Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 65-66 (17.8.1904)
- Date
- 1904-08-17
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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für das V^ MtthodoLe<MudenlhurM>ö A 17. Nttg 1904.J l«r. 20. IS mm IVn Hermann ^örvinger—M i e n. Unter den mannigfachen. originellen ^Weu. ^ie . dos jüdische Leben im früheren alten Iudenghetto her.! rorgebraäst. und die noch seht in vielen jüdischen Ge meinden, wo bansende unserer Glaubensbrüder ihre - Wohnsitze aufgeschlagen. anzutreffen sind, ist ^inc der | markantesten Figuren der Mussaf-Baal T^fisto an den Iomiin Rauroim. Wer von unseren geehrten Lesern hat nicht schon Gelegenheit gehabt, diese lvvische. ori ginelle Figur in den großen jüdischen Eentreu. »nie B. unsere schöne Residenzstadt Wien es ist. zu bc obachten und näher kennen zu lernen. Selbstverständlich ist es nicht unsere .Absicht den Berufs Baal Tcfist". wie dies z. B. die in den Gemeinden fix angestellten ^hafonim etc. sind, zu schildern, sondern einige Fia»r n aus der großen Zahl der Gcsigcnheits Baalc Tefillo'S. die das ganze Jahr allerlei Geschäfte betreiben, aus denen sich nicht im Entferntesten ihr musikalisches oder gesangliches Talent, auch nicht ihre Fähigkeit zn.m Bor leter errathen läßt. So kannten wir z. B. einen solchen! Mussaf-Baal-Tefillo. der während des ganzen Jahres mit alkrn, Eilen aebandelt hatte und der. trotzdem seine Summe so rostig wie . altes Eisen", den Beruf in sich gefüblt, an den Iomiin Rauroim für ..Geld und gute Worte" als Vorbeter bei den ..Minjanim" zu fungiren. Ein Anderer handelte wieder während des ganzen Fahrcs mit zum Rituale erforderlichen Gegenständen, wie z. B. Sidurim't. Machsorim-'), Luchotlsi). Zizitb'l. ' * Borbetcr. * 1) Gebetbücher. 2) Gebetbücher an den Festtagen. 3-Ltalender. 4) Schaufäden. aus ivelchen Handelsartikeln man schon eher eine. Nerbindung mit seinen Lieblingsmetier als Baal-Tefillo- Amateur erratbcn konnte. Doch das größte Eontingent dieser oben gekennzeichneten Tnpen besteht zumeist in ..abgedankten Ehasonim')". und Meschubodim aus kleineren Landgenieinden, die zum Theil ihre Stimme verloren, oder die eines anderen Grundes wie z. B. wegen Auflösung ibrer «Gemeinde stellenlos geworden und in der Residenzstadt auf irgend eine Weise ihr Brod suchen. Zn den Letzteren gehört auch der Held unserer Schilderung, *H. Mendel .stomcrner. Wenn wir uns nun mit diesen, etwas eingehender befassen, so ist es. weil mit der Schilderung seiner Person zugleich ein getreues Portrait der ineisten seiner Standes- und Leidensgenosscn den, Leser geboten wird, wie wir diese im jüdischen Leben der Residenz oft zu sehen Gelegenheit haben. Der Unterschied zwischen unserem R. Mendel und seinen ...Nollegen" ist nur. daß sich Ersterer als gewesener Estasan einer größeren Gemeinde, wo er, weil er den Glanz seiner einst großartigen Stimme verloren seine stelle verlassen mußte, sich als etlvas Höheres als seine übrigen Standesgenossen dünkte, und einen gewissen Nünstlerstolz besaß. Doch da er von diesem nicht leben konnte, und um seine Frau und Binder zu erhalten, wie viele seiner Leidensgenossen mit woth" sich kümmerlich ernährte, und mit Sidurim. Machsorim, Luchoih und Zizith Handel trieb, so mußte er das ganze Jahr womöglich feinen Stolz unterdrücken. 6) Kantoren und Synagogenbeamt«.