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Der Israelit · 1904-07-14 · Heft 56 (14.7.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 56 (14.7.1904)
Date
1904-07-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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gesprochen habe, geschah auf Ihren ausdrücklichen Wunsch; ich denke so handelt kein Seelenfänger; was meinen Sie?" Der junge Mann ergriff die Hände des greise» Berathers und richtete seine treuen Augen mit solcher Innigkeit auf ihn, daß es fast nicht der Worte bedurft hätte, die er dann folgen ließ: „Verzeiht, väterlicher Freund, einem unerfahrenen, thörichten Knaben sein voreiliges Urtheilen und Veruriheilen. Ich lohne Euch Eure hingebende Treue schlecht, es wird kein so schwarzer Verdacht mehr meine Seele beflecken und Euch damit betrüben. Laßt mich meine Thorheit nicht entgelten und sprecht und erzählt weiter. Jedes Eurer Worte schließt mir eine neue Welt auf, deren lichter Glanz meine geblendeten Augen noch nicht zu ertragen vermögen. Ich legte unseren Matzstab an Euch an, ich habe ja keinen anderen.. Bei uns hält man es für eine verdienstliche Gutthat, Seelen zu fangen; hat man bei den Juden keine Mission, leine Missionäre?" ..Nein. das haben wir nicht," erwiderte Hirsch Poppenheim. „Ereifern Sie sich übrigens nicht, junger Freund. Ich bin weit davon entfernt. Ihre Bemerkungen und selbst Ihr Mißtrauen Ihnen zu verübeln. Es müßte ja wunderbar zugehen, wenn es anders wäre. Ich will Ihnen daher weiter Rede und Antwort stehen." Der Jüngling dankte durch einen stummen Händedruck und Pappenheim fuhr fort, indem sich in sein Lächeln eine gewisse Bitterkeit mischte: „Ich bin kein gelehrter Mann, wenn ich auch die Geschichte von Josef weiß und vom jüdischen Kalender mir etwas bekannt ist. Das wissen bei uns Juden die Kinder und die letzte, ärmste Frau, die allein auf einem Dorfe wohnt. Das wird eigentlich gar nicht unterrichtet, so wenig wie Essen, Trinken und Schlafen unterrichtet wird. Es liegt in der Lust." „Ist denn den Juden nicht, wie uns, von ihrer Geistlichkeit verboten, die Bibel zu lesen?" warf der unermüdliche Frager hin. „Nein, verehrter Herr Josef," entgegnete der Gefragte, „das ist uns nicht verboten. Das ist uns sogar geboten, ja es ist das höchste Gebot, das allen anderen Pflichten an Bedeutsamkeit überlegen ist. Wir haben auch keine Geistlichkeit, wie sie das Christenthum besitzt, auch Theologen haben wir nicht, wie ich zu Ihrer Beruhigung hlnzufugen will, weil Ihnen das am besten die Befürchtung nehmen wird, als sei ich ein verkappter. Wir haben große Gelehrte, welche es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, ihre Gelehrsamkeit nicht für sich zu behalten, sondern sie möglichst in allen Schichten ihres Volkes zu verbreiten. Zu diesem Zwecke sammelt jeder Rabbiner einen Kreis von Jünglingen, um dieselben in unser heiliges Schriftthum einzuführen. Es geschieht dies in besonderen Lehranstalten, die man Jeschiba nennt. Wer sein Kind zu einem jüdisch gebildeten Menschen macken will, läßt es diese Lehranstalten besuchen. Der Reiche und der Arme, der Hoch- und Niedergestellte, alle erkennen es als ihren ersten und letzten Lebenszweck, sich auf diese Weise Geist und Herz zu bilden. Auch wer einst Handelsmann. Handwerker, Banquier und was auch immer werden soll; einige Jahre besucht er wenigstens die Jeschiba. So hat auch mein seliger Vater mich als Jüngling die Talmud- Hochschule eines berühmten Gelehrten einige Jahre besuchen lassen. Dort habe ich den Grund zu dem Wissen gelegt, auf Grund dessen Sie geneigt sind, mich für einen Gelehrten zu halten, was ich aber in Wirklichkeit nicht bin. wenigens nicht mehr, als es durchschnittlich fast alle Juden sind." (Fortsetzung folgt.) Der „JSraeltt* erscheint ^Lvkentllok, zweimal, 53ontags und Donnerstag«. tedeSmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen au. — Dev Tuchhandel vrrkrhrl durch V. A Skrrnackrv, Leipzig, Rotzplatz J8. — Inserate 25 Pfennig die vlcrqcspalteve Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Strnfiand pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 8932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende „Kleine Ausgabe deS Zöeaelit* vier Wochen lang gratis und franco erhallen. Wünscht man dm Empfang der „Kleinm AuSaabe* längere Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr.3933 abonniren Auf Wunsch stunden wir dte Zahlung deS JnsertionSbetragS au außer Stelle Vestudttche bis «ach Erlangung einer solche«. Snüalt (ÄaaJjtDIait): Die Tage der Ahndung und Vergeltung. — Zeitungsnachrichten und Corretpondenzen: Deutschland: Mainz. Aschaffenburg. Neichenhall. MemmclLdorf. Ungarn: Budapest. Holland: Amsterdam. Frankreich: Paris. England: London. Amerika: St. Louis. — Jeuilleton: Eine vereitelte Hochzeit. Andatt drr LrNc^e: Zeitungsnachrichten und Correwondenien: Oesterreich: Wien. OrllrtrllU'^r Aus dem Kunitleben der hessischen Residenz am Anfang devorige« Jahrhunderts. OäSassLU^r £)c’.:~e: Ter hebräische Unterricht m den Berliner Gemeindeschulen. Verantwortliche Lledaction: OSrar Lehman« ln Mainz. — Expedition deS ^LSraeiit". Cchottstrahe Rr 2, Mainz. Druck und Verlag der St old. Wirthlchen Hosduchdruckerei Actlen-GeleMLE in Main-. Hierzu drei Beilage«.

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