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Der Israelit · 1904-06-01 · Heft 44 (1.6.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 44 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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45. Jahrgcmg. ZWeite Aeikage zu Jf& 44 des „Zsraekit.^ Zionisinus vom Standpunkte des Iudenthums. Vorbemerkung der Redaktion. Qbwohb die Schrift des Herrn Oberrabbiners von Papa von unserem Referenten Herrn Raphael Breuer in ausreichendem Matze beleuchtet wurde, so wollen wir doch die folgende Arbeit unseres ungarischen Mitarbeiters, der die Stimmung in den orthod. Kreisen Ungarns am besten kennt, unseren Lesern nicht vorenthalten. Sie wird die Ausführungen unseres Referenten ergänzen und so zur Klärung der Frage wesentlich beitragen. Es ist wahrlich weder unseren geehrten Mitarbeitern noch uns leicht geworden gegen Herrn Oberrabbiner Roth, der ein rrsi und ow «T> ist, zu Felde zu ziehen. Wenn irgend ein Blatt der Welt, so haben wir stets die Ehre der hochgehalten und vor jeder Verunglimpfung geschützt, doch die Wahrheit geht uns über Alles. Wir leben in einer Zeit, in der unsere heiligsten Güter gefährdet sind. An uns ist es, dieselben zu schützen und sie ungeschmälert, unverfälscht und unverkürzt zu erhalten. In dem Zionismus erblicken wir nun die gröhte Gefahr für das Judenthum, da er wie keine andere Bewegung geeignet ist, das ganze jüdische Leben in falsche Bahnen zu lenken. Es war uns unser Weg daher von Anfang an vorgeschrieben. Wir muhten mit aller Kraft diese Bewegung bekämpfen. In diesen: unserem Kampfe stand fast die ganze orthodoxe Judenhcit hinter uns. Und nun vergegenwärtige man sich den Eindruck, den die Broschüre des ehrw..Herrn Oberrabbiners in unseren Reihen Hervorrufen muhte. Die uneigennützige und ehrliche Arbeit langer Jahre schien gefährdet. Und zu dieser Befürchtung für das Wohl des Judenthums gesellte sich auch ein Gefühl der Enttäuschung. Ein Mann, der ganz und gar zu uns gehört, deffen Verdienste wir gerne anerkennen, ein Mann, von dem wir erwarteten, daß er uns in unserem wahrlich nicht leichten Kampfe kräftigst unterstützen werde, erhebt seine Stimme gegen uns, gegen die vitalsten Interessen des orthodoxen Judenthums. Er that dies, wir sind fest überzeugt davon, auf Grund ehrlicher Ueberzeugung, aber sein sonst scharfer Blick war sicher getrübt, denn sonst hätte e.r selbst das, was er geschrieben, auf das schärfste verurtheilt. Etwas Schmerzlicheres konnte uns kaum widerfahren. Es blieb daher kein anderer Ausweg, als den Standpunkt des Herrn Oberrabbiners unnachsichtig zu verdammen. Dies war unsere Pflicht. Und dieser Pflicht kam unser Mitarbeiter Herr Breuer in durchaus sachlicher und würdiger Weise naG Und wenn nun auch der aufrichtige Schrnerz über diese Enttäuschung ihm etwas harte und bittere Worte erpreßte, wer, der jemals' in seinem Leben, einen ehrlichen Schmerz empfunden, wird ihm darob Vorwürfe machen? Nicht nur wir empfinden diese . Enttäuschung schmerzlich, sondern fast die ganze orthodoxe Judenheil. Wir erhielten unzählige Zuschriften aus Ungarn, in denen das tiefe Bedauern darüber ausgesprochen wird, daß Herr Oberrabbiner Roth für den politischen Zionismus eingetreten ist. In allen Zuschriften wird der Hoffnung Allsdruck gegeben, daß Herr Oberrabbiner Roth seine nicht genügend abgeklärten Anschauungen einer baldigen und gründlichen Revision unterziehen und es so seinen Freunden ermöglichen werde, in alter Verehrung und Werthschätzüng zu ihm emporzuschauen. * * * Wir lassen nun unserem gesch. Mitarbeiter das Wort: Der Papaer Oberrabbiner, Herr M. A. Roth, ist darüber ganz konsternirt, daß seine Agitationsschrift „Der Zionismus vom Standpunkte der jüdischen Orthodoxie" in gesehestreuen Kreisen gar keinen Beifall gesunden. Ihr Neserent Herr Raphael Breuer, hat in seiner durchaus sachlichen Zurückweisung jedem gesetzestreuen Juden, der in den sieben Jahren des Zionismus kein Siebenschläfer gewesen, sondern die ganze Bewegung mit ernstem Sinn begleitete, aus der Seele gesprochen. . . Daß Herr ^Rabbiner Roth, ein anerkannt orthodoxer Rabbiner, auch in.chassidischen Kreisen geehrt, auch sonst als hervorragender Mann bekannt ist,'und sein Vorleben es durchaus nicht gestattet, seinen religiösen Sinn oder seine Ehrlichkeit irgendwie zu verdächtigen, betonte auch Herr Breuer. Allein gerade deßwegen fällt sein Wort schwerer in's Gewicht und fordert geradezu die Kritik der maßgebenden Faktoren heraus. Auch ich will mir daher alle Mühe geben, die persönliche Empfindlichkeit des Herrn M. A. Roth zu schonen. Rur ehrliches Streben nach Wahrheit soll unseren! Worten ausgeprägt sein. Wir wollen uns verständigen, iw 'rmsa-snu Der Papaer Oberrabbiner beleuchtet den „Zionismlls vom Standpunkte der Orthodoxie" und kommt zur Ueberzeugung, daß das orthodoxe Judenthum dem Zionismus sich anzuschließen habe. Welcher „Zionis- * mus" hat dem Verfasser beim Niederschreiben, seiner umfangreichen Broschüre vorgeschwebt? Um allen Confussionen aus dem Wege zu gehen,, wird es gut _ fein, diese Hauptfrage nicht aus dem Auge zu verlieren, umsoweniger, als Herr Rabbiner Roth in . seiner nachträglichen „Abwehr" die Definition des Zionismus auffallend verklausulirt..! Der Verfasser benützt für die

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