Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1904)
- Date
- 1904-06-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jahrgang. M'm. Ll» KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründer von l>*. rrhmkttrrr in V%ulu$. Donnerstag, den (0. Tharnus 5664. LS. Sunt 1904. * Da mit dem 1. Juli 1904 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir unS, die ge- _ . ehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post daS Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1904 eingetragen unter Nr. 3932. Neu ein'retende Abonnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten daS Blatt bis Ende dieses.MonatS gratis. schachmatt dem Drgeljudenchum! (Schluß.) K ö l n. 21. Juni. ß Ucber die Orgel in der Synagoge gibt's bereits eine ganze Litteratur. Aber die Schrift des Herrn Professor Berliner gewährt uns einen instruktiven Einblick in die Genesis und Entwickelung dieser verhängnißvollen Neuerung von ihrem Anfang bis in die allerneueste Zeit. Die Art und Weise, wie man vor bald hundert Jahren die Orgel begründet und bekämpft hat und wie es heute geschieht, unterscheidet sich sehr charakteristisch. Als das Reformjudenthum noch in den Kinderschuhen steckte, glaubten selbst seine Partisane, man bewege sich mit Einführung der christlichen Orgel in die jüdische Synagoge zunächst auf zweifellos religionsgesetzlichem Boden. Das jüdische Religionsgesetz müsse daher in erster Reihe gehört werden. Deßhalb hatte man Gutachten zu Gunsten der Orgel zu erschleichen und zu fälschen gesucht, die dann in dem von dem Hamburger Bes Din herausgegebenen Sammelwerke rrzn V21 nbx 1818 widerlegt wurden. Wenn wir erwähnen, daß unter den Berurtheilern der Orgel sich hier Männer, wie Rabbi Aliba Eger, R. Moscheh Sofer, R. Mordechai Benet und R. Jacob Lissa, finden, die alle über die Einführung dieser Neuerung einstimmig den Stab brechen, so ist es erklärlich, daß es für den orthodoxen Juden seitdem eine Orgelfrage nicht mehr gibt. Um so geflissentlicher waren die treibenden Elemente neuerungssüchtiger Gemeinden bestrebt, die an I und für sich klare Sachlage zu triiben. Bei jeder neuen Einführung eines Orgelkultus eriveckten sie den Schein, als stände man einer Frage gegenüber, in welcher die maßgebenden Vertreter des Religionsgesetzes verschiedener Meinung seien, als existire eine Orgelfrage, in der die Gelehrten noch nicht das entscheidende Wort gesprochen und in der man sich daher für die eine oder andere Seite erklären könne. Im Laufe der Jahre fanden sich denn auch Rabbiner und sogen. Rabbinerversammlungen, denen nicht das Gesetz der Thora, sondern die Schrullen und Launen ihrer Vorsteher maßgebend waren. Jede neue Orgel fand mit der Zeit einen noch neueren Rabbiner, der sein Amen.und Placet über sie sprach und sie nicht nur nicht für verboten, sondern sogar für heilig erklärte. Dadurch waren auch die redlichen, auf dem Boden des historischen Judenthums stehenden Rabbiner, welche diesem Gebühren entgegen treten wollten genöthigt, ihre Taktik zu ändern und wie die Gegner den Schwerpunkt nicht auf den religionsgesetzlichen Charakter der Frage, sondern auf die Momente zu legen, die inan neuerdings in's Treffen zu führen beliebt hatte. Die vorliegende Schrift leitet daher sehr wirkungsvoll mit einer Abhandlung des Rabbiner Dr. A. Ackermann in Brandenburg a. H. ein, in der die neuerdings für die Orgel geltend gemachten Gründe mit Waffen der Wahrheit und Aufrichtigkeit ganz vorzüg- . lich bekämpft werden. — Die Arbeit ist durch den Vorschlag des Berliner Gemeindevorstandes veranlaßt worden, der in der neuerbauten Synagoge, Rykestraße, einen Kultus mit Orgel einführen wollte, was aber von den Repräsentanten abgelehnt wurde. Natürlich hat