Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1904)
- Date
- 1904-11-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450069--61849-2521742- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1986 * Me SsrnnsWsb-ke'rer and Ihre Vorbereidang.*1 Der Feier und Festlichkeiten und deren Vorbereitungen gibt es viele, in Familie, in Gemeinde, weltliche, religiöse und politische Feier- und Gedenktage, so daß man mit dem Dichter sagen könnte, wer zählt die Völker, zählt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen. Jeder derselben setzt Geschwister, Erlebnisse oder historische Begebenheiten, freudiger oder trauriger Natur voraus, oder verbindet Hoffnungen und Wünsche, die bestimmend mitwirkend dieselben in konkreter Weise zum Ausdruck zu bringen — durch einen feierlichen Akt. Ebenso bedingt jede Feier eine längere oder kürzere Vorbereitung, eine Rüstzeit, je nach Zweck, Absicht und Ziel der Feiermomente. Eine der erhebendsten Feiern ist die „Varmizwoh-Feier", die sich nach dreizehnjähriger Vorbereitung und Saat zu einem -j-2xn an — einem Einsammlungs-Erntefeste gestaltet. Der Mensch, einer Pflanze, einem Baume des Feldes — .ttph pv oixn '2 — vergleichbar, ist der edelste aller Gewächse, welche Mühe und Pflege seinem Pflanzer und Pfleger, Ernährer und Erzieher verursacht, bis er soweit im Lebensboden Wurzel gefaßt, Stütze. Warte und Pflege im großen Ganzen entbehren zu können, um wenigstens gegen die normalen Stürme auf dem Lebensocean gefeit zu sein! Dreizehn Jahre haben Eltern und Lehrer fleißig und wachsam gearbeitet; haben sie in die weichen Furchen ihres Kindes und Schülers die goldenen Samenkörner weiser Lehren gestreut. um für spätere Jahre eine Ernte vorzubereiten, wie sie Gott auf dem Felde des Lebens, im Kreise der Menschheit zu reifen wünscht; 13 Jahre zählten und hofften die Eltern auf die ernstfeierliche Stunde, wo, nach dem Ausspruche unserer Weisen, der 21L.1 i» — der Sinn für das Gute im Knaben erwacht. Für dasjenige, was er bis jeßt aus 'äußerem Zwange und Ge-, wöhnung geübt und gemieden, wird in ihm jetzt das Bewußtsein der sittlichen Nothwendigkeit und Pflicht nothwendig. bix 2"n njy y» iv pvot? '2 iiy^x ", ick ptpjws '»ibbbj *]ii2 *iex' y* mxSi 132 d* ^bb^ Mit gedachtem Lebensalter ist der Knabe religiös mündig, verantwortlich für sein Thun und Lassen auf religiösem Gebiete, denn: iV p»3* 2222 fspn px rrrto crixn nxBn 1»» »2 mp« ix P’X 2-2 vx xip:®» Von dem Tage an. wo der Sohn das Prädikat px erbält, spendet daher der Vater seinem himmlischen Schöpfer vor geöffneter rmii ibd Dank für die Gnade und das Glück, sein Kind zu dieser Selbstständigkeit zu *) Referat des LehrerS E. W e r t h e i m e r—Hardheim. gehalten bei der letzten amtlichen Lehrerkonferenz für den Nabdinatü-Bezirk MoSboch (Baden» in Wertbeim am Main. — Eingesandt von einem guten freunde deS Referenten. 8. wissen, sich freuend, daß der Wunsch: xrob BLw BV2 B2io B'Vrwdi nBindi mnb kb* p erfüllt und seine Leibesfrucht, die zweite Etappe auf der auf Erden sichenden, zmn Himmel führenden Leiter erreicht und so nicht nur physisch, sondern auch geistig seinen Stamm vermehrt sieht. Nächst Gott verdankt der Mensch Vater und Mutter sein Leben. Den letzteren verdankt er den leiblichen Theil, der Träger und Anreger der Sünde, wie es heißt: D-JX2 pfiiw rvbv. Mit dem 13. Jahre stellt sich der 2'Bn 1» ein. die dritte Kraft, die von n*2pn: cmi N2 oder auch rtetren re genannt. Diese gibt ihm die moralische Stärke, den rn 1» zu besiegen: xi2 l^2ri X12 .rn 1» N'2P7I. Religiöse Erziehung und Unterricht stärken diesen Gottesfunken, und so nach amd nach, nach der der sinnigen Erklärung des b"ibx rnddv — werden nach zwölfjährigem Kriege: n» nry cnv rno i'i ,M2V — die vier gewaltigen Herrscher, die ninB' V2">x, oder ^i.n ninv nämlich: ,m ,px ,o*o ,vx von den fünf Geisteshelden ,rm ..im' ,nc»3 ,rm .pb: kampfunfähig gemacht oder in die Flucht gejagt. — 103 mn B'ixlV37>i. — Welche Eltern sollten für den Ausgang eines solch siegreichen Kampfes nicht hocherfreut sein und gleich Abraham Gott dankend ausrufend: 21 pa iVx p'dV dx -pi2—. Gleich den Eltern ist der rrn» 12 von weihevollem Hochgefühl beseelt, von jetzt an als „V'x ' zu gelten und sich als gleichartiges Glied der Gottesgemeinde anschließen zu dürfen. Als solches präsentirt er sich das erste Mal, indem er eine rrr,rb wdV erhält, oder aus der betreffenden rrno vorliest, oder in der Synagoge das erste Mal vorbetet. In der mim 71212 spricht der mse 12 sein Weihgelöbniß fürs Leben aus, dankend n*2pn, daß er dem Gottesvolk, dem — 112 ivx — dem anserwählten Volke angehört, dem er das kostbare Gut, die Quelle aller Weisheit, die Lehre der Wahrheit, die Führerin zum ewigen Leben gegeben. Ist der ni»» für seinen Pflichtenkreis erzogen und geschult, lich verständnißvollst und mit Liebe heimisch zu fühlen, dann ist das Ziel langjähriger Vorbereitung erreicht. Jüdisch denkende, fühlende und handelnde Eltern tragen die beseligende Hoffnung in sich: rn» ravb ,nxi2 rvrib vb — wir haben nicht umsonst gelebt X2X N2w xi2 — nicht blos physisch, auch geistig vervielfachten wir uns. und haben uns unsterblich gemacht. Von diesen und ähnlichen höheren Gefühlen erfüllt. verlassen die Eltern in Begleitung des b*2 die Synagoge und auf die Synagogenfeier folgt allmählich