind, sie alle strömen einher von allen Seiten, sie olle haben kein Gut, keine Habe, sie haben keine Hoffnung mehr. Aber auch wir gaben die Hoffnung auf.! Er gab uns uns selbst wieder. Herzl wäre groß genug. | wenn er uns den Glauben an uns wiedergegeben. Als! die Freiheit uns entgegen strömte, da war sie uns ein Jordanfluß. so manche wollten diesseits bleiben, nur ] manche wollten sich rein erhalten vor Gott und Israel. Aber unser Herzl. der *to 'pj geblieben, er fand Liebe bei Allen, Achtung und Anerkennung. Das dem citirten Vibelverse angefügte Citat, das der Midrasch hier erwähnt, ist für Herzl gemünzt n 'm }n raut o*t*r. Wer zählt die Thränen, die um ihn vergossen worden, wer kann den Schmerz der Hunderttausende ' um den edlen Mann erfassen. Tief ergriffen lasen wir in dem Vermächtnisse: Lasset mich bei meinem Vater

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