Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1904)
- Date
- 1904-06-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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m 4a 45. z-hrg-Xg. GenLral-HrgLN für das orlhodore Audenthum. Begründet von . ' Br. Dehurann tit Oste*. D»»««rstag, d«« Schachmatt dem Drgeljudenthum! Köln, 14. Juni. ß Das Orgeljudenthum hat soeben einen Schlag erhallen, von dem es sich nicht mehr erholen wird. Der Schlag sitzt um so wuchtiger, je manirlicher die Hand ist, die ihn geradezu mit ritterlicher Eleganz geführt hat. Kein verletzendes, krankendes oder auch nur hitziges Wort begleitet die Zertrümmerung des fauchenden, schnaubenden Orgelg'ötzen. Mit der kühlen Kathederruhe des Historikers werden ^uns die Früchte vorgeführt, an welchen man unsere Orgeljuden und ihr Orgeljudenthum erkennen kann. Vor dieser Erkenntnitz stöhnen die Fugen, ächzen die Register und die Orgelpfeifen kommen in's Schwanken, als ob ihnen die Kniee schlotterten. Dabei dürfen die getroffenen Organisten, Priester, Pfaffen und Orgelanbeter jeden Schlags nicht einmal die Zunge recken und müssen ihr Heulen und Zähneklappern wohlweislich für sich behalten, denn es hat sie gar keiner angegriffen. Es ist eigentlich nur eine Geschichte, die uns erzählt wird, eine Geschichte der Orgel seit ihrer Einführung in Deutschland bis auf den heutigen Tag. Und der Mann, der sie erzählt, ist kein, litterarischer Raufbold. Er ist ein besonnener, ernster, im Dienste der jüdischen Wissenschaft ergrauter Forscher, der mit. einer vier Bogen starken Broschüre, den tönenden Götzen des Orgeljudenthums streift und er liegt in Scherben.*) Als Motto trägt die Schrift ein Wort von Z u n z an der Stirne und schlietzt damit: »Eintracht ist die wohllautendste »Harmonie. Mögen daher Orgel »und Cho.rgefange immerhin weg- »bleiben, wenn sie allein in der Ge- ") Der Titel der Schrift lautet: »Zur Lehr und zur --— --Ml-- * Wehr'.lieber uitb __ dienste- Don Vrvsesior.A. Berliner. Lamm. 10Q4. Brer» SO Pfg. ' ~ die kirchliche Orgel itn jüdischen Gottes- " Berlm«. 2. Nathansen u. 4. Th amuS 5664. 16. Juni 1664. „me in de ernstlichen Zwiespalt et» »reg «n.* Aber wegen des Gemeindefriedens ist die Orgel nirgends weggeblieben. Auf seinem Grabe hat man die Orgeltempel errichtet und darin die wüstesten Orgien gefeiert. Von den vielen hierher, gehörigen Fällen wird hier nur ein einziger angeführt. „In der Gemeinde zu Fr. kamen die Vertreter derselben mit einem Male auf den Gedanken, „was in der kleinsten Dorfkirche möglich ist (in Berlin, der großen Gememde auch bereits durchgeführt ist'), mutz auch bei uns möglich sein," nämlich den Gemeindegesang durch die Orgel zu unterstützen. Der von den gesehestreuen Mitgliedern der Vertretung und der Gemeinde erhobene Protest gegen die Einführung der Orgel wurde nicht berücksichtigt — und jene Mitglieder wurden so ans dem Gotteshause gedrängt. Sie richteten sich auf eigene Kosten eine Andachtsstätte ein, die sie seit jenen Jahren mit großen Opfern erhalten und für die sie zü den Festtagen einen Prediger aus Berlin berufen und honoriren. Die Gemeinde gewährt ihnen keine Subvention, und so haben sie doppelte Beiträge zu zahlen. Was hat aber die Gemeinde selbst hierbei gewönnen? Jene Hellenisten, um derentwillen die Orgel zur Hebung der Andacht eingefllhrt worden, besuchen die Synagoge höchstens an den Feiertagen und bei der Seelenfeier, so daß die Zahl der Besucher für die Sabbate des Jahres (und für die Wochentage des Jahres? Frage des Corresp.) auf ein Minimum herabgesunken ist.*) *) linder seinen Gebrauch des Wortes .Hellenisten' spricht .—. -.. „rthodoxe Juden" gebraucht hat, ist er — mit Unrecht — ein Epitheton für alle Juden geworden, welche die Lehren dcS JudenthumS und seine religiösen Borschriften festhaltem Sie ^verdiene» mit ifjrrr ©eje&eßtreue eher bte Bezeichnung Ketten spotten. Ich habe daher tie rünung .hellenistrsch" ge-