Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 65-66 (17.8.1904)
- Date
- 1904-08-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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45. Jahrgang._ Zweite Ablage zu jä 65 L 66 des „Israelil^. ÄWk Wa — »Stk Biiinphunr? Ton A. Msutthermer—TJeltelbad?. iSr'Nsc^mig.) Schon feit Jahren wird davon gesprochen mit» ge schrieben, das», zwischen dem Rabbiner und dem Lehrersrande ein nickt gerade cordiales Verhältnis' herrseht. Am 4. Juni r.><><) wurde dieser Punkt sogar ans der allgemeinen deutschen Rabbinertonferenz zur Be rathnng gestellt. Und es muss einmal zur Klärung kommen, e~ »kliss einmal eine Aussvrache siatmnden. sonst lausen wir Gefahr, unsere heiligsten Interessen in geradezu unverantwortlicher Art zu schädigen! Die Stände, welche der heutzutage durch Gleichgiltigkeit :nd offenes Widerstreben gefährdeten Gmunob mit allen Graften dienen sollten, befehden sich.selbst, begegnen ssch mit dem Vli.ke des Argwohns, gehen nach verschiedenen Richtungen auseinander, wo sie Schulter an Schulter zn heben hätten. Ich kann mir wahrlich lein ividerlicheres, hässlichere-:- und verderblicheres Miss Verhältnis', denlen als dieses. Schon vor mchicren Jahren berührte ich diesen wunden Punkt in unterem vfteutlich jüdischen Leben. Gs liegt mir fern, heute an dieser Stelle ertchchssend sein zu »vollen. Rur «iniges soll betont werden. das mit der hier behandelten Sache im Zusammenhänge steht. Die Gnttremduva zwischen beiden Ständen liegt in der verschiedenartigen 'Vorbildung einerseits, in der Ar>itsftil)n,ng anderseits. So lange man die höhere Bildung noch nach den Semestern zählt, die an einer Universität verbracht werden, so lange tvird man dein Rabbiner dir höhere Bildnngsssuse zusprechen rniissen. tBildung im Sinne eines edlen Herzens und t'ievliithes, de- Anstandes und der guten Sitte tami a>.tch der Laie besitzen. unter Uniständen noch niehr als der erbe Uiti bersstälsvrosevor.l Die lo viel umstrittene J-ragc der besseren Vorbildung für Lehrer hat eine ganze Littcra tur gezeitigt, praktisch jedoch ein buntes Hlictwerk her vorgrbracht, das uns nimmer genügen mag. Daran ändern auch die Ferienkurse an den Universitäten nichts, die von Lehrern srequenlirt werden. ./Wir sind aus der Universität aber doch.«icht aus der Universität." meinte vor zwei Jahren ein Professor gelegentlich eines solchen Kollegs.*» Gegenüber der höheren Bildung der Akademiker betont der Lehrerstand die pädagogisch.'. Das iss aber die einzige und letzte Domäne, auf der wir nns festsetzen. Doch wie, wenn auch der Geistliche ein *) 3h Wür.chnrg ist ein st'tckrr Ferienkurs in diesem 3‘ifir < rückt zustande gekommen.; oder zwei Jahre Pädagogik und Methodik treiben würde* So hat schon Rektor Riszmann Berlin auf dem 9. delitschen Lehrertag zu Halle 1892 gefragt, als er gleich Dicsterwcg, .klar! Schmidt, .ssarl Richter, Seysarth, Beetz. Andrae. Marschall. Sallwürl etc. die Realschule zur allgeukeinen Vorbildung empfahl. Wir haben seitden» den „Pädagogen" gar oft hervorgehobrn, besonders int .ssampse gegen die geistliche Schulinspeltion. Andererseits aber hat man sich wieder mit Recht verwahrt gegen das einst so geflügelte Wort vom „Schulmeister von Sadowa". Man glaubte alles von ihm erlvarten zu dürfen mtb machte ihn Darum auch für alle Schäden und Gebrechen der Zeit verantwortlich. Unser warterer Vorstand des bayer. VoUsschnllcbrervcrcius (Schubert Augsburg), zu dem auch wir jiib. Lehrer in Verehrung und Liebe aufschauen. hat als Landtagsabgeordneter im .ssampfe gegen die bayrische (fentrumsmehrheit sich wiederholt in obigem Sinne ycänssert, besonders anlässlich des .ssapitels der „jugendlichen Verbrecher", deren Zahl sich unheimlich erhöht. Wenn darum .Herr .ssollege Schwei tzerGlozau in Rr. :,i) des Verbandsorgans den Rabbinen zuruft: „Wer hat denn bisher den Abfall in unfern Reiben gezüchtet oder ist mindestens ihm thatlos gegenübergestanden? Haben etwa die Rabbiner es verstanden psz zu fein?", so können die Rabbiner bequem die Netourchaise benützen. Habt ihr Lehrer der Religion dies erreicht mit eurem methodischen und Pädagogischen Unterricht? Zeigt »us die Schulen, Ivo Ghumesch m i t Raschi. etwa Mischnajos oder nur das ganze Gebetbuch gelehrt und gelernt tvird! Wie sieht's mit eurem „er .ziehenden Unterricht" aus? Zeigt uns den religiösen S i n kl im Hause, im Geschäfte, in der Beobachtung deL f-c*, der Speisege setze, der Gebet szeiteu, der gest¬ und Jasitagc it. s. f. Wie koiniilt's, dass ein polnischer Schnorrer ohne alle Methodik und Pädagogik schon mit 12 Jahren ein Blatt Geinoroh lernt oder auch „bient". ivährend aus den deutschen Schulen gar eigenartige „Lamdouim" bckvorgehen. die sich i-n praktisch religiösen Leben ebenso eigenartig bewähren? Wo bleibt da die Wunderwirtung der Pädagogik? — Solche Jragen werden uns ans dem Munde der Rabbi, ien entgegen tönen auf die oben angeführten Worte des Herrn Schweitzer. Jreilich werden wir da zu unserer Rechtfertigung ein ganzes Heer von Momenten, Halloren und Imponderabilien anfiihren, die so sattsam bekannt sind, das ich es mir versage, hier auch nur ein einziges anzuführen. Und so ivill ich denn es anszusprechen wagen, dass wir Letzter etwas bescheidener mit dem „Pädagogen" thun sollten, um uns nicht schliesslich unfreiwillig ein Sch'lldkonto anzulegen. Schon höre ich einen tausend-