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Der Israelit · 1904-05-25 · Heft 41-42 (25.5.1904) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 41-42 (25.5.1904)
Date
1904-05-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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züseßen/ Er hat sich deshalb zu einer Widerlegung entschlossen, die thatsächlich keine ist. die den Leser nur endgültig überzeugt, daß diese Broschüre nicht nur auf schwankem Grunde beruht, sondern der baufälligsten Hütte gleicht, die der erste Sturmwind über den Haufen wirft. Verfasser konstatirt, daß er nach „ehrlicher" Prüfung des Zionismus Zionist geworden sei. Verfasser . konstatirt ferner, daß er die Abrogirung des jüdischen Religionsgesetzes mindestens ebenso entschieden verurtheile als ich. Verfasser konstatirt zum Schluß, daß Orthodoxie und Zionsfeindschast keine identischen Begriffe sind und bittet seine Broschüre zu lesen. Das ist alles, was er sachlich auf meine drei Artikel zu entgegnen weiß. Nebenher laufen einige Ausfälle gegen den Rezensenten. Derselbe imputire dem Verfasser fälschlich eine ketzerische Philosophie des Zionismus. Daß der Zionismus ein verwerfliches Ding sei. gilt dem Rezensenten als unanfechtbares Dogma. In dieser Vor- . ausse.tzung bricht er im Vorhinein nicht nur über die Broschüre, sondern auch über den Verfasser den Stab. Zu diesem Zwecke reißt Rezensent Satztheile heraus und erlaubt sich kleine Fälschungen. Zum , Schluß spricht Verfasser auch von Verdrehungen und ' Verdächtigungen und nennt sie „geistreich seinsollend". Verfasser ist also nach ehrlicher Prüfung Zionist geworden. Er hat geprüft, bevor er sich ewig band. Nicht mit vorgefaßter Meinung ist er an die Beurtheilung des Zionismus herangetreten. Ja, er hat in Hirsch's Pentateuchcommentar herumgeblättert und zu seiner namenlosen Freude ist es ihm gelungen, diesen Pentateuchcommentar zum Fundamente seiner Argumentationen zu machen. Freilich hat sich ein Rezensent hinterher erlaubt, ihm dieses Fundament zu entziehen, ihn um Aufklärung zu bitten, wo denn um alles in der Welt in diesem Pentateuchcommentar von einer Rückkehr in's heilige Land ohne vorhergegangene nv'bv rmvn, auch nur mit einem Sterbenswörtchen die Rede sei und eine Stelle aus dem Jeschurun zu citiren, wo über alle in der neuesten Zeit auftauchenden Bestrebungen, die G^ula auf materiellem Wege der Besitzergreifung und Agrikultur des heiligen Bodens zu fördern, unerbittlich der Stab gebrochen wird. Aber das genirt den Herrn Oberrabbiner gar nicht, er ignorirt diesen Einwand vollständig, konstatirt, daß er den Zionismus ehrlich geprüft und bittet feine Broschüre zu lesen, wo Rabbiner Samson Raphael Hirsch, der Regenerator des Judenthums, nach wie vor. zum Zionisten degradirt erscheint. Verfasser hat die Grundlagen und Voraussetzungen geprüft, auf welchen der Zionismus basirt und nach reiflicher Erwägung gefunden, daß. was die Anerkennung des jüdischen Volkes als einer auch nach der Zerstörung deS Tempels bestehenden ethnographischen Besonderheit anbrlangt, „diesbezüglich" von einem Antagonismus zwischen Orthodoxie und Zionismus nicht die Rede sein kann. Hierauf hat sich ein Rezensent die Freiheit genommen, dem Herrn Oberrabbiner in aller Ehrerbietung die Frage zur gefälligen Erwägung zu unterbreiten, ob denn die Vorstellungen und Begriffe, die man auf zionistischer Seite mit dem Worte „Ration" zu verbinden pflegt. wirklich dem Boden echtjüdischer Gesinnung entsprossen und der Zionismus nicht vielmehr seine Anhänger, losgelöst von aller „gebetseliger Passivität", wie Rordau mal schreibt, auf eigene Füße stelle und sich nicht gerade dadurch vom alten, religiösen Zionismus unterscheide, daß er „aller Mystik" entsagt, sich nicht länger mit dem Messianismus identifizirt. die Rückkehr nach Palästina, wie derselbe Rordau mal schreibt, nicht von einem Wunder erwarte, sondern sie durch eigene Anstrengung vorbereiten will. Das alles und noch manches andere habe ich gefragt und bin nicht müde geworden, den Verfasser an die falschen Bahnen zu erinnern, in die der moderne Zionismus den jüdischen Volksgedanken hinübergeleitet. bin nicht müde geworden, ihm die Verwerflichkeit einer Bewegung an's Herz zu reden, die keineswegs nur praktische Ziele verfolgt,' sondern nach dem Baseler Programm auch ein auf reinnationalen Momenten. aber mit Richten auf Thora und Mizwoth beruhendes jüdisches Selbstgefühl und Volksbewußtsein fördern und pflegen will, bin nicht müde geworden, ihm die große Gefahr, die der jüdischen Gesetzestreue droht, wenn nichtgesetzestreue Zionisten seitens ihrer gesetzestreuen Brüder als Nationaljuden anerkannt, als v'nvn rirr in den Himmel gehoben werden, vor Augen zu halten, das alles und noch manches andere habe ich gesagt — aber der Papaer Oberrabbiner hüllt sich in den Mantel eines beleidigten Ehrgefühls, und rettet sich aus dem Dilemma, in das er gerathen, wie der Schwimmer mit elegantem Schwünge an den sicheren Port sich flüchtet, wenn er im Kampfe mit den Wellen allmählich seine Kraft erlahmen fühlt. Ich finde diese Kampfesweise äußerst rentabel und bequem. Man braucht sich nicht im geringsten dabei anzustrengen und hat alle Aussicht, ein reckt hohes Alter zu erreichen. Verfasser spielt mit seinem Rezensenten Blindekuh. Er bindet sich ein Tuch vor die Augen und will dennoch den Rezensenten greifen und zu Boden schlagen. Er sieht nickts und hört nichts, meine Artikel sind für ihn nicht geschrieben und dennoch will er sie widerlegen, respektive, mit. Rücksicht auf den ..Israelit", berichtigen, wie des Verfassers Compromißausdruck kautet. Rezensent sprach vom Zionismus. Verfasser redet von sich, von seiner Orthodoxie, seiner Frömmigkeit, die ihn die Abrogirung des jüdischen ReligionsqesetzeS „mindestens" ebenso entschieden verurtheilen laßt, wie

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