Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 47 (13.6.1904)
- Date
- 1904-06-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jahrgang. JK 47» * u ©a EenLral-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum Begründet von Ar Dehrn»«« in $mmt Montag, den 30. Siwan 5604. 13. Juni 1004. Iss iuiJfiiÜjiun in feinen (Musen. ' Von Dr. Hermann Klein. (Fortsetzung.) Mainz, 9. Juni. Seitdem es denkende Menschen gibt, haben diese über die höchsten und wichtigsten Fragen nachgedacht und find nicht müde geworden, nach der Wahrheit zu forschen. Die größten Geister der Menschheit haben die Erforschung der Wahrheit zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Die Frage, die den Menschengeist am vorzüglichsten und nachhaltigsten beschäftigte, war die Frage nach der Existenz eines höchsten Wesens, das Problem des Daseins Gottes. Der dem Menschen innewohnende „metaphysische Trieb", der vielleicht für kurze Zeit zurückgedrängt, aber niemals ganz unterdrückt werden kann, gönnt dem Menschengeist keine Ruhe. Er ist der Stachel, der den Geist zu immerwährendem Forschen antreibt, der Sporn, der immer zu neuer Denkthätigkeit zwingt. Wenn wir die Geschichte des menschlichen Denkens betrachten, so sehen wir eine einzige gewaltige Tragödie vor uns — und wenn wir ganz ehrlich sein wollen, so werden wir gestehen, daß dem Tragischen auch eine starke Dosis des Komischen beigemengt ist. Wir sehen, wie die Ritter des Geistes nach dem höchsten Preise streben und ihn nicht erringen können, darin liegt das Tragische. Betrachten wir aber die Waffen, mit denen sie für diesen Kampf sich ausrüsten, so werden wir uns eines wehmüthigen Lächelns nicht erwehren können. Mit einer verrosteten Lanze eine Festung erobern wollen, mit einem zerbrechlichen Speer die starke Mauer einer Burg durchbrechen wollen, ist etwas komisch. Mit dem endlichen und beschränkten Menschengeiste das Geheimniß der Unendlichkeit ergründen, mit dem kurzsichtigen und schwachen Menschenblicke durch den Schleier Hindurchblicken, mit dem jeglichem Jrrthum zugänglichen Menschenverstände die reine absolute Wahrheit erforschen wollen, welch' thörichtes Beginnen. Die Wahrheit ist hinter einer eisernen Mauer und an der eisernen Mauer haben sich unzählige Menschenschädel gebrochen, was jedoch mehr für die Schwäche der Schädel zeugt, als für die Undurchdringlichkeit der Mauer. Denn auch diese Mauer fällt, wenn man nur mit den richtigen Waffen kommt. Diese Waffen sind aber nicht allein Geist und Verstand, sondern auch Herz und Gemüth. Der weise König leiht diesem Gedanken folgende Worte: noarin 'nivn n,y.m avn. Als ich die Wahrheit und den Sinn des Daseins aus dem Wege menschlichen Forschens und menschlicher Weisheit ergründen wollte, da mußte ich die Wahrnehmung machen, daß sie mir fern sind. Je näher ich dem Ziele zu sein glaubte, desto mehr entfernte es'sich von mir, je tiefer ich in die Geheimnisse eingedrungen zu sein wähnte, desto mehr mußte ich die Wahrnehmung machen, daß Verstand und Vernunft unzulänglich sind zur Erforschung, der letzten und abschließenden Wahrheiten. Und ich, so fährt der weise König fort, hielt ein auf diesem doch nimmer zum Ziele führenden Wege, ich kehrte um. uto w »mao nton nfem doa v\tn r®"6i pa&m noan erpi\ i\rbu Dem Verstände gesellte ich mein Herz zu, um wahres Wissen zu finden, den tiefen Plan, der allem Sein zu Grunde liegt, mir zu enthüllen, die Quellen der Bosheit, der Thorheit, der Unwissenheit und Sinnlichkeit zu erkennen. Und ich fand als eine Quelle die menschliche Schwäche, die menschliche Leichtgläubigkeit, — was ja wohl das Bild des Weibes an dieser Stelle bedeuten wird, — die voller Schlingen ist, deren Herz ein Retz, aus dem es keine Befreiung gibt, und deren Hände Fesseln sind. Und ich fand ferner, daß sich dem Verstände das Herz zugesellen mutz, der Vernunft das Gemüth, um den Plan zu finden p»n vstef? nnt6 int Und als ich so mit Geist uyd Herz, Mit Verstand und Gemüth, mit Denken und Fühlen mir die Menschen