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Der Israelit · 1904-06-16 · Heft 48 (16.6.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 48 (16.6.1904)
Date
1904-06-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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.Israelitisches Altersheim in Westfalen" voraus, S im Knrgarten in Königsborn stattfand. Der Kaffer, und Rechenschaftsbericht des Gesammtvorflandes wurde nach den üblichen Begrüßungen durch den Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Dr. Kempenich-Dort- -ruind, von der Versammlung ohne Debatte entgegengenommen und die beantragte Entlastung ertheilt. An Stelle des durch den Tod ausgefchiedenen Herrn A. Elias-Dortmund wurde Herr Jstdor Goldschmidt zum Mitglied des Gesanimtvorstandes gewählt. In längerem Vortrage erläuterte Herr Architekt Robert-Bochum an der Hand der ausgehängten. Pläne die Anlage und Einrichtung des im Bau begriffenen Altersheim. Damit war die Tagesordnung der Generalversammlung erledigt. Könitz. In der hiesigen Mordangelegenheit fanden am Samstag lange Verhöre der'Frau Rotz, der Frau Berg, des Ehemanns Berg, der unverehelichten Roß. des Gastwirths Heinrich und der Frau Schneidermeister Plath statt. Auch Kriminalkommiffar Bäckmann und mehrere Berichterstatter sind vernommen worden. Hauptbeschuldigter der Familie Berg soll, wie das „Konitzer Tagblatt" meldet, der Arbeiter Matzlofi sein. Frau Berg soll mit Winter engen Verkehr gepflogen und der Ehemann Berg im Zorn darüber Winter getödtet haben. Die Beschuldigung lautet auf vorsätzliche Tötung. Die Verhöre dauerten von Morgens bis spät Abends. — In einer anderen Sache wurde Frau Roß dieser Tage von der Strafkammer wegen wissentlich falscher Anschuldigung zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt.. — Der Herausgeber der „Preußischen Korrespondenz". ein Journalist Zimmermann, der über den Stand dieser neuen Untersuchung Mittheilungen verbreitet hat, ist über die Quelle derselben vernommen und wegen Verweigerung des Zeugnisses mit 200 Mk. bestraft worden. England. London, 10. Juni. (Eine jüdische Gedenkfeier in England.) Die israelitischen Glaubensgenossen in England begingen dieser Tage die dreihundcrtjährige Gedenkfeier an den Geburtstag von Menaffe ben Israel, jenen Rabbiner, dem die Juden ihre Wiederzulassung in England im Jahre 1655 hauptsächlich zu danken haben. Menasse ben Israel ist der Sohn eines Crhpto-Jsraeliten in Lissabon, der schwer unter der Inquisition gelitten hat. Der Sohn wurde in Amsterdam erzogen, widmete sich dem geistlichen Stande und ward bald in weiten Kreisen bekannt. Er gerieth in Berührung mit den englischen Puritanern und den an das tausendjährige Reich Glaubenden. Mit großer Energie arbeitete er auf Wiederzulassung der Juden in England, wo sie durch Eduard l. seit.1290 verbannt worden waren, mit allen Bemühungen hin. Seit 1649 begann er darüber mit der parlamentarischen Regierung zu verhandeln, doch konnj ten erst von 1655 an praktische Schritte gethan werden. Eromwell, der mit Rücksicht auf den Handel und die koloniale Politik für die Zulassung der Juden toar, lud Menasse im erwähnten Jahr zu einer Konferenz in Whithall ein, welche als der einleitende Schritt für die von Menasse angestrebte Maßregel gelten kann. Nachdem dieselbe erfolgt, bestimmte Eromwell für den Rabbi als Zeichen seiner Hochschätzung eine Pension von 100 Pfund jährlich, die aber — nie ausgezahlt wurde. Menasse kehrte in ziemlich bedrängter Lage nach Holland zurück; 1657 ist er in Middelburg gestorben. Oesterreich. Turka, 12. Juni. Am Freitag, den 10 d. M., brach hier eine furchtbare Fenersbrunst aus, die kolossale Dimensionen annahm. Vermöge des herrschenden Windes ergriff sie im Nu viele Hauser, und trotz energischer Arbeit und Gegenmaßregeln, die angewandt wurden, gelang es erst nach Einäscherung von mehr als 200 Häusern, das Feuer zu lokalisiren. Die Zahl der obdachlosen, jeder Hilfsquelle beraubten Abgebrannten beläuft sich auf ungefähr 400 Familien, die dem größten Elende preisgegeben sind. Die Noth spottet jeder Schilderung und unser Städtchen bietet einen schrecklichen Anblick dar. Bei der erbarmungstvürdigen Lage unserer Glaubensgenossen ist die schnellste Hilfe von nöthen. Wir bitten daher unsere Brüder, den schon so oft bewährten Edelmuth auch hier zu beweisen. Sendungen sind zu richten an Leib P i k h o l z, Gutsbesitzer.' N u ß l a n d. Tombrowiza. Am 5. Juni, Nachts gegen 2 Uhr, brach dahier Feuer aus, wobei 105 Häuser und fast alle Synagogen niedergebrannt sind. 200 jüdische Familien sind vollständig obdachlos. Die Noth ist furchtbar. — InMelniza brannten ebenfalls Anfangs d. Mts. über 90 Häuser und viele Geschäfte nieder. 180 jüdische Familien sind obdachlos. Von den abgebrannten Häusern waren nur sieben versichert. — Spenden für die Verunglückten werden von der Redaktion dankend entgegengenommen. AuS Nnsrland. Tieftraurige Kunde dringt zu uns. Rabbi Elasar Atlas ist nicht mehr! Nur wenige Leser unseres Blattes werden den Namen gehört haben und doch war der Verblichene einer unserer besten und treuesten Mitkämpfer. Seit langen Jahren war er der hervorragendste Mitarbeiter des von Rabb. Rabbinowitz-Poltawa redigirten „Hapeles". Seine schriftstellerischen Arbeiten zeichnen sich durch seltene Klarheit und durch eine nahezu unerreichte logische Schärfe aus. Und dieser Mann, den man auch im gegnerischen Lager die „personifizirte Logik" nannte, konnte auch warm werden, wenn es galt, für die Wahr-

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