Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 39-40 (19.5.1904)
- Date
- 1904-05-19
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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850 Es war die höchste Zeit gewesen, denn in diesem Augenblicke fegte t:e Fluth auch den stehengebliebrnen Rest des Hauses hinweg. Stumm r 1 ü.ifc der Bürgermeister dem ed^en Retter die Hand und Thränen standen in seinen Augen. Einige Tage waren nach diesen furchtbaren Ereignissen verflossen, als David am frühen Morgen durch einen Boten auf - das Gemeindehaus gerufen wurde. Hier ward ibm, vor dem gesammten Gemeinderath, von Seiten des Bürgermeisters eine von dem Landesfürsten angeordnete Belobigung wegen der Errettung von Menschenleben zu Theil. Darauf machte der Bürgermeister noch bekannt, daß sein Sohn in der vergangenen Nacht seinen Verletzungen erlegen, daß er aber vor seinem Tode noch das Geständniß abgelegt, nicht David Moser, sondern er. Max Müller sei der Brandstifter damals gewesen, und zwar hätte ihn die Absicht getrieben, unter allen Umständen David Moser als den Brandstifter zu verdächtigen, um denselben moralisch und finanziell zu Grunde zu richten, damit er ihm nicht mehr im Wege stehe, Sarah Goldstein zu erringen. Unwillkürlich rang sich ein heißes Gebet aus dem Herzen David's zum Allmächtigen empor. Er war nicht mehr geächtet und gemieden von seinen Mitmenschen, er konnte wieder frei und stolz jedem in's Auge sehen. Die Einwohner des ganzen Städtchens wetteiferten, das Unrecht wieder gut zu machen, das sie in der Verblendung an ihren jüdischen Mitbürgern begangen, und noch nie hat die israelitische Gemeinde zu M. ein solch' frohes SchowNaussest gefeiert, als in dem Jahre 18.. Einige Wochen danach feierte David Moser seine Hochzeit mit Sarah Goldstein, der Tochter des Vorstebers, die in unverbrüchlicher Treue in den Leidenstagrn zu ihm gehalten. Das ganze Städtchen nahm { durch Schmückung der Straßen, durch die der Hoch- . zeitszug ging, an diesem glücklichen Ereignisse Theil. David Moser besitzt noch heute das Vertrauen seiner jüdischen und nichtjüdischen Mitbürger, welch' letztere ihm, als der alte Bürgermeister Müller das Zeitliche gesegnet, das höchste Ehrenamt der Ge-! meinde, das des Bürgermeisters, übertrugen. HswUÄUs Versammelt im Tempel beim Lampenschein. Da sitzt der Gesehestreuen Verein. Mit Laub ist die heilige Halle geschmückt. So sitzen sie da, der Welt entrückt. Doch nicht nur die Mauer, die sichtbar sich hebt. Trennt von der Welt sie, die rings um sie lebt. Unsichtbar ist um sie ein Wall st e t s gethürmt. Wo brandend zerstiebt, was draußen auch stürmt. Wie vielförmig draußen Leidenschaft ringt: An diesem Wall sie ersterbend verklingt. Was der Menschheit zum Heile Gott gelehrt: Der Glaubenseifer dem Volk hier erklärt. Der Sinn, den die heilige Schrift gebucht. Wird mit dem Blitze des Geistes gesucht. I Für sie gibt es immer nur einen Pfad: I Wo man am schnellsten der Gottheit sich naht. Dem Pfade voran winkt stets nur ein Licht: Die heilige Thora, aus der Gott spricht. > Die sternendurchwobene Mitternacht Ist nun so im Forschen herangewacht. Der sinnende Blick am Himmel verweilt: Für Gläubige heut der Vorhang sich theilt. Was sonst nur ahnend die Sehnsucht gezeigt: Die lichte Wahrheit dem Himmel entsteigt. O bringet sie mit aus dem Gotteshaus! Sie löschet des Zweifels Irrlichter aus! Medgyes. Fanny Bäume!.