Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 46 (9.6.1904)
- Date
- 1904-06-09
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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968 Tod ausgeschiedenen Stadtrath Isaak Eichelbaum- . Insterburg. An dessen Stelle wurde Amtsgerichtsrath Blumenfeld -Insterburg gewählt. Die Versammlung beschloss ferner, dem Vorstande alle Vollmachten zu ertheilen, um den Charakter einer juristischen Person für die Kasse zu erlangen. Um lO Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung. Nach kurzer Paule begann die öffentliche Sitzung d'e r Lehrerversammlung. Den Vorsitz führte hier wieder Prediger Sturmann- Osterode. Ter grosse Saal der höheren Mädchenschule war von Lehrern. Gemeindevertretern und interessirten Gästen aus Allenstein fast ganz gefüllt. Nach der Eröffnung der Sitzung folgten zunächst die Begrüßungsreden seitens der Vorsitzenden der Gemeinde Allenstein Dr. nied. Kamnitzer, seitens der Vorsitzenden des ostpreußischen Synagogen - Verbandes, Rechtsanwalt Scheu und seitens des Ortsrabbiners Dr. O l i tz k.i zugleich im Namen des Empfangscomitös. Der Vorsitzende dankte allen Rednern für ihre freundlichen Worte, begrüßte im Besonderen auch den erschienenen Vertreter des Westpreußischen Brudervereins Mannheim- Graudenz, und widmete dem verstorbenen Verbandsvorsteher, Stadtrath Isaak Eichelbaum-Jnsterburg, ehrende Worte des Nachrufs. Einige Begrüßungsschreiben wurden verlesen, darauf wurde in die eigentlichen Verhandlungen eingetreten. - Den ersten Vortrag des Tages hielt B i r n - b a um- Königsberg, der in begeisterter Rede das Leben und Wirken, wie die Bedeutung Sal. Sulzers als Reformator des modernen Syngogengesanges schilderte. Wie Sulzer geworden, wie er auf seine Umgebung gewirkt, wie er weitere Kreise, zuletzt ganz Oesterreich und Deutschland für seine Ideen, seine Sangesweisen gewonnen, was er als Mensch bedeutet und wie er menschlich für seine Nächsten sich gegeben, was er endlich für alle Zeiten geblieben seinen Berufsgenossen wie der zu frommer Andacht versammelten Glaubensgemeinde, das wurde uns hier lebendig und eindrucksvoll von einem vor Augen geführt, der selbst sein Schüler gewesen und unter seinen Augen sich zum hoffnungsreichen Jünger des Kantorenamtes herangebildet hat. Mit pietätvollem Empfinden folgte die Versammlung zum Schlüsse der leitenden Weisung des Vortragenden durch die von ihm aus eigenen Besitze aufgestellte reichhaltige Ausstellung Sulzer'scher Bilder. Werke. Originalkompositionen, Briefe und anderer Andenken, von denen wir als besonder interessante Stücke nur auffühcen wollen: 7.M p* (1836) ob» |nx - mit Generalbaßbezeichnung, eine alte Partitur von Sulzer. ynat herausgegeben von seinem Sohne Joseph Sulzer, px ein Requiem v'rrin Sulzer und Engländer 0^2 ww Gesänge für den Jugendgottesdienit, Denkschrift von Sulzer 1876, diverse weltliche Lieder: „Tyrolerlied" von Sulzer, „Trost", .Die Briefe". „Die drei Monate", „An Sie", Kompositionen in Ziffernoten, irrn tea in einer italienischen Sammlung von Smoltz. Stuttgarter Synagogengesänge mit Comivsitionen von Sulzer. Autograph Sulzer's (Kantorenzeugnissfür Birnbaum). Kopie des Morenu-Diploms von Leop. Löw, die Todesanzeige über Sulzer und diverse Bilder von ihm. Eines der besten davon war für die Mitglieder des Vereins photographisch vervielfältigt worden und wurde zu billigem Preise abgegeben.*) Nach der darauf eingetretenen Frühstückspause nahm Rabbiner Dr. Carlebach-Memel das Wort zu seinem belehrenden Vortrag: „Die Geschichte und der Lehrinhalt der Schemone etzre. Da der Vortrag demnächst zur Veröffentlichung gelangen soll, dürfen wir hier auf die Skizzirung des Inhalts verzichten. Der Vortrag fand grossen Beifall. Die demnächst vorgesehene Lehrprobe mußte wegen Unwohlseins des betreffenden Kollegen ausfallen. Die Behandlung des Verbandsthemas: „Welche Gebiete ans der nacbbiblischen Geschichte sind für dir verschiedenen Schulsysteme auszuwählen?" erfolgte diesmal, da der eigentliche Vortrag darüber bereits früher gehalten worden, nur in der Art. daß die ausgestellten Thesen zur Derathung kamen. Wegen der vorgerückten Zeit, die eine ausführliche Besprechung der Thesen nicht mebr zuließ, wurde beschlossen, dieselben autographisch vervielfältigen und den Mitgliedern zur häuslichen Durchsicht zugehen zu lassen. Die redaktionelle Feststellung des Textes wurde dem Vorstande übertragen.. Die Thesen wurden generell angenommen und werden später dem Verbandsvorfiande zugestellt werden. Das Schlußreserat hielt P e r i tz - Königsberg, der über empsehlenswerthe Neuerscheinungen auf dem Gebiete der jüdisch-pädagogischen Litteratur sprach. Für den Unterricht in der bilischen Geschickte empfahl er zunächst von neueren Büchern Auerbachs „Biblische Erzählungen" und S. Müllers „Kleine Bibel" bezw. „Ein Buch für unsere Kinder". Wenn heute in der Lehrerschaft ein gewisser Streit herrsche, welches dieser Bücher das bessere sei, so meint der Referent, daß sie beide vorzüglich seien, und daß die Entscheidung, welches von beiden man wählen solle, stets subjektiv ausfallen dürste. Ihm persönlich sage das Müller'sche Buch mehr zu wegen der Wärme des Tones in den Erzählungen, der kindlichen Redeweise besonders in dem ersten Theile und des stufenmäßigen Aufbaues des ganzen Werkes. Vorzüge der Auerbach'schen Biblischen Erzählungen seien die einfache, klare, oft klassisch knavve Sprache in enger Anlehnung an den biblischen Ton.**) — *> Gmiae. Giemplare Inder Sulzer-Bilder finb noch Mr 50 Big. das -tuck von dem Unterzeichneten abzuaeben. _, **) Das MuNer'sche Bnch entspricht, wie wir schon oft in diesen Blattern erwähnt, nicht der von »ns vertretenen Richtung. Redactioil'der »Matter für die israek. Schule".