Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 52 (30.6.1904)
- Date
- 1904-06-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jahrgang. ~ M SS. Eenlrat-Hrgan für das orthodoXe IudenLhum K» Drhmsnn i« Oortnf. Donnerstag, den At Äge i»n AH»!>W unB ZWltiG Aum 17. Thamus. Bon Dr. Hermann Klein. Mainz, im Thamus. Fünf Unglücksfälle trafen das jüdische Volk am siebzehnien Thamus, erzählen uns unsere Weisen. Diese Unglücksfälle haben ihre Ursache in den verschiedenen Abfallsartcn des jüdischen Volkes, die Gott in Seiner Gerechtigkeit und Seiner liebenden Strenge geahndet. Kaum war das jüdische Volk frei, die letzten Akkorde der Erlösungssymphonie waren noch nicht verklungen, da ward das jüdische Volk seinem Erretter untreu und die Tafeln, die dem jüdischen Volke die wirkliche Freiheit bringen sollten, entsanken den Händen des Führers. iwiAn rcsnw rena npara. Das jüdische Volk war in eigenem Lande, der Schuh Gottes waltete sichtlich über seinen Unternehmungen, die Gottgeoffenbarte Lehre zog eine Mauer um dasselbe und adelte ein jedes noch so profane Unternehmen; sie hob alles Irdische in den Kreis des Göttlichen, alles Vergängliche in den Bereich des Ewigen und Unvergänglichen, denn sie ist ja das Beharrende im ewigen Wechsel, das Konstante in der ewigen Veränderung, das Bleibende im ewigen Fluß der Dinge, das Sein im ewigen Werden — und Israel opferte diese seine Lehre, oa ward die Thora ein Raub der Flammen onm ra o®bd»r rp» renn ipy oyapa. Israel verlernte reinen Herzens zu opfern, es vergaß, daß run ans ro® vzv das jnc» allein dem Opfer seinen wahren Werth und seine wahre Weihe gibt, daß vom Opfer nur der eS begleitende Gedanke des Gehorchens gut ist 17. Thamus 5664. 30. Juni 1004.__ und auch die Opfer hörten auf. ^>oa rena irv runpa Tenn Israel, dem Gott Wohlstand und irdisches Glück verliehen, erkannte nicht den Spender dieser Wohlthaten und dieser sein Wohlstand ward zu seinem Verderben. Er verlieh dem Volke Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen, sie verehrten in sich selbst die Urheber ihres Glückes, sie wurden zu ihren'eigenen Götzen -t- und ein Götze ward in den Tempel, in die Sammelstätte jüdischen Geistes- und Gesetzeslebens gestellt, ba'na ob* -iojwt nona tpy /ipapa Israel sehnte sich hinaus aus seinen Mauern, die Stadt ward ihm zu enge, es wollte mit anderen Völkern sich mengen, theilnehmen an ihrem Geistesleben und die Mauern wurden geschleift, es wurde Bresche gelegt in die schützenden Mauern und das Volk ward hinausgeschleudert unter die Völker.- i'vn nypan rona nvy 79393 Und alljährlich, wenn die heißen Thamustage kommen und mit ihnen die schmerzlichen Erinnerungen, wenn die Schatten der Vorzeit uns heimsuchen und wir uns in die Schreckensszenen der Thamustage versenken, wenn wir die gramdurchwühlten Gesichter . unserer Ahnen vor unseren geistigen Augen auftauchen sehen und wir mit ihnen die Trümmer unserer einstigen Größe besichtigen, die Ruinen unserer Herrlichkeiten, da drängt sich uns die Frage auf: Warum sind wir, die Gott besonders erwählt, so unendlich tief gesunken? Warum sind gerade wir. die Träger des GottesnamenS und der Gotteslehre so unglücklich geworden? Auf dem Trümnierfelde, das wir im Geiste be-. suchten, bemerkten wir einen Greis, der mit thrcinenumflorten Augen auf die Trümmer niederblickt, der mit krampfhaft gefalteten Händen auf die eingeäscherte Stadt schaut und wir haben den Eindruck, als ob dieser Mann uns Antwort ertheilen könnte auf die bangen Fragen, die unser Innerstes bewegen und aufwühlen. Es ist dies der Prophet Jeremias, der Zeuge der großen Katastrophe,, der tausendfältig allen Schmerz und allen. Jammer fühlt, der gleichsam das Herz des jüdischen