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Der Israelit · 1904-06-20 · Heft 49 (20.6.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 49 (20.6.1904)
Date
1904-06-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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45. Jahrgang. JK 49, er IsMKlT Ein ßentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von l>r. Xrljmtatm in Montag, den 7. Tharrrits 5664. 26. Juni 1964. Da mit dem 1. Juli 1904 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir unS, die ge- _ ehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post daS Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1904 eingetragen unter Nr. 3932. Neu ein:retende Abonnenten (Postabounenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis. Da Wch»tt fSm will Her Umsums. Von Dr. Hermann Klein. Mainz, im Juni. Bevor ich auf mein Thema eingehe, fühle ich die Pflicht, einige Bemerkungen, die meine Wenigkeit betreffen, vorauszuschicken. Seit Jahren habe ich keine Zeile über den Zionismus geschrieben, denn ich wußte selbst nicht, woran ich mit der Bewegung und die Bewegung mit mir ist. Ich studirte sorgfältig die ganze Bewegung und, vrto 'NLn nt, langsam fing ich an, Sympathie für sie zu empfinden. Ich sagte mir nämlich, daß es doch vielleicht möglich ist. daß der Zionismus über kurz oder lang die ungesunden und unjüdischen Phrasen von Nationalismus über Bord werfen und in gesunde Bahnen einlenken werde. Der letzte Kongreß schien meine Erwartungen zu bestätigen, denn mit der Annahme des Ostafrikaprojekts hörte der Zionismus auf, Zionismus zu sein und ist das geworden, was ich von ihm erwartet hatte, nämlich eine große Hilfsaktion für unsere bedrängten Brüder. Aber der Schein trügt so häufig im Leben und er trog auch hier. Die letzten paar Wochen haben n ich gründlich von meinen zionistischen Sympathien geheilt. Ich habe geträumt und im Traume wandelte ich an dem Rande eines Abgrundes. Daß ich nicht abgestürzt bin. verdanke ich den Ereignissen der letzten Wochen, die mich etwas unsanft aus meinen Träumen -geweckt haben. Die letzten Wochen nämlich bescherten uns die Broschüren des Herrn Oberrabbiner^ Roth und die Artikel des Herrn David Katzburg in der von ihm redigirten Zeitschrift „T6l Talpioth". Diese Erscheinungen überzeugten mich, daß die Phrasen yjcht nur nicht überwunden, sondern daß sie als Hauptgrundsätze des Zionismus auch von den orthodoxen Freunden der Bewegung angenommen sind. Diese Ernüchterung drückt mir die Feder in die Hand, um nicht nur öffentlich dieses reumüthige Sündenbekenntniß abzulegen, sondern um. zu zeigen, daß es unter den gegenwärtigen Umständen, für einen gesetzestreuen Juden eine Unmöglichkeit ist. mit der Bewegung irgendwelche noch so platonische Sympathien zu haben, daß der Zionismus, wie er sich uns in den Ennnziätionen der orthodoxen Zionisten darstellt, eine Verleugnung des gesetzestreuen Standpunktes bedeute, daß es die Pflicht eines jeden orthodoxen Juden ist, dieser Bewegung gegenüber nach wie vor eine ablehnende Haltung einzunehmen, bis sie sich vielleicht später auf sich selbst besonnen hat. Diese Pflicht ist es, die mich zwingt, aus der Reserve hcrauszutreten und in der lautesten Oeffentlichkeit meine Stimme gegen die Jrrthümer unserer orthodoxen Freunde zu erheben. Es ist ^nte. kein sebr dankbares Geschäft, gegen den Zionismus zu . kämpfen und diese Tbatsache allein wird jedem, als Zeugniß dafür gelten, daß mich nur die reinsten und lautersten Absichten leiten. Doch nun zur Sache. Dir letzten Wochen haben mir Aufschluß über das wahre Wesen des Zionismus gebracht. Was ich als eine Art von Kinderkrankheit des Zionismus betrachtet hatte, nämlich die einseitige Betonung des nationalen Prini zips im Judentbum, wurde zum. Grundprinzip, zum

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