Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1904)
- Date
- 1904-07-07
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1154 uns gemachten Vorschläge, besonders die aus eine Veränderung in der Organisation der Landessynode bezüglichen, von heute auf morgen zu verwirklichen. Wir hegen aber die zuversichtliche Hoffnung, daß der Gr. Oberrath die Berechtigung unserer Wünsche anerkennen und die nothwendigen Maßregeln treffen wird, um ihre Erfüllung anzubahnen. Uns leitet bei unseren Bestrebungen lediglich die Absicht, dem Wohle der Gesammtheit zu dienen, und auch die Gründung unseres Vereins ist ans diesem Streben hervorgegangen. Die Erscheinungen, welche der Plan der Aenorrung des Gebetbuches hervortreten ließ, zeigten uns. welche Gefahren die dominirende Stellung des Reformjudenthums für das gesetzestreue Judenthum in sich birgt, und wer wollte es uns verdenken, wenn wir uns zusammenschließen. um unsere Ueberzeugung zu vertheidigen, um das Erbtheil unserer Väter, das uns heilig ist, unversehrt zu erhalten und auf unsere Kinder zu vererben? Wenn wir uns dabei zuerst an die Oeffentlichleit wandten, so waren wir eben dazu gezwungen, weil wir an den maßgebenden Stellen gar nicht oder unzureichend vertreten sind: wir mußten also zuerst ein Organ schaffen, um uns an die Behörden wenden zu können. Aber jede Absicht,. Unfrieden zu stiften oder die gedeihliche Entwicklung der Landessynagoge zu stören, liegt uns fern. Wir verlangen unser Recht, innerhalb der Landessynagoge, und wir wünschen nichts sehnlicher, als daß wir durch die Gewährung dieses Rechts in den Stand gesetzt werden, alle Opposition auszugeben und die Behörden in dem Bestreben, das religiöse Leben auf allen Gebieten zu fördern, mit allen unseren Kräften unterstützen zu können. Der Verein zur Wahrung der Interessen des gesehestreuen Judenthums in Baden. Der Vorstand. Zeitungsnachrichten und Correspsndenzen. Deutschland. Hameln, 6. Juli. Am 26. Juni wurde hier unter Betheiligung der städtischen Behörden die Feier des 25jährigen Bestehens der Synagoge begangen. Morgens wurde ein Gottesdienst abgehalten und Nachmittags fand auf Drehers Berggarten ein Festessen statt. Nach Begrüßung der Gäste durch den ersten Vorsteher der Gemeinde. Herrn Michaelis, der schon vor 25 Jahren in gleicher Eigenschaft thätig war. folgte - der durch Herrn Lehrer Bachrach ausgebrachte und begeistert aufgenommene Kaisertoast. Aus der sich hieran schließenden Rede des Herrn Stadtsyndikus S e st ü r n e r sei der Theil besonders erwähnt. in der er die Versicherung abgab. daß die städtischen Behörden auch fernerhin darauf bedacht sein würden, den konfessionellen Frieden zu wahren. Frankreich. Paris, 3. Juli. Es ist wirklich unbegreiflich, zu welch lächerlichen Behauptungen und ganz haltlosen Verdächtigungen der Haß führen kann. Kennen Sie den Grund des ruffisch-japanischen Krieges? Herr Drumont giebt sich die Mühe, heute seine Leser in philosophisch sein sollender Weise darüber aufzuklären. Japan sei zum gegenwärtigen, für Frankreichs Verbündete so unglücklichen Kriege, von den Amerikanern getrieben worden. In jeder amerikanischen Stadt gebe es sehr viele russische Juden, die einen großen Theil der Landespresse in den Händen haben. Rach den Vorgängen von Kischinew hättr» nun diese amerikanischen aus Rußland stammenden Juden sich am Zarenreich rächen wollen, die öffentliche Meinung gegen Rußland aufgeheht und Japan zum Kriege getrieben. Die Juden allein seien also nach Herrn Drumont für den Krieg verantwortlich zu machen. Und er schließt mit einer mehr oder minder aufrichtigen Entrüstung: »Es ist schrecklich! Für einige Juden, die in Kischinew für Ihr Stehlen und Schachern die wohlverdiente Strafe erhalten haben, müssen jetzt Hunderttausende von Mensckien bluten!" — Wie. Herr Drumont. Sie haben den Muth, Ihre weißen Haare zu entehren und derartigen Blödsinn zu schreiben und zu wiederholen. Sie wissen nicht, daß das Ideal des jüdischen Volkes, das Ideal der Propheten, Friede und Eintracht ist. Bei einem systematischen Judenfeinde ist diese Unwissenheit zu entschuldigen. Aber Sie wagen es. die Kischinewer Märtyrer, diese armen Opfer brutaler und blutrünstiger Trunkenbolde. Sie wagen es. diese Wesen, deren Andenken jedem gefühlvollen Menschen ohne Ausnahme heilig sein muß, in einfach himmelschreiender und unerhörter Weise zu verleumden! Geben Sie sich überhaupt Rechenschaft ab von der Ungeheuerlichkeit dieses Treibens? Sie sprechen fortwährend von jüdischer Allmacht und jüdischem Reichthum, wahrend Sie in Paris selbst — im Jndenviertel (in der Nähe der Bastille) — eine Unmasse von Elend, Jammer. Hunger und Thronen sehen können. Lassen sich. Herr Drumont. Ihre Vorgänge anders erklären, als durch eine mala fides allerersten Ranges? Die Kischinewer Opfer — die Ursache des Krieges! Einer Ihrer Landsleute, ein begeisterter Freiheitskämpfer und Freiheitssanger. hat diese eines Anthropophagen würdige Auffassung in folgenden Worten geschildert: O’est nons — je rons Je dis — Nous les assassines qui sommes les bandits! Pi.