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Der Israelit · 1904-06-23 · Heft 50 (23.6.1904) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 50 (23.6.1904)
Date
1904-06-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1050 über die Schrift Naumanns, „Briefe über Religion", folgen nunmehr zum Schluß die eingehenden Darlegungen des Knll. Kopfstein über die neugeschaffene Gesammtorganisation der deutschen Juden und ^ie Stellungnahme des deutschen Rabbinerverbands zu demselben. Goldberg, 21. Juni. Auf dem schlesischen Fleischertag betraf auch ein Punkt der Tagesordnung die Schächtgebühr. Stadtrath Frystatzki - Pleß ist der Ansicht, daß bei der heutigen ausgiebigen Fleischschau das Schächten überhaupt keine Nothwendigkeit mehr sei!!! Wenn aber aus Ritualzwecken dies durchaus geschehen soll, so möge auch jede jüdische Gemeinde die Kosten selbst tragen. Der Bezirkstag nahm eine Resolution in diesem Sinne an. England. London. (Die Ansiedlung von Juden in O sta fri k a.) Im Unterhause sprach dieser Tage der Abgeordnete Cathcart W a s o n gegen das Projekt einer zionistischen Niederlassung in Ostafrika. Er fürchte, daß die Durchführung dieses Planes Unruhen Hervorrufen werde und tadelte das Auswärtige Amt, weil es versäumt habe, dem Hause über diesen Punkt nähere Aufklärung zu geben. Die Bevölkerung des Landes, behauptete der Redenr, sei im höchsten Grade erregt über den Gedanken, daß das Land an russische und rumänische Juden ausgeliefert werden solle. Die Folge werde wahrscheinlich ein Aufstand der Eingeborenen sein. Keine englische sich selbst regierende Kolonie würde jemals die Errichtung einer Niederlassung von Leuten dulden, die weder die englische Sprache noch die der Eingeborenen verständen. Major Evans-Gopdon erklärte, daß vorläufig diese ganze Niederlassungsfrage noch sehr schattenhaft sei. Der Baseler Zionistenkongreß habe anerkannt, daß das Erbieten der englischen Regierung außerordentlich großmüthig sei, aber ein Theil des Kongresses sei der Ansicht gewesen, eine Ansiedlung in Ostafrika werde von dem wahren Ziele der Zionisten, der Niederlassung in Palästina, ablenken. Trotzdem sei man übereingekommen, an Ort und Stelle zu untersuchen, in wie weit die Idee einer Ansiedlung durchführbar sei, die Schwierigkeiten seien jedoch so große, daß es als fraglich bezeichnet werden müsse, ob auch nur eine einzige jüdische Familie wirklich die Ansiedlung versuchen werde. In dieser Frage eine Bedrohung des englischen Weltreiches zu erblicken, sei einfach lächerlich. Earl Percy, der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amts, erklärte, -bte Annahme, daß England Staatsgebiet an die jüdische Nation abtreten wolle, sei vollständig irrig, es habe sich immer nur um die Frage einer Landverpachtung gehandelt. Der Antrag Wasons, sich über diese Frage als Zeichen der Mißbilligung zu vertagen — wurde natürlich abgelehnt. Rußland. Petersburg. Die Berufungen im Kischinewer Prozeß gegen das Urtbeil der Odessaer Strafkammer wurden vom Senat in Petersburg verworfen. Die Verhandlung nahm einen stürmischen Verlauf. Der Vorsitzende. Senator Repinsli. provocirte so heftige Konflikte mit den Vertretern der Civilkläger, daß zwei von ihnen, die Rechtsanwälte Karabtschewski und Sarudni, ihre Vollmachten niederlegten und sich aus dem Gerichtssaal entfernten. vermischtes. Hürde in Westfalen. 15. Juni. Ir der 44. Hauptversammlung des isr. Frauenvereins wurden als Vorstandsmitglieder Frau Koppel und Frau M ölle rich nnd als Schriftführer Kaufmann Strauß wiedergewählt. Neu trat für die hier verzogene Frau Kohlt, Frau H e r t o g in den Vorstand ein. Mülhausen (Elsaß). Den wenigen Conservativen in unserer Gemeinde ist es bei der jüngsten Neuwahl der Gemeindcvertreter gelungen, einen Mann durbzubringen. dessen Einfluß wir verdanken, daß das Koscherfleisch unter wrtrauenswürdiger Aufsicht steht und wir nicht mehr, wie bisher, unfern Fleischbedarf von Aufwärts decken müssen. London. Ein aus reichen Juden bestehendes Komitee hat 5 Millionen Mark zusammengebracht, uw im Bez'rke Enfield für jüd. Arbeiter gesunde Wohnhäuser und Werkstätten zu erbauen. Man will h'er zunächst für 1000 Familien Platz schaffen, dann aber auch in andere Stadttheile gehen und mit einem Aufwand von insgesammt 20 Millionen Mark den Inden des Ostens menschenwürdige Unterkunft schaffen. Budweis, 20. Juni. (Freisprechung.) Der von czcchisch-antiscmitischcr Seite angestrengte Prozeß gegen den gewesenen Budweiser Brauinspektor Neugebauer endete mit einstimmigem Freispruch. Briefkasten der Redaetion. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß bezüglich des Kaschrus der Restaurationen in S p a (Belgien) vor Benutzung derselben doch e,st cmgehende Information an maßgebender Stelle einzuholen sei. 21m F.: Die von unserem Mitarbeiter Herrn Raph. Breuer cttirten Worte: „Am 10. Teweth ist das Land erobert worden, um sein verlorenes Land trauert der orthodoxe Jude nicht, am 17. Tamus ist die Stadt erobert worden, um die verlorene Stadt trauert der orthodoxe Jude nicht, am 9. Aw ging der Tempel in Flammen auf, darum um sein zerstörtes Gesetzesheiligtbum trauert der orthodoxe Jude', finden sich in S. R. Hirsch'- Ges. Schriften S. 128. Es ist wirklich gelungen, daß die Zionisten, die Rabbiner Hirsch s. A. mit aller Gewalt zu einem der Ihrigen machen möchten, sich über einen seiner Aussprüche lustig machen, wie dies in Nr. 23 der „Welt" geschieht. Dem Ansehen Rabbiner Hirschs thut dies keinen Abbruch. B. in <£- : Herr Rabbiner Dr. Em. Carlebach au- SDiCmcI, der ncugcwählte Direktor des Kölner Seminars hat seine rabbinische Ausbildung an der unter der Leitung deS Herrn Rabb. Dr. Breuer stehenden .Jelchiwah« zu Frank, fint o. M. genossen.

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