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Der Israelit · 1904-06-16 · Heft 48 (16.6.1904) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 48 (16.6.1904)
Date
1904-06-16
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1018 es mit den jüdischen Wahrhellen ehrlich meinen, nicht nur nicht beruhigen, sondern muß sie in ihren heiligsten Gefühlen aufs Tiefste beleidigen. Vergessen Sie nicht, meine Herren und Führer, nicht der „Judenstaai" und die Offenbarungen Ihrer „Welt" haben die jüdischen Massen zu Ihrer Fahne gelockt, sondern in erster Reihe und hauptsächlich die in den tiefsten Tiefen eines jeden . jüdischen Herzens schlummernde religiöse Pietät für die verlassene, vergessene, verkannte, verhöhnte, ja verfolgte Mutter Zion. Wagen Sie nicht, meine Herren, ein Hazardspiel mit diesen heiligsten Gefühlen unseres schwergeprüften Volkes. Vergessen Sie auch das nicht, daß neun Zehntel unserer Bruder aus dem ganzen Erdenrunde treu zur Thora und zu den Väterüberlieferungen hält. In der Geschichte Israels ist es aber . auch schon vorgekommen, datz das Verhältnitz ein umgekehrtes war, und die Minderzahl bildete den wirklichen Kern der Ration. Und wenn noch so Viele die ewige Verbindlichkeit der Thora ignoriren. die Sache der Wahrheit zählt nicht die Zahl ihrer Träger, die durch Israel zu verwirklichenden Verheißungen gehen nicht verloren. Sie. meine Herren, wollen aber das Heil des Judenthums, erbeben Sie sich bis zu seiner höchsten grundlegenden Wahrheit. Diese lautet: „Gott hat dich auserkoren, du sollst Ihm, ein nur Ihm angehörendes Volk sein, wie Er Dir verheißen hat, damit Du alle Seine Gebote hütest... Und du sollst dem Ewigen deinem Gotte eine heilige Nation sein, wie Er es ausgesprochen." fl5. V. M.. 26.18.19.) Wenn es Ihnen darum zu thun ist. das glaubenstreue Judenthum für Ihre Ideale zu gewinnen — und nur das glaubenstreue Judenthum kann den Zionismus groß und stark machen — dann berufen Sie schleunigst den siebenten Kongreß und verkünden Sie es mit aller Feierlichkeit, daß Sie die zionistische Bewegung nur in diesem Sinne und in diesem Geiste aufgefastt wissen wollen und daß Sie fortan in Ihren offiziellen und nichtoffiziellen Kundgebungen über die vielen Ziele, die stch der Zionismus gesteckt, die treue Erfüllung des überlieferten Gottesgeseßes nicht nur systematisch ignoriren. sondern an der Spitze hervorzuheben nicht mehr Unterlässen werden." ZeLtimg§nsHrrchLsn imd Ssreesyonderizev. R u b l a u d. Petersburg. Sehr wrrthvoll war der Bericht, den das Organ der russischen Regierung, der „Prawitelstwenny Wjestnik" (Regierungsbote), publicirt. und den der Minister des Innern, Staatssekretär v. Plehwe, an den Kaiser von Rußland über das Ergebniß der im . Jahre 1903 vorgenommenen Rekrutirung von Militärpflichtigen erstattet hat. Aus den in diesem Berichte enthaltenen offiziellen Daten ergibt sich nach der „Welt" neuerdings die Thatsache, daß der Prozentsatz der rekrutirten Juden viel höher ist als bei den anderen Konfessionen in Rußland. Rach der Volkszählung von 1897 bildet die jüdische Bevölkerung in Rußland 4.13 Prozent der Gesammtbevölkerung des Reiches. Im Jahre 1903 wurden zur Erfüllung der Militärpflicht 330,832 Personen einberufen. Unter normalen Verhältnissen müßte die Zahl der jüdischen Rekruten '4,13 Prozent der Gesammtzahl der Einberufenen. d. h. 13,250 Personen, betragen. Aus dem offiziellen Bericht geht jedoch hervor, daß in Wirklichkeit im Jahre 1903 nicht weniger als 17,941 Juden, d. h. um 4691 Personen mehr rekrutirt wurden. Und dennoch konstatirt der Bericht, daß die Juden im Jahre 1903 noch an 1970 Rekruten rückständig geblieben find, was soviel bedeutet, daß durch die unregelmäßige Belastung der Juden auf dem Gebiete der Wehrpflicht die Zahl der im Berichtsjahre zur Rekrutirung einberufenen Juden 19,911 betrug, um 6661 Personen mehr, als die Norm es gestattet. Ein so großes Kontingent vermochte die jüdische Bevölkerung nicht zu liefern, weil sie physisch nicht im Stande war, die ganze Zahl von 19,911 aufzutreiben. Sie gab dem Staate überflüssig 4691 Soldaten, während sie für die „fehlenden" 1970 Rekruten den Betrag von 300 Rubeln Strafe für jeden einzelnen, d. h. ungefähr 600.000 Rubel, wird bezahlen müssen. Die offiziellen Daten des Ministers des Innern berichten aber noch etwas: Von den einberufenen 959,045 Nichtjuden wurden 286,351, d. h. 29,86 Prozent, von den einbcrufenen Juden wurden aber 17,941 Personen, d. h. 30,59 Prozent,.rekrutirt. Mit einem Worte: Von tausend Nichtjuden wurden 298, von tausend Juden aber 305, d. h. um 7 Personen mehr genommen. Und die antisemitischen Blätter Rußlands haben noch die Gewissenlosigkeit, zu behauvten. daß die Juden sich der Militärpflicht entziehen! vermischtes. Gad Nauheim. Vor einigen Lagen wurde das im Lause Nr. 47 der Frankfurterstraße errichtete Israelitische Frauenheim eröffnet. Das Heim ist eine Stiftung, die durch Beihilfe der Freifrau von Rothschild und Bankier Mainz- Frankfurt, sowie durch Sammlungen aufgebracht wurde, zu dem Zweck, mittellosen jldischen Frauen eine vollständige Badekur möglichst unentgeltlich zu gewähren. Dort:?.NKd tGrundsteinlegungX Am Sonntag den 29. v. M., vormittags 11*/* Uhr, fand auf den bei Königsbora belegenen Grundstücken des hier domizilierende« Vereins .Israelitisches Altersb im in Westfalen' die feierliche Grundsteinlegung des Asylgebäudes statt.

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