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Der Israelit · 1904-06-06 · Heft 45 (6.6.1904) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 45 (6.6.1904)
Date
1904-06-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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solche Noth, daß die hungernden jüdischen Handwerker und Tagelöhner von dem ihnen religionsgesetzlich fiir den äußersten Nothfall zustehenden Recht Gebrauch machen und in allen Synagogen der Stadt den Gottesdienst inhibiren, um so die Gemeinde zu zwingen, Schritte zur Linderung der allgemeinen Roth zu thun. In Folge dessen unterlassen die reichen Leute in Minsk den Synagogenbesuch . . . Sie wollen augenscheinlich warten, bis sie von der Polizei gezwungen werden, etwas für ihre armen Glaubensgenossen zu thun. Wir wollen von ganzem Herzen wünschen, daß die Krisis in Rußland sich nicht weiter verschärfe, da sie andernfalls zu einer fluchtartigen Emigration führen muß. welche die ganze jüdische Gesammtheit in Mitleidenschaft ziehen würde. Marokko. Marokko. Ueber die Lage der jüdischen Flüchtlinge, welche in Folge eines Ueberfallcs eines räuberischen Stammes sich nach Darailbada flüchten mußten, liegt ein Bericht des englischen Konsuls in Tanger vor, den das auswärtige Amt der Londoner „Anglo Jewish Association" übermitteln ließ. Darnach werden die Flüchtlinge schon im Monat April — das Schreiben ist vom 18. April datirt — nach Stat zurückkehren können. Mr. Maclean, englischer Konsul in Darailbada berichtet nämlich, daß das Hilfskomitee in Darailbada selbst keine Unterstützungen vertheilt und seine Mittel nur dazu verwendet, um den nach Stat zurückkehrenden Flüchtlingen die Niederlassung zu erleichtern. Obgleich die Zahl der Flüchtlinge 970 betrug, kam doch kein einziger Todesfall unter ihnen vor. Dieses günstige Ergebniß haben die Juden in erster Reihe der-^edenso schnellen wie reichlichen Unterstützungen zu verdanken, welche ihre englischen und französischen Glaubensgenossen ihnen gewährt haben. Mr. Maclean scheint nicht zu wissen, daß neben den englischen und französischen Juden auch die deutschen Juden sich an dem Hilfswerk betheiligt haben. Gleich nach dem Empfang der Nachricht über das Unglück in Stat hat der Hilfsverein der deutschen Juden der Londoner Anglo Jewish Association telegraphisch 2000 Mark für die nothleidenden Glaubensbrüder in Marokko überwiesen. Die Alliance hat für den gleichen Zweck einen Beitrag von 10,000 Frs. abgeschickt. Palästina. Jerusalem. Hier ist die lang ersehnte Lehrerbildungsanstalt, welche der „Hilfsverein der deutschen Juden" errichtet hat, am 8. Mai eröffnet worden. Von einer feierlichen Eröffnung hat man mit Reckt Abstand genommen und einfach mit dem Unterricht in zwei Klassen begonnen. In der Präparandenklasse ' sind zehn Schüler, darunter fünf aus Jerusalem und fünf ans den Kolonien. In der dritten Seminarklaffe sind acht Schüler, die sämmtlich aus Jerusalem stammen. Die erste und zweite Seminarklasse find noch nicht eingerichtet und werden erst im nächsten resp. übernäcksten Jahre mit denjenigen Schülern besetzt werden, welche die dritte Seminarklaffe mit Erfolg absolviren. Auf diese Weise wird für eine gleichmäßige Ausbildung der Lehrer am besten vorgesorgt. Das Seminar hat für Palästina und für den Orient überhaupt sehr wichtige Aufgaben zu erfüllen und seine Eröffnung ist von der hiesigen Bevölkerung sehr sympathisch begrüßt werden. vermischtes. AuS Bayern. Der Rechtsanwalt Rudolf Frhr. Schenk von Geyern in.Ingolstadt vertrat in einem Zivilprozeß des Spediteurs Hopp in Germershcim gegen den Rittmeister Röder in Landshut den Beklagten, welcher verurtheilt wurde. Der Prozeß spielte vor dem Amtsgericht Ingolstadt, und der jüdische Amtsrichter Lang hatte das Urtheit erlassen. Mit Bezug darauf schrieb der Rechtsanwalt an seinen Mandanten: .Der erstrichterliche Entscheid scheint überhudelt zu sein, drr Scharfsinn Jerusalems würde bei einem hebräischen Dackel kritischer sein; cs scheint, daß man in Ingolstadt das blaue Tuch nicht gern sehe, gegen Sympathie und Antipathie laßt sich nicht streiten.' Dieser Brief kam zu den Akren und bei der Kostcnsistsetzung zu Händen dcS Amtsrichters Lang, welcher ihn dem Landgcrichtspläsidentl» in Eichstätt vorletzte. Es wurde Strafantrag ge» stellt, und von Geyern hatte sich wegen Beleidigung zu rerantworten. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnißtrase von 1 Monat, das Gericht erkannte aus eine Geldstrafe von 600 Mark, event. 60 Tage Gesängniß. Waldenburg (Jubiläum). Am 26. Mar wa.er cs 25 Jahre, daß Herr A. Töplitz dein Repräsentanten» Kollegium der Synagogengcmeinke als dessen Vorsitzender angehöct. Aus drescm Anlaß wurde ihm in der letzten Sitzung desselben durch den stellvertretenden Vorsitzenden. Herrn Kaufmann Janoschowitz, mit einer seine hohen Verdienste r>m die Genrcinde irr warmen Worten anerkennender» Ansprache ein Diplom überreicht. Seitens dcS Vorstandes brachte Herr Thomas dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche dar. Argentinien. Wie Dr. Escalantr der Ackerbauminist, r dem Präsidenten der Republik mittherlte, hake er die Nachricht erhalten» daß 300 Polenfamilien nach hier einwandern und sich in den MisioneS ansiedeln wollen, um daselbst Landwirthschast zu treiben. Briefkasten der Redaktion. P. S.: Es ist gestattet. 10«: Von Juden nicht. Für gesandte Zeitung besten Dank.^Die avisirte Sendung bleiben gern erwartend. 8. kmmli. tzmiiirgS i>t»W Zün iis pr AM», in still Alkred Jansen. Berlaas-Buchhandl^ Prnlscr..rit.l.cu lim, Hamburg, behandelt die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg seit den ersten Anfängen b:s zum Beginn des 10. Jahrhunderts. zu,n Thcil darüber hinaus, in so!» «enden Napitetn: Das Zeitalter der Glücket von Hameln. Die Steuerkrnft der Gemeinde. »Der Judentumnlt 1730'. und waS ihm voraufgmg. Das lieben in der Gnneinde. Die soziale Stellung. Berus und geistiges lieben. Moralische Streiflichter. »Der Hamburger Amuletten,lrett'. Hamburgs Juden in Bild und Karrikatnr. Die Hamburger nuf oder von ^uden geprägten Medaillen- Hamburger. Wandsbcker und Mtonaer Drucke. Die Sriedvöfe: »An der Königs^ strage" m Altona. »Auf dem Grindel'. »In Ottensen. umfaßt 35 Bogen mit 30 Abbildungen u. erscheint zum Sudskrrptlonspreye von Mark 10.— im Laufe diese» Jahre».

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