Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 51 (27.6.1904)
- Date
- 1904-06-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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einem Glückwunschschreiben, worin die Verdienste erwähnt waren, d« sich der Jubilar als tüchtiger Schulmann und als Gründer und Präsident des Pensionsfonds für israelitische Lehrer und Kantoren in Baden erworben hatte. Herr Rabbiner Dr. Pinkuß-Heidei - berg übersandte ein herzlich gehaltenes Anerkennungsschreiben, die besten Wünsche für einen glücklichen Lebensabend noch anfugend. Die israelitische Gemeinde Reilingen nahm durch ihre Vertreter freudige Veranlaffung, ihren schon oft durch erkenntliche Aufmerksamkeiten bedachten Beamten mit einem schonen Silbergeschenk zu erfreuen. Tiefbewegt dankte der Jubilar für die Ehrung; er freue sich, daß seine berufliche Thätigkeit und das Wirken für den Lehrerstand anerkannt wird. Bei dem darauf folgenden gemüthlichen Zusammensein, wobei die Familie Heimberger eine gute Bewirthung erfolgen ließ, wurden noch herzliche Worte gewechselt von dem Vorstande der dortigen Gemeinde und den Lehrern zum Wohle der Familie. Mit den beiten Eindrücken verlief das Fest für den Geehrten der Ehrenden. Äm Geburtstage selbst wurden Herrn Heimberaer zahlreiche Beweise der Liebe und Freundschaft gebracht. Im Aufträge des Großh. Oberraths der Israeliten überbrachte Herr Rabbiner Dr. Pinkuß persönlich ein Gratulatüms'chreii.'en und ein Geldgeschenk von hundert Mark. Ungarn. Budapest. Das liberale „Extrablatt" schreibt unter der Spitzmarke: „Der jüdische Magnat" in seiner Ausgabe vom 8. Juni: „Kein Mensch hat eine Ahnung davon, wie viel und mannigfach die Schmerzen sind, von welchen die arme Menschheit geplagt werden. Oft erlangt man von solchen erst dann Kenntnitz. wenn irgend eine Versammlung abgehalieu wird, und ein besonders gescheitster Kopf den Versammelten die Offenbarung macht, wo der Schuh sie eigentlich drücke. Eine solche Offenbarung hat sich auch dieser Tage in der Versammlung der israelitischen Distriktspräsidenten vollzogen. Ein großer Theil der Zeitungsleser hat gewiß nicht einmal eine Ahnung, was so ein Distriktspräsident eigentlich ist; aber das macht nichts, man braucht sich dessen nicht zu schämen, diese Unwissenheit stempelt Niemanden zu einem Ignoranten und man verliert auch nichts, wenn man all sein Lebenlang es nicht erfährt. Wir lassen uns daher in keine umständliche Erklärung ein und konstatiren einfach, daß die Versammlung der israelitischen Distriktspräsidenten siattgefunden und eine^ Deputation derselben beim Ministerpräsidenten und Kultüsminister vorgesprochen hat. bei welcher Gelegenheit es offenkundig wurde, was der ungarischen Judenschaft zur vollen Glückseligkeit fehle. Der ungarischen Judenschaft? Ach nein! Kultusminister Berzeviczy war so matt- - tiös, die Deputation darauf aufmerksam zu machen» daß sie sammt ihrer Austraggeberin nur einen Theil, die sogenannten Neologen vertreten und daß ihre Schmerzen nicht auch die Schmerzen der Orthodoxen' sind. Ja, die Letzteren sind so eigensinnig, von Allem, was die Ersteren wünschen, das gerade Gegentheil zu wollen und eine Brücke von der einen Partei zu fcet andern ist bislang noch nicht geschlagen. Was ist es aber, was die Deputation eigentlich zü den Ministern geführt hat? Die Vertretung im Magnatenhause! Den Herren genügen Karl Schwab, Sigmund Kornfeld, Franz Chorin und Sigmund Brody nicht.' Das sind nur Zufalls-Magnaten, während sie einen Muß-Magnaten haben wollen, einen solchen, der entweder vermöge seiner Stellung, oder durch Betrauung zu dieser Würde gelangt. Eine Würde, denn um etwas Anderes handelt es sich nicht, da dieser Muß-Magnat gewiß kein Wässerchen trüben und auch das Kraut nicht fett machen wird. Oder verstehen wir die Herren schlecht? Handelt es sich im Grunde um etwas Anderes? Etwa um die Kreiirung der Stelle eines Landes-Oberrabbinats? Nun, dafür wird sich die ungarische Judenschaft schönstens bedanken. Die neologische und die orthodoxe in gleicher Weise. Ein jüdischer Papst, oder „Fürst-Primas" wäre nicht blos das überflüssigste, sondern sogar das unangenehmste Ding der Welt. Tie freie Beweglichkeit, die derzeit bei der jüdischen Konfession in Ungarn herrscht, ist nicht der schlechteste Theil der Güter, die sie benützt; Jeder kann jetzt nach seiner Fa<;on selig werden, ohne aus dem Verbände der Konfession treten zu müssen, in dem Momente aber, wo eine straffe, konfessionelle Organisation in's Leben tritt, ist's um diese Freiheit geschehen, und man kann dessen sicher sein, daß sich sehr bald eine dritte Schattirung, vielleicht sogar eine dritte Konfession, die Konfession der Konfessionslosen herausbilden würde. Daß dies die Kraft der ungarischen Juden-nicht erhöhen würde, ist selbstverständlich und deßhalb unterlasse man alle Experimente, die eher Zwietracht, als Einigkeit Hervorrufen können und verschone uns auch mit einem jüdischen — Muß-Magnaten." Frankreich. Paris, 19. Juni. Das ganze republikanische Frankreich feiert heute die silberne Hochzeit des. obligatorischen Elementarunterrichts. Herr Loübet und der Minister des Volksunterrichts sprechen in . diesem Augenblicke über die hochbedeutenden und toohlthüendcn Folgen dieser wichtigen Reform. Auch wir haben die Pflicht, uns der Freude Frankreichs anzuschließen. Es ist für uns einfach ein Gebot der Dankbarkeit und der Aufrichtigkeit. Der vom Staate ertheilte streng