Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 92 (21.11.1904)
- Date
- 1904-11-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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m Kentrat-Grgan für das orthodoxe Zudentßum. V Begründet von vr. Uehnranir in Malttz. Montag, den 1». KtSlew 5665. Ll. November 1904. Die Sprache der Unschuld. Von A. Mantthetmer—Dettelbach. Eine der interessanteren Szenen m dem reichbewcgten Leben unseres Stammvaters Jakob führt uns der gestrige Thoraabschniit vor. Es ist das Zusammentreffen Labans mit dem heimlich entwichenen Patriarchen. Lange Zeit hatte Jakob bei Laban gelebt, treu und gewissenhaft seines Hirtenberufes gewaltet und dafür nur wenig Dank und Anerkennung geerntet. Selbst den rechtlichen Anspruch auf den sauer verdienten Lohn suchte Laban durch allerhand betrügerische Manipnltionen illusorisch zu machen. Einem Betrüger gegenüber, wie es Laban gewesen, half selbst die größte Vorsicht nichts. Ausdrücklich hatte Jakob als Löhn der ersten sieben Dienstjahre „Rachel", die jüngere Tochter," bezeichnet. Am Ende der Zeit erhielt er sie doch nicht! „Man thut das nicht au unserem Orte, die Jüngere vor der Aelteren herzugeben," meinte kaltherzig Laban. Und wiederum mußte Jakob sieben Jahre die Schafe Hirten, um Rachel. Das bittere Unrecht, das hierin für Jakob lag, mußte diesen umso mehr schmerzen, als es der eigene Onkel war, der die legalsten Rechte mit Füßen trat, nicht einmal menschliche, geschweige denn verwandtschaftliche Empfindungen bekundete. Und das Schmerzgefühl des Patriarchen erfuhr mit den Jahren noch eine Steigerung durch die fortgesetzt schnöde Handlungsweise des unnatürlichen Onkels und Schwiegervaters. Kaum waren die vierzehn Dienstjahre beendet, als die Chikanen von Neueni begannen. Jakob diente sechs Jahre um Schafe, und von Jahr zu Jahr suchte Laban unter allerlei Vorwanden den Hüterlohn zu entziehen, hauste neues Unecht zu den alten Sünden. Dennach segnete Gott den Stammvater Jakob mit reichlichen Gütern.- Es erblühten ihm in Labans Hause elf Söhne und eine Tochter, es wuchsen die Schaf-, Rinder- und Zi.egenherden zu ansehnlichem Umfang, er besaß Kameele und Esel, Knechte und Mägde in stattlicher Anzahl. Das erregte naturgemäß den Neid Labans. Er wurde überaus unfreundlich; Labans Söhne kränkten Jakob mit dem Hinweis, daß er sich von ihres Vaters Gut bereichert habe. Das vergällte dem Patriarchen den Genuß seiner schwer errungenen Lebensgüter, verbitterte ihm jeden Tag und jede Stunde, die er in solches ktmgebüng'züznbringen hätte. Jsi's7eTn ' Wunder, daß ihm die göttliche Auff o r d e r ü na, nunmehr zur H e i m a t h z u^ rückzuziehen, wie eine Erlösung klang, wie eine Befreiung von jahrelangem Druck und Unrecht? Jakob rief alsbald seine beiden Frauen auf's Feld, hielt ihnen die Handlungsweise ihres Vaters vor und stellte ihr gegenüber dir eigene, allezeit strenge Redlichkeit. Besonders aber machte der Patriarch Mitiheiluna von dem göttlichen Befehl, jetzt nach der Heimath zurückzuwandern. Mit scharfen Worten verurtheilten Rachel und Lea das 'schändliche Gebühren ihres Vaters, dem sie nicht ncehr kindliche Gefühle entgegenbringen können. V2K mz rto pVn i:!> -in haben wir denn noch A n t h e i I und Erb e am väterlichen Hause? Wurden wir Fremden gleich von ihm geachtet; denn er hat uns verkauft und verzehrt, ja verzehrt unser Geld! Und nun, aller Reichtbum, den Gott rmserm Vater entzog, gehört uns und unfern Kindern. Wohl, Alles was Gott zu Dir gesagt, das thiie!" — , , Nach solch entschiedener Rede, auf. solch, ent- . schiedenenRath der Nächststehenden, entschloß sich Jakob zur Flucht. Heimlich wollte Jakob'ent-, weichen, nur heimlich konnte er entweichen unter den obwaltenden Verhältnissen. Wir sehen aber an